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Teltow-Fläming Mehrere 100 Landwirte aus TF und LDS bei Protesten in Berlin
Lokales Teltow-Fläming Mehrere 100 Landwirte aus TF und LDS bei Protesten in Berlin
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19:55 26.11.2019
Die Traktoren fahren derzeit ihre Runde um die Siegessäule in Berlin. Quelle: privat
Dahmeland-Fläming

Wenn es hart auf hart kommt, halten Bauern zusammen: Allein aus den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald nahmen am Dienstag mehrere hundert Landwirte an der Sternfahrt nach Berlin teil, um gegen die aktuelle Landwirtschaftspolitik zu protestieren.

Sie allein hätten auf den Straßen der Region schon bemerkenswerte Konvois bilden können, aber sie bekamen noch Verstärkung von zahlreichen Landwirten aus ganz Deutschland, die sich am Montagabend an zentralen Sammelstellen eingefunden hatten und am Morgen gemeinsam nach Berlin aufbrachen. Allein in Hennickendorf hatten 600 Traktoren aus Bayern und Thüringen auf dem Obst- und Gemüsehof in der ehemaligen Kaserne Quartier bezogen. Der Tross machte sich um kurz vor sechs auf den Weg nach Berlin.

Ankunft der letzten Traktoren Montagnacht um 0.30 Uhr in Hennickendorf. Quelle: privat

Unter ihnen befanden sich da schon Landwirte aus der Region, wie Frank Nitzsche von der Bergranch aus Berkenbrück, der seinen Traktor extra mit der Deutschlandfahne und der Fahne seiner Bergranch geschmückt hatte. Nitzsche ist einer, den es in den vergangenen beiden Jahren besonders hart getroffen hat, und der deshalb auch viel über sein persönliches Leid klagen könnte. Die heiße und trockene Witterung bescherte ihm Ernteausfälle, der Wolf riss viele seiner Tiere. „Aber bei dieser Sternfahrt geht es nicht um die Sorgen einzelner“, sagte er. „Es geht um das große Ganze und dafür müssen wir Bauern uns solidarisch zeigen.“

Nuthe-Urstromtals Bürgermeister Stefan Scheddin und Hennickendorfs Ortsvorsteherin Jovita Galsta Döring besuchten die Landwirte Montagnacht in ihrem Quartier. Quelle: privat

Das taten sie schon optisch. Der Hennickendorfer Tross wurde entgegen anderer Pläne am morgen über die B 101 geleitet. Eine andere Gruppe Landwirte nahm Silvia Fuchs vom Kreisbauernverband zufolge von Jüterbog aus den Weg über Baruth und Zossen und die B 96 nach Berlin hinein – wo sie mit ihren Fahrzeugen das Verkehrschaos perfekt machten. „Es gab ein großes Hupkonzert, aber alles in allem lief es trotzdem sehr friedlich ab“, sagte Frank Nitzsche später. Um die Kundgebung am Brandenburger Tor sehen zu können, musste er allerdings seinen Traktor stehen lassen und die letzten Meter zu Fuß gehen.

Silvia Fuchs: „Das war ganz wichtig“

Die Präsenz stimmte also. Und auch politisch wertete die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, Silvia Fuchs, die Sternfahrt als Erfolg. „Das war ganz wichtig. Viele Landwirte haben dort ihre Sorgen ausdrücken können. Dass sich so viele Bauern angeschlossen haben, ist ein wichtiges Zeichen“, sagte sie.

Der Berkenbrücker Frank Nitzsche bei der Demo. Quelle: privat

Gegenstand des Protests, zu dem die Initiative „Land schafft Verbindung“ aufgerufen hatte, ist vor allem das so genannte Agrarpaket, mit dem unter anderem die Gülleverordnung verschärft und der Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat verboten werden soll. Die Folgen seien regional sehr unterschiedlich, sagt Silvia Fuchs. Probleme seien aber auch in Dahmeland-Fläming zu erwarten. „Vieles, was die Politik da macht, ist aus fachlicher Sicht bedenklich“, sagt sie.

„Man macht jeden Bauer zum Täter“

 Der restriktive Einsatz von Gülle und Dünger etwa könne zu einer Knappheit von Getreide und Einnahmeverlusten bei Bauern führen. Eine Folge des Glyphosat-Verbots könne sein, dass der Boden dann öfter mechanisch bearbeitet werden muss. „Das kostet Energie und ist nicht zielführend beim Klimaschutz.“ Unbefriedigend sei zudem die öffentliche Diskussion zur Überdüngung. „Es wird der Eindruck vermittelt, als würde jeder Bauer das Grundwasser verseuchen. Das stimmt nicht“, sagt sie. „Natürlich gibt es auch bei uns vereinzelt Probleme, die stammen aber noch aus alten Zeiten, und da spielen auch Faktoren wie Industrieabwässer eine Rolle. Das nur der Landwirtschaft zuzuschreiben, ist falsch und verheerend. Damit macht man jeden Bauern zum Täter.“

Dass die Bauern sich in diesen Punkten missverstanden fühlten, machten sie mit Pfeifkonzerten deutlich. Gegen 16 Uhr war die Kundgebung am Brandenburger Tor schließlich beendet. Frank Nitzsches Fazit: „Ich hätte nie gedacht, dass so viele Landwirte aus ganz Deutschland kommen.“ Trotzdem war er skeptisch – und zwar in zweierlei Hinsicht. An einen grundsätzlichen Richtungswechsel in der Agrarpolitik glaube er nach de Rede von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) nicht, sagte er. Und die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr hatte ihn zu diesem Zeitpunkt auch schon verlassen. Per Telefon meldete er sich noch einmal in der Heimat – um mitzuteilen, dass es etwas später wird. Er sei mit zwei Stundenkilometern in der Berliner Innenstadt unterwegs, sagte er. Mehr gehe angesichts der vielen Traktoren um ihn herum einfach nicht.

Frank Nitzsche aus Berkenbrück bei der Demo in Berlin Quelle: privat

Von Margrit Hahn und Oliver Fischer

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