Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Sperenberg soll energieautark werden
Lokales Teltow-Fläming Sperenberg soll energieautark werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:06 31.03.2017
Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (SPD) überbrachte dem Wirtschaftsausschuss des Kreistags die Neuigkeit.
Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (SPD) überbrachte dem Wirtschaftsausschuss des Kreistags die Neuigkeit. Quelle: Margrit Hahn
Anzeige
Luckenwalde/Sperenberg

Die Landesregierung steht zur rot-roten Koalitionsvereinbarung, auf dem riesigen Konversionsgelände bei Sperenberg eine Anlage zur Produktion erneuerbarer Energien zu errichten. Das bisherige Konzept eines Industriekonsortiums für ein Multienergiekraftwerk Sperenberg (MEKS) überzeugt das Wirtschaftsministerium des Landes nach eingehender Prüfung hingegen nicht. Das teilte Hendrik Fischer (SPD), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, am Mittwochabend dem Wirtschaftsausschuss des Kreistags von Teltow-Fläming mit.

Fischer hatte dem Gremium einen Überraschungsbesuch abgestattet. Er wollte die Abgeordneten rechtzeitig davon in Kenntnis setzen, dass das Land in Kürze eine Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie vornehmen werde. Darin soll ein Konzept erarbeitet werden, wie Sperenberg an 24 Stunden am Tag und 365 Tagen im Jahr mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann, so der Staatssekretär.

Sperenberg bietet die idealen Voraussetzungen

Nach den Vorstellungen des Wirtschaftsministeriums soll in Sperenberg also ein ähnliches Projekt verwirklicht werden, wie in dem Erneuerbare-Energien-Vorzeigedorf Feldheim bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). Sperenberg biete mit seiner überschaubaren Größe des Ortes, der riesigen Konversionsfläche und den Thyrower Gasturbinen als Speicherort sozusagen in Sichtweite die idealen Voraussetzungen für ein „Feldheim in der nächsten Ausbaustufe“, sagte Hendrik Fischer.

Mit der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) der Anrainergemeinden Am Mellensee, Nuthe-Urstromtal, Luckenwalde und Trebbin sei man sich einig. Diese Kommunen hatten sich bisher für die Pläne des Industriekonsortiums eingesetzt. Daran hegt das Ministerium aber eine Reihe von technischen wie betriebswirtschaftlichen Zweifeln, die Fischer in der Ausschusssitzung aufzählte:

Vier Kritikpunkte an den bisherigen Plänen

Erstens: die relativ große Zahl von Windkraftanlagen, für die es im Moment keine Windkrafteignungsgebiete gibt. Ausgewiesene Gebiete in der Nähe, so erläuterte Fischer, sollten nach den Vorstellungen des Industriekonsortiums nicht mit einbezogen werden. Das nährt wohl die Vermutung, dass versucht wird, über diesen Hebel am Regionalplan vorbei zusätzliche Windräder aufstellen zu dürfen.

Zweitens: die schwer zu berechnende Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlagen.

Drittens: die im Verhältnis zu den geplanten Windkraftanlagen zu geringe Produktion von Methangas durch Elektrolyse zur Verwertung des überschüssigen Wind- und Sonnenstroms.

Viertens: die Nicht-Einbildung der Thyrower Gasspeicher und -turbinen zur Speicherung und Verbrennung des aus der Elektrolyse gewonnenen Methangases.

Zweifel konnten nicht ausgeräumt werden

„Unsere Zweifel an dem Konzept des Industriekonsortiums konnten bisher nicht ausgeräumt werden“, berichtete der Staatssekretär, „deshalb befinden wir uns jetzt am Scheidepunkt.“ Es gehe darum, sich aus der Umklammerung des bisherigen Konzepts zu befreien. Da man aber kein anderes Konzept habe und ein solches nicht selber entwickeln könne, schreibe man die Studie aus. „Das Ergebnis ist offen, der politische Wille ist da“, so Fischer, „aber das Wirtschaftsministerium wird nichts befördern und begleiten, von dem es nicht überzeugt ist.“ Dies sei „kein leiser Abschied“ von dem Projekt, beteuerte der Staatssekretär, denn ohne solche Vorhaben werde es keine Energiewende geben. Er persönlich glaube daran, dass dies ein Erfolg werden kann.

Ergebnisse bis zum Herbst

Fischer rechnet mit dem Zuschlag für die Studie in zwei bis drei Monaten und erwartet noch in diesem Herbst Ergebnisse. „Die werden wir dann hier vorstellen und Ihnen sagen, wie wir das sehen.“

Von Hartmut F. Reck