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Teltow-Fläming Täglich unterwegs auf Umweltstreife
Lokales Teltow-Fläming Täglich unterwegs auf Umweltstreife
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06:18 24.10.2018
Jürgen Schönrock ist als Außendienstmitarbeiter täglich für das Umweltamt Teltow-Fläming unterwegs, um den illegal abgeladenen Müll anderer zu entsorgen. Quelle: Isabelle Richter
Teltow-Fläming

 „Je weiter man in den Norden kommt, desto schlimmer wird es“, berichtet Jürgen Schönrock. Der 61-jährige Oehnaer arbeitet im Außendienst für das Umweltamt des Landkreises Teltow-Fläming. Täglich fährt er von montags bis freitags auf Umweltstreife, um die beim Landkreis eingegangenen Anzeigen über illegale Müllentsorgungen zu begutachten und für dessen Beräumung zu sorgen.

Am Montagmorgen startete die Woche für Jürgen Schönrock wie gewohnt in der Kreisverwaltung in Luckenwalde. Ein- bis zweimal pro Woche ist er hier, um neue Aufträge entgegenzunehmen. Die Hinweise, wo sich illegale Müllberge befinden, werden entweder von den Ordnungsämtern der Städte oder Gemeinden an die Kreisverwaltung weitergegeben oder von den Bürgern selbst im Beschwerdeportal „maerker.brandenburg.de“ gemeldet.

„Hier wird der Müll Lkw-weise abgekippt“

Nachdem Jürgen Schönrock die neuesten Aufträge eingesammelt hat, macht er sich in seinem grünen Transportfahrzeug auf den Weg zu den beschriebenen Problemstellen. Wie so oft ging es für den 61-Jährigen am Montag wieder in den Norden des Kreises. Hier ist Schönrock die meiste Zeit im Einsatz. Im Süden dagegen „nur selten“, wie er selbst berichtet. Innerhalb der Speckgürtelregion häuft sich der Müll. Zu den Schwerpunkten des Landkreises gehören abgelegene Gebiete in und um Ludwigsfelde, Großbeeren oder Groß Machnow. „Hier wird der Müll Lkw-weise abgekippt“, so Jürgen Schönrock.

Abfallstatistik des Jahres 2018

Im Jahr 2018 mussten im Landkreis Teltow-Fläming bisher 40 360 Kilogramm illegal abgeladener Müll beseitigt werden. Das ist schon jetzt mehr als im kompletten Jahr 2017. Dort waren es insgesamt 38 000 Kilogramm.

Unter den 40 Tonnen Müll befinden sich unter anderem 3,2 Tonnen Kohleteer und teerhaltige Produkte wie Dachpappe, 1,5 Tonnen asbesthaltige Stoffe, 950 Kilogramm Lösungsmittel, 700 Kilogramm Sperrmüll, 90 Kilokgramm Öle und Fette sowie 188 Pkw-Reifen, 11 Lkw-Reifen und ein Traktor-Reifen.

Außerdem sind 100 Verpackungen dabei, die Rückstände gefährlicher Stoffe enthalten oder durch solche verunreinigt sind, 42 gebrauchte Elektrogeräte, 21 gebrauchte Geräte, die Fluorchlorwasserstoffe (FCKW) enthalten und dessen Produktion seit 2010 international verboten ist.

Am liebsten entsorgen die Umweltsünder Dämmplatten aus Styropor, Asbestreste oder Dachplatten aus Teer. „Eben alles, was richtig teuer geworden ist“, erklärt Schönrock. Was er dagegen nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass Menschen ihren Sperrmüll lieber heimlich in der Wald fahren und dabei riskieren erwischt zu werden, als ihn ganz einfach legal und kostenfrei vor der eigenen Haustür abholen zu lassen.

Mulmiges Gefühl in abgelegenen Gebieten

Vereinzelt findet Jürgen Schönrock auch außergewöhnliche Dinge, wie beispielsweise einen ganzen Sack voller Sexspielzeug vor. Über solche Funde kann er jedoch nur schmunzeln – über andere dagegen weniger. So wie einmal in Rangsdorf. Dort stieß er in einem Waldstück zusammen mit dem zuständigen Jäger auf einen blauen Sack, in dem sich ein toter Hund befand. Dieser Anblick war für Jürgen Schönrock alles andere als appetitlich.

Solche Szenen hat 61-Jährige deshalb immer wieder im Hinterkopf, wenn er allein in die abgelegenen Gebiete fährt. „Heute passiert ja so viel“, sagt er. Bis jetzt habe er aber noch nichts Schlimmeres gefunden, als den toten Hund. Für Momente des Ekels können aber auch ganz einfache Dinge sorgen, wie zuletzt ein mit nicht mehr ganz so frischen Lebensmitteln vollbepackter Kühlschrank.

Illegal abgeladener Müll im Gebiet Großbeeren. Im Norden des Landkreises wird viel Schrott abgeladen. Quelle: Isabelle Richter

Werden die Täter während der Entsorgung nicht auf frischer Tat ertappt und beobachtet, können sie nicht zur Verantwortung gezogen werden. Selbst Beweisfotos können oft nicht eindeutig beweisen, ob der Täter den Müll gerade auf- oder ablädt. In fast allen Fällen muss deshalb am Ende die Umweltstreife dafür sorgen, dass der Schandfleck schnellstmöglich wieder verschwindet.

Sein geschultes Auge spürt fast alles auf 

Seit 2006 ist Jürgen Schönrock für die Umweltstreife im Einsatz und dort ganz allein für den Landkreis Teltow-Fläming zuständig. Zuvor arbeitete er beim Katasteramt. Die Entscheidung zur Umweltstreife zu wechseln bereut er bis heute nicht. Jürgen Schönrock gefällt die Arbeit an der frischen Luft. Zudem kann er sich seine Arbeitszeit von wöchentlich 40 Stunden selbst einteilen. Meistens beginnt er schon um 6 Uhr in der Früh.

Die Ausbeute der Umweltstreife innerhalb von nur 3 Stunden: Etwa eine Tonne illegaler Müll. Quelle: Isabelle Richter

 

Einen Großteil der Müllberge lädt Jürgen Schönrock während seiner Tour selbst auf. Viele Müllecken entdeckt der 61-Jährige zufällig, denn sein Auge ist inzwischen gut geschult. Zudem kennt er die Problemecken. Durch die höhenverstellbare Rampe am Ende der Ladefläche seines Fahrzeuges bekommt er selbst schwere Dinge wie Waschmaschinen ohne Probleme aufgeladen. Größere Müllhaufen werden jedoch vom Südbrandenburgischen Abfallzweckverband (SBAZV) abgeholt.

„Viele bedanken sich sogar bei mir“

Bis 2013 fuhr Jürgen Schönrock noch in Begleitung auf Streife. Anfangs waren es Zivildienstleistende – später Jugendliche, die sich im Vorqualifizierungsjahr Arbeit Beruf (VAB) befanden. Auch heute hätte der 61-Jährige manchmal gerne einen Kollegen mit dabei. Nicht, weil er unbedingt Hilfe braucht. Denn Jürgen Schönrock ist körperlich fit genug, um die Arbeit allein zu stemmen. Allerdings fehlt dem gesprächigen Oehnaer manchmal ein wenig Unterhaltung während der Streifenfahrten.

Inzwischen hat er sich jedoch damit arrangiert und hört stattdessen seine Lieblingsmusik. Zudem kommt er während seiner Beräumungsaktionen häufig mit vorbeilaufenden Menschen ins Gespräch. „Viele bedanken sich sogar bei mir, dass ich den Müll entsorge“, berichtet Schönrock.

 

Von Isabelle Richter

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