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Teltow-Fläming Nach Anzeige von Tierschützern: Landwirt aus Teltow-Fläming wehrt sich gegen Tierquälerei-Vorwurf
Lokales Teltow-Fläming

Teltow-Fläming: Landwirt wehrt sich gegen Tierquälerei-Vorwurf 

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17:31 21.10.2021
Christian Wolf, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Görsdorf: „Das Tierwohl ist für unsere Genossenschaft besonders wichtig.“
Christian Wolf, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Görsdorf: „Das Tierwohl ist für unsere Genossenschaft besonders wichtig.“ Quelle: Agrargenossenschaft eG Görsdorf
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Liedekahle

„Das Tierwohl ist für unsere Genossenschaft besonders wichtig und niemals würden wir auf die Idee kommen, einem unserer Tiere schaden zu wollen oder es leiden zu lassen.“ Das sagt Christian Wolf, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Görsdorf, der MAZ.

Sein Betrieb in Liedekahle in der Gemeinde Dahmetal weist den vom Deutschen Tierschutzbüro erhobenen Vorwurf der Tierquälerei entschieden zurück.

Liedekahler Landwirt weist Vorwürfe zurück

Die beiden am vergangenen Wochenende als Grundlage für die Anzeige der Tierschützer aufgenommenen Videos eines Passanten von einem apathisch am Boden liegenden Rind zeigten lediglich eine Momentaufnahme, ohne den Hergang der Verletzungen des Tieres, die Pflegemaßnahmen der Mitarbeiter sowie die Behandlung des Tieres zu zeigen, wie Wolf erklärt.

„Auf Basis zweier Videos werden haltlose Vorwürfe in den Raum gestellt, die uns als Genossenschaft schockieren“, sagt Wolf. Man habe das verletzte Tier auf eine Grasfläche neben der Stallanlage gelegt, um es von den anderen Bullen zu trennen und weitere Verletzungen zu vermeiden. „Das verletzte Rind wurde regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt, mit Schmerzmitteln behandelt.“

Strafanzeige gegen Agrargenossenschaft Görsdorf

Wie die MAZ berichtete, hat das Deutsche Tierschutzbüro aufgrund der Smartphone-Videos eines Passanten Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen die Agrargenossenschaft gestellt. Die Tierschützer vermuten, dass das Rind vor den Stall gebracht wurde, um es dort verenden zu lassen.

Mit der gestellten Strafanzeige wollen die Tierschützer erreichen, dass dem Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Görsdorf wegen mangelnder Sachkunde ein Tierhalteverbot auferlegt wird.

Screenshot aus dem Smartphonevideo, das ein Passant in Liedekahle aufgenommen hatte. Quelle: Deutsches Tierschutzbüro

Landwirt: Mastbulle hatte keine Chance auf Genesung

Nach Angaben des Landwirts hatte sich der Mastbulle am Morgen des 9. Oktobers im Stall verletzt und wurde daraufhin von den anderen Tieren getrennt, um Folgeverletzungen zu vermeiden. „Das Tier wurde mittels eines Radladers vor den Stall, halb in den Schatten gelegt und seitlich mit dem Gerät gestützt“, erläutert Wolf. Wer sich mit Rindern auskenne, wisse, dass eine Liegeperiode normalerweise zwischen 0,5 und drei Stunden dauere und sich Rinder mehrmals pro Tag aufrichteten und wieder hinlegten.

Da es dem Tier jedoch nicht möglich gewesen war, sich eigenständig aufzurichten, oder sich auf die andere Seite zu legen, habe man sich entschieden, es mittels des Radladers zu stützen, um Nervenschäden zu vermeiden.

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Darüber hinaus habe man den Mastbullen auf eine Rasenfläche gelegt, um dem Tier beim Aufstehen natürlichen Halt zu bieten. Nachdem am Sonntag keine Besserung des Gesundheitszustandes eintrat, wurde der Tierarzt informiert. Dieser habe sich am Montag für das Einschläfern des Mastbullen entschieden, da eine Genesung nicht mehr zu erwarten gewesen sei.

Veterinäramt Teltow-Fläming bestätigt Aussagen des Landwirts

„Es ist richtig und wichtig, aufmerksam zu sein und Tierquälerei zur Anzeige zu bringen“, sagt Landwirt Wolf. Aber in diesem Fall sei eine unzutreffende Bewertung auf Basis einer Momentaufnahme vorgenommen worden.

Gegenüber dem Veterinäramt habe seine Agrargenossenschaft transparent gehandelt und den Vorgang dargelegt. Das Veterinäramt hatte seinerseits erklärt, in dem Liedekahler Fall kein Fehlverhalten des Betriebs erkennen zu können.

„Nichtsdestotrotz müssen wir uns eingestehen, dass wir in der Information der Öffentlichkeit Fehler begangen haben. Diese werden wir intern aufarbeiten und besprechen müssen“, sagt Wolf selbstkritisch. Er tut dies im Hinblick auf den Umstand, dass eine Mitarbeiterin der Agrargenossenschaft dem Deutschen Tierschutzbüro auf Nachfrage zunächst telefonisch mitgeteilt hatte, dass es dem verletzten Rind wieder gut gehe und es im Stall mit der Herde integriert worden sei.

Von Jérôme Lombard