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Teltow-Fläming Spender bietet 10.000 Euro für Turmsprengung
Lokales Teltow-Fläming Spender bietet 10.000 Euro für Turmsprengung
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19:07 05.08.2014
Diese beiden Heiztürme stehen zum Sprengen bereit: Gebote für den Knopf am Auslöser können noch abgegeben werden.
Diese beiden Heiztürme stehen zum Sprengen bereit: Gebote für den Knopf am Auslöser können noch abgegeben werden. Quelle: Margrit Hahn
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Unglaubliche 10.000 Euro als Gebot

Der Platz an der Seite des Sprengmeisters für die Sprengung der beiden Heiztürme auf dem Gelände der alten Garnison in Glau wird versteigert. Wer am meisten bietet, darf die Explosion per Knopfdruck auslösen.

Erste Gebote sind bereits eingegangen. Für den Betonturm wurden über einen Mittelsmann 10.000 Euro geboten. Überbietet jemand diesen Betrag, steht das Geld nach dem Willen des Bietenden der Kirche auch dann zur Verfügung, wenn die 10.000 Euro "geknackt" werden.

Gute Karten hat man noch bei dem gemauerten Schornstein. Das Erstgebot liegt hier bei 500 Euro. Stefan Tzschentke von der Johannischen Kirche verrät schon im Vorfeld: "Beide Türme werden zur Seite fallen." Einerseits sei der Betonschornstein voller Eisen und könne daher nicht in sich zusammenfallen, andererseits sei der gemauerte Turm zu klein, um in sich einzusacken.

  • Am Freitag werden in der Friedensstadt um 10 Uhr die beiden Heiztürme in Glau gesprengt. Die Sicherheitszone um die Türme herum beträgt 150 Meter. Der Verkehr wird für die Sprengung kurz unterbrochen.
  • Auf der freien Fläche am Sportplatz gibt es ab 9 Uhr ein Rahmenprogramm. Es werden Erinnerungsstücke und Getränke angeboten. Das Auslösen der Explosion wird versteigert. Alle Einnahmen sollen für die zusätzlichen Abrisskosten des ehemaligen Krankenhauses der Garnison verwendet werden.
  • MITBIETEN: Gebote können kurzfristig bei Stefan Tzschentke telefonisch unter 033731/707 98 168 oder per E-Mail an stefan-tz@web.de abgegeben werden.

Zudem wird es ein Benefizkonzert geben und man hofft, dass beim Kreiserntefest, das dieses Jahr in Blankensee gefeiert wird, der eine oder andere Euro zusammenkommt. Das Geld wird dringend gebraucht, um das Gelände zum Erholungspark umbauen zu können.

Seit Ende Juni wird aufgeräumt

Bereits Ende Juni rückte an der alten Garnison schwere Technik an. Inzwischen ist von den Betonfundamenten, den Heizwerken und der Kampfbahn mit Tunnel kaum noch etwas zu sehen. 150.000 Euro stellt die Johannische Kirche bereit, um die Hinterlassenschaften des russischen Militärs beseitigen zu lassen. Das Geld stammt von den Pachteinnahmen der benachbarten Photovoltaikanlage. Allerdings reicht es bei Weitem nicht, um alle Vorhaben zu realisieren.

Jugendliche der Johannischen Kirche kommen seit Jahren zum Arbeitseinsatz nach Glau. Quelle: Hahn

Ein Park für Sport, Spiel und Erholung

Jugendliche planen seit langem, dieses Gelände langfristig parkähnlich zu gestalten und es für Sport, Spiel und Erholung zu nutzen. Dafür müsste allerdings auch das ehemalige Krankenhaus der Garnison, das noch bis 1991 genutzt wurde, verschwinden. Die Bagger reißen es schon ab, doch noch fehlt das Geld, die Rechnung dafür zu begleichen. „Die Endrechnung kommt Ende September, bis dahin müssen wir das Geld zusammenhaben“, sagt Tzschentke. Er hofft, dass auf jeden Fall noch Geld bei der Schornsteinsprengung am Freitag zusammenkommt.

Die Jugendlichen haben zudem angeboten, einen Teil der Arbeiten selbst zu übernehmen. Schließlich führen sie doch schon seit Jahren immer wieder Arbeitseinsätze durch. „Hier soll ein schönes Stück Erde entstehen“, sagt Stefan Tzschentke von der Johannischen Kirche. Es geht darum, das Gelände grüner zu machen und es auch unterirdisch aufzuräumen.

In diesem Sommer wurde in Glau wieder ein Zeltlager aufgeschlagen, an dem sich junge Leute aus ganz Deutschland beteiligen. Vormittags wird gearbeitet und nachmittags steht Freizeit auf dem Programm. „Ich komme seit 2009 jedes Jahr hierher“, sagt Valentin Schätzle aus Berlin. „Am schlimmsten war es in diesem Jahr, bei 35 Grad im Schatten die vielen Schichten Dachpappe zu entfernen. Das war nicht ohne“, fügt der Student hinzu. Es wurden aber nicht nur Dachpappe abgerissen, ölhaltige Farben von den Wänden gekratzt und Fliesen abgeklopft sondern auch Baustoffe getrennt, sodass diese fachgerecht entsorgt werden können. Teilweise mussten die fleißigen Helfer trotz der Hitze komplette Arbeitsanzüge und Schutzmasken tragen, um die Giftstoffe nicht einzuatmen.

Überraschungen während der Abrissarbeiten

Doch erst einmal muss in dieser Woche weiter aufgeräumt werden. Es gibt während der Abrissarbeiten immer wieder Überraschungen. Die letzte ist noch ziemlich frisch und sorgte für Aufregung, denn eine der Heiztrassen scheint über den Fußballplatz zu verlaufen, der einzige Platz, der eigentlich fertig war. Stefan Tzschenkte, der selbst drei Wochen mitgearbeitet hat, wünschte sich in irgendeinem der vielen Betonlöcher oder Gebäude eine Schatztruhe zu finden, mit interessanten Unterlagen. Allerdings musste er sich bisher mit Betonbrocken, Holz- und Metallteilen zufriedengeben.

Überall auf dem Gelände sind Altlasten zu finden. Quelle: Hahn

Auch die riesige Mensa bereitet der Johannischen Kirche Kopfzerbrechen. Denn ein Teil der Fläche gehört einer Erbengemeinschaft, so dass ein Teil des Gebäudes stehen bleiben müsste. Noch steht nicht fest, wie man damit umgehen wird. Auch die Forderung nach Ersatzpflanzungen ist für einige Glauer nicht ganz nachvollziehbar. Für die Krüppelbäume, die von den Russen einst kreuz und quer angepflanzt wurden, solle sie für viel Geld neue pflanzen. Woher das Geld kommen soll, steht in den Sternen.

Von Margrit Hahn

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