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Teltow-Fläming Tabuthema Abtreibung
Lokales Teltow-Fläming Tabuthema Abtreibung
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16:18 11.06.2018
Eine Frau füllt in einer Beratungsstelle ein Formular zu ihrer Beratung aus. Quelle: DPA
Dahmeland-Fläming

Frauen, die das Gespräch mit Claudia Biehl suchen, haben häufig eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens vor sich: Die Entscheidung für oder gegen das ungeborene Kind in ihrem Körper. Um Schwangere aus der Region Dahmeland-Fläming in dieser schwierigen Situation zu beraten und ihnen alle nötigen Informationen zu geben, ist die Psychologin Claudia Biehl in der Psychosozialen Beratungsstellen für Schwangere und Familien in Königs Wusterhausen angestellt.

Ein solches Gespräch – die sogenannte Konfliktberatung – mit ihr oder ihrer Kollegin ist verpflichtend für die Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch planen. Das bezeichnet Claudia Biehl als sinnvoll. Aus ihrer Erfahrung jedoch weiß sie, dass die Entscheidung nie leichtfertig getroffen wird. Und so durch den Zugang zu Informationen zum Eingriff wohl nicht beeinflusst wird.

Um den Zugang zu Informationen zu einer Abtreibung geht es im Fall der Ärztin Kristina Hänel, der vor Weihnachten durch die Medien ging. Die Frau aus Gießen ist zu einer Strafe von 6 000 Euro verurteilt worden, weil sie auf ihrer Homepage veröffentlicht hatte, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Als Werbung legte es ihr das Gericht aus und verurteilte Hänel wegen Verstoßes gegen Paragraf 219a des Strafgesetzbuches (siehe Infokasten). Der Fall schlug deutschlandweit Wellen, eine Petition zur Abschaffung des Paragrafen 219a haben mehr als 150 000 Menschen unterschrieben. Bundestagsabgeordneten der Grünen, Linken, FDP und SPD unterstützten das.Die CDU sprach sich dagegen aus, woraufhin die SPD jüngst zurückruderte.

Unterstützung und Skepsis gibt es auch von Politikern in der Region. So spricht sich Jana Schimke, CDU-Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Dahme-Spreewald gegen eine komplette Abschaffung des Paragrafen 219a aus. „Er schützt davor, dass im Fernsehen oder auf Flyern für Abtreibungen geworben wird“, sagt Jana Schimke. „Das muss weiterhin unter Strafe stehen.“ Den Fall Kristina Hänel nennt sie knifflig. „Man muss prüfen, ob sachliche Information wirklich Werbung ist, Ärzte müssen straffrei informieren dürfen.“

Für die komplette Abschaffung des Paragrafen 219a spricht sich ganz klar die Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg, die als Direktkandidaten des Wahlkreises 60 im südlichen Teltow-Fläming in den Bundestag zog, aus. „Ich finde es aberwitzig, dass Ärzte über etwas, das straffrei möglich ist, nicht straffrei informieren dürfen“, sagt sie. Dass die Ärztin dafür verurteilt wurde, empfindet sie als unfassbar. „Dieses Urteil kriminalisiert Ärzte, die Abtreibungen durchführen und damit auch Frauen, die abtreiben lassen.“

Anke Domscheit-Berg fordert ein Paritätsgesetz, nach dem Frauen und Männer auf den Wahllisten gleichermaßen vertreten sind. Denn gerade Gesetze, die den Körper, Sexualität und Bekleidung betreffen, betreffen vor allem Frauen. „Und diese Gesetze werden von Abgeordneten verabschiedet, die zu 70 Prozent männlich sind.“ Sie fühle sich dabei in das 19. Jahrhundert zurückversetzt. „Einer Frau, die diese schwere Entscheidung trifft, muss nicht noch zugemutet werden, 50 Praxen anzufragen und sich jedes Mal wieder schlecht zu fühlen.“

Tatsächlich ist das Thema Abtreibung delikat. Verschiedene von der MAZ angefragte Frauenärzte in der Region Dahmeland-Fläming wollten sich weder zu dem Fall Kristina Hänel äußern, noch angeben, ob sie selbst Abtreibungen vornehmen. Zu groß sei die Angst, strafrechtlich belangt zu werden.

Auch aus den Kliniken in der Region gibt es wenig Auskünfte zu dem Thema. Einzig das Evangelische Diakonissenhaus in Ludwigsfelde teilt mit, jährlich etwa 120 bis 150 Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. „Eine Werbung dafür lehnen wir klar ab“, sagt Klinik-Sprecher Alexander Schulz. „Aber eine gezielte Information sollten Frauen in Notsituationen erhalten.“

Nach Angaben von Claudia Biehl gibt es in der Beratungsstelle in Königs Wusterhausen jährlich um die 200 Konfliktberatungen, im Jahr 2017 waren es 215 und im Jahr zuvor 191. Die Gründe für so eine Entscheidung variieren auch nach Lebensalter. „Die ganz jungen Frauen fühlen sich häufig noch nicht reif für ein Kind, haben noch keine Ausbildung oder sind in unsicheren Partnerschaften“, sagt Biehl.

Die meisten Frauen, die eine Abtreibung planen, seien zwischen 25 und 35 Jahren alt. Ihre Gründe sind im Hinblick auf ihre Lebenssituation individueller. Und dann gebe es auch Frauen um die 40, die abtreiben wollen. „Da sind einige, deren Familienplanung schon abgeschlossen war und die sich kein weiteres Kind mehr zutrauen.“

Paragraf 219a des Strafgesetzbuches

Kristina Hänel hatte auf ihrer Internetseite Informationen zum Thema Abtreibung veröffentlicht.

Daraufhin ist sie Ende des vergangenen Jahres zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden. Weil sie gegen den Paragraf 219a des Strafgesetzbuches verstoßen hat.

Darin heißt es: „Wer öffentlich (...) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, (...) wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

In der Begründung des Gerichtes hieß es, die Ärztin rede über den Schwangerschaftsabbruch, als handele es sich dabei um eine normale Sache wie die Entfernung eines Blinddarms.

Der Fall sorgte für eine Diskussion über die Reform oder Abschaffung des Paragrafen 219a. Dazu wollen sich Fachpolitiker der Bundestagsfraktionen am Mittwoch treffen.

Von Anja Meyer

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