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Teltow-Fläming Süß, aber fies
Lokales Teltow-Fläming Süß, aber fies
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20:02 05.02.2014
In solchen Fallen fangen Jäger wie Toni Sterling die Waschbären.
In solchen Fallen fangen Jäger wie Toni Sterling die Waschbären. Quelle: Thomas Querfurth
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Gebersdorf

Toni Sterling jagt Waschbären. Die sehen zwar putzig aus, fressen allerdings alles, was ihnen in die Quere kommt. Das aus Nordamerika stammende Tier räumt Hühnerställe und Vogelnester aus. Toni Sterling ist Spezialist. Fuchs, Dachs, Marderhund und Waschbär gehen dem 28-Jährigen in dem gemeinschaftlichen Jagdbezirk Gebersdorf in die Falle. Bislang hat er 52 Waschbären zur Strecke gebracht. „Wir wollen sie nicht ausrotten, nur straff bejagen“, sagt er. „Momentan ist der Waschbär ein Schädling bei uns.“ Eine Mütze, so verrät er augenzwinkernd, hat er sich aber noch nicht machen lassen, das sei einfach zu teuer.

Toni Sterling hat mehrere Berufe. Es ist Landwirt, Baumpfleger und arbeitet zurzeit als Lagerist im Agrarhandel in Hohenseefeld. Einen Jagdschein besitzt er seit 2006. Damit hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt, wie er sagt. Obwohl die Familie wenig mit der Jagd zu tun hat, war er davon schon immer fasziniert. Mittlerweile ist er staatlich geprüfter Jagdaufseher.

„Wir wollen sie nicht ausrotten, sondern nur straff bejagen.“Toni Sterling Quelle: MAZ

Die Waschbären erlegt er entweder mit dem Gewehr oder mit einer sogenannten Totschlagfalle, einer Conibaerfalle, allerdings nur weit außerhalb der Ortschaft. „Sachgemäß“, versichert er. Näher am Ort hat er Kastenfallen aufgestellt. Auf maximal 1000 Hektar stehen seine Fallen, die er vor Arbeitsbeginn und nach Feierabend kontrolliert. Ist er mal nicht da, helfen die Pächter oder er stellt die Fallen „unscharf“. Den gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz der Tiere hält Sterling natürlich ein, das heißt vom 1. März bis 15. Juni ist Schonzeit.

Seine Freundin und die Freunde haben Verständnis für sein Hobby, sagt Toni Sterling. „Viele aus der Ortschaft meinen, dass die Waschbären eine Plage sind und deshalb sind sie froh, dass sich jemand darum kümmert.“ Allerdings gebe es auch Nachbarn, die die Waschbären füttern. Sie lassen sie zum Beispiel an den Resten der Grillparty teilhaben. „Ich bin auch dafür, dass die Leute ihre Komposthaufen abdecken, das ist nun mal eine Futtergrundlage“, sagt der passionierte Jäger. Größere Schäden hat der Waschbär in Gebersdorf noch nicht angerichtet, aber die Tiere seien allgegenwärtig.

In der Jagdstatistik des Landkreises Teltow-Fläming aus dem Jahr 2000 kommt der Waschbär noch gar nicht vor. Die Zahlen steigen seitdem stetig an. 2009/10 waren es knapp 500, in der Saison 2011/12 wurden schon doppelt so viele Waschbären erlegt.

Toni Sterling ist davon überzeugt, dass „die Waschbärenpopulation nicht mehr in den Griff zu kriegen“ ist. Gerade deshalb möchte er vor allem auch junge Jäger davon überzeugen, sich der Jagd auf die Tiere zu widmen. Naturschützer und Jäger sind sich da einig. Der Gebersdorfer hat selbst schon einen Jungjäger ausgebildet und der sei „ein hervorragender Fallensteller“, wie er berichtet.

„Waschbären sind keine Kuscheltiere. Sie können großen Schaden anrichten und gefährlich werden“, sagt Sterling. Er habe gerade erst bei einer Jagd erlebt, dass ein Hund von einem Waschbären schwer verletzt wurde.

Wer auf seinem Grundstück von Mardern oder Waschbären geplagt wird, kann sich an die untere Jagdbehörde beim Kreis wenden. Die informiert den Jäger und stellt eine Sondergenehmigung aus. Dafür wird eine Gebühr fällig. Wer selbst eine Falle auf seinem Grundstück aufstellt, betreibt Wilderei. „Das ist grundsätzlich verboten“, sagt Toni Sterling.

Von Martina Burghardt

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