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Teltow-Fläming Vorwurf der Tierquälerei: Tierschützer erstatten Anzeige gegen Agrargenossenschaft in Teltow-Fläming
Lokales Teltow-Fläming

Tierquälerei: Tierschützer erstatten Anzeige gegen Agrargenossenschaft in Teltow-Fläming

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16:59 18.10.2021
Das offensichtlich verletzte Tier vor dem Stall in Liedekahle: Tierschützer sprechen von Tierquälerei.
Das offensichtlich verletzte Tier vor dem Stall in Liedekahle: Tierschützer sprechen von Tierquälerei. Quelle: Deutsches Tierschutzbüro
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Liedekahle

Das Deutsche Tierschutzbüro hat Strafanzeige gegen die Agrargenossenschaft Görsdorf in Liedekahle in der Gemeinde Dahmetal erstattet. Der Vorwurf wiegt schwer: Tierquälerei.

Konkret geht es um einen Fall in der zurückliegenden Woche, den die Tierschützer nun publik gemacht haben. Am Montag wurde die bundesweit aktive Tierrechtsorganisation von einem Zeugen kontaktiert, der am Wochenende ein krankes, offensichtlich stark leidendes Rind entdeckt hatte, das mit einem Gabelstapler vor das Betriebsgelände in Liedekahle gelegt worden war. Der Zeuge filmte die Szene am Samstag und abermals am Sonntag mit seinem Smartphone.

Videoaufnahmen ins Netz gestellt

Auf den im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen ist ein apathisches Rind zu sehen, das halb auf einem Gabelstapler an einer Mauer auf dem Boden teils in der Sonne, teils im Schatten liegt. Gelegentlich blinzelt das Tier. Jan Peifer, Vorstandvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros, vermutet, dass das Rind vor den Stall gebracht wurde, um dort zu verenden. „Das ganz offensichtlich schwer verletzte Tier wurde zum Sterben an die Straße gelegt“, sagt Peifer.

Dies sei eine Praxis, die Landwirte seit Jahren praktizierten: Um Tierarztkosten zu sparen, würden kranke Tiere sich selbst überlassen. Nicht selten würden insbesondere kranke Rinder der Schlachtung zugeführt. „Der Transport von kranken und verletzten Tieren ist verboten, dennoch passiert dies ständig“, so Peifer.

Screenshot aus dem Video: Der angebliche Wassereimer ist leer. Quelle: Deutsches Tierschutzbüro

Tierschützer kritisieren Vorgehen des Veterinäramts

Im Liedekahler Fall hatten sich die Tierschützer am Montag an das Veterinäramt des Landkreises Teltow-Fläming gewandt. „Wir haben direkt eine Anzeige beim zuständigen Veterinäramt erstattet, die die Rückmeldung gab, dass das Tier vom Hoftierarzt am Montag euthanasiert worden sei“, sagt Peifer.

Eine Vorort-Kontrolle durch das Amt gab es offenbar nicht. Stattdessen wurde den Tierschützern schriftlich mitgeteilt, dass man sich von Seiten der Behörde auf die telefonische Aussage vom Betriebsleiter verlassen habe. „Dass sich ein Veterinäramt nach einer Anzeige auf Tierquälerei nicht selbst ein Bild der Lage macht, entspricht keineswegs der gängigen Praxis“, sagt der Tierschützer aus Berlin.

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Anzeige soll Tierhalteverbot erwirken

Die Verantwortlichen in Liedekahle gaben nach Aussagen der Tierschützer gegenüber dem Amt an, dass das Rind vor den Stall auf eine weiche Unterlage abgelegt worden sei, damit es sich erholen könne. „Auf dem Video, das auch dem Amt vorliegt, ist keine weiche Unterlagen zu sehen, ich halte die Aussagen vom Betriebsleiter für wenig glaubhaft“, kritisiert Peifer.

Eine Mitarbeiterin aus der Agrargenossenschaft habe dem Deutschen Tierschutzbüro zuvor noch telefonisch mitgeteilt, dass es dem Tier wieder „gut“ gehe und es im Stall mit der Herde integriert worden sei. „Das war aufgrund der Bilder schon komplett unglaubwürdig und hat sich durch die Angaben des Amts als glasklare Lüge entpuppt“, so Peifer wütend.

Mit der Strafanzeige wollen die Tierschützer erreichen, dass dem Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Görsdorf wegen mangelnder Sachkunde ein Tierhalteverbot auferlegt wird. „Wer so mit den Tieren umgeht, gehört ins Gefängnis“, ist Peifer überzeugt.

Jan Peifer ist Leiter des Deutschen Tierschutzbüros mit Sitz in Berlin. Quelle: Deutsches Tierschutzbüro

Veterinäramt sieht kein Fehlverhalten

Das Veterinäramt sieht in dem Vorfall in Liedekahle bisher offenbar keinen Handlungsbedarf in Sachen Tierquälerei. In einer auf der Website des Landkreises veröffentlichen Stellungnahme wird bestätigt, dass sich die Behörde nach der Benachrichtigung durch die Tierschützer am vergangenen Montag mit dem Betriebsleiter in Verbindung gesetzt habe.

Dieser habe bestätigt, dass ein Mastbulle – der sich im Stall vertreten hatte und dadurch ausgerutscht war –vor dem Gebäude auf weichen Untergrund verbracht wurde, um sich auszukurieren.

„Das Tier hatte einen Schattenplatz, wurde mehrmals täglich mit Wasser versorgt und erhielt eine Behandlung gegen die Schmerzen“, heißt es in der Stellungnahme des Veterinäramtes. Da keine Besserung eintrat, sei der Bulle am Montag – noch vor der Anzeige beim Veterinäramt – vom Hoftierarzt von seinen Leiden erlöst worden.

Agrargenossenschaft stimmt Ausführungen des Veterinäramts zu

Grundsätzlich rät das Veterinäramt Personen, die mögliche Fälle von Tierquälerei beobachten, umgehend den amtstierärztlichen Bereitsschaftsdienst oder den tierärztlichen Notdienst zu kontaktieren – auch an Wochenenden und Feiertagen. Der Zeuge in Liedekahle hatte diese Möglichkeit am zurückliegenden Wochenende nicht genutzt.

Wie der Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Görsdorf zu dem Vorwurf der Tierquälerei und der gegen ihn gestellten Anzeige steht, ist unklar. Auf MAZ-Anfrage erklärte ein Vorstandsmitglied, da sich der Vorstandsvorsitzende derzeit im Urlaub befinde, könne man keine Stellungnahme abgeben. Grundsätzlich stimme man den Ausführungen des Veterinäramtes zu.

Von Jérôme Lombard