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Teltow-Fläming Stasi bespitzelte Rudi Dutschkes Familie
Lokales Teltow-Fläming Stasi bespitzelte Rudi Dutschkes Familie
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14:44 06.03.2018
Fußballer Günter Dutschke wurde von der Stasi bespitzelt. Quelle: privat
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Luckenwalde

So wurde auch Günter Dutschke, Luckenwalder Fußballer, von der Stasi bespitzelt. Offensichtlich rückte er vor allem wegen seines jüngeren Bruders Rudi, der als Studentenrebell in Westdeutschland für Furore sorgte, ins Fadenkreuz des Interesses. So war ein Nachbar der Dutschkes mit dem IM-Namen „Erzieher“ auf sie angesetzt. In einem Bericht des Stasi-Oberstleutnants Heidekorn vom 30.Juli 1973 wird beschrieben, welche Aufgaben ihm zukamen. Als ein Besuch Rudi Dutschkes zu erwarten war, sollte IM „Erzieher“ sofort informieren, wenn er irgendwelche Veränderungen bei seinen Nachbarn bemerkte. Allerdings hat der IM weder Rudi noch Günter Dutschke zu Gesicht bekommen. Im Bericht heißt es: „E (für Erzieher) fährt mehrmals am Tag nach Hause, um zu sehen, ob D. Rudi eingetroffen ist. Bei Bestätigung wird er uns sofort informieren, ansonsten ruft er jeden Morgen an.“ Es wurde sogar daran gedacht, die Frau von „IM Erzieher“ in die Spitzeltätigkeit mit einzubeziehen, denn wie der Akte zu entnehmen ist , sei sie „ganztags zu Hause, da sie Heimarbeit durchführt“.

Monatlich zwischen 200 und 300 Mark

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Derartig dürftige Informationen haben sicher nicht viel eingebracht. Ansonsten hat „IM Erzieher“ monatlich zwischen 200 und 300 Mark für seine ehrenamtliche Stasitätigkeit bekommen. Besondere Leistungen wurden extra honoriert.

Nach den bisherigen Erkenntnissen trat der Luckenwalder Spitzel (Jahrgang 1932) 1951 aus der Kirche aus und acht Jahre später in die SED ein. Er war Referatsleiter beim Rat des Kreises und später Referent für Jugendweihe. Er gehörte der Feuerwehr und dem Anglerverein an. Spioniert hat er bei den Ringern des SG Dynamo, an der Sportschule, in der Schwimmhalle, in der Nachbarschaft und in der Kirche. „IM Erzieher“ stieg sogar auf und hatte zehn andere Spitzel unter sich.

„IM Erzieher“ geriet auch in die Kritik seiner Stasi-Vorgesetzten

Einen Kollegen beim Rat des Kreises, der 1977 seine Mutter im Westen besuchen wollte, hat er so diffamiert, dass diesem die Reise fast verwehrt wurde. „IM Erzieher“ hatte behauptet, dem Kollegen ginge es nur ums Westgeld.

Aber „IM Erzieher“ geriet auch in die Kritik seiner Stasi-Vorgesetzten. Sie hielten über ihn fest, dass ihm der Überblick fehlte und er sehr materiell eingestellt sei. Quittungen belegen, dass er alles in Rechnung stellte, was er für konspirative Treffen und ähnliches ausgab.

Von Margrit Hahn

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