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Trebbin Hier wird die Landwirtschaft von morgen erforscht
Lokales Teltow-Fläming Trebbin Hier wird die Landwirtschaft von morgen erforscht
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17:57 18.05.2019
Beim Feldtag können Landwirte einmal im Jahr die Feldversuche der Thyrower Lehr- und Forschungsstation unter die Lupe nehmen. Quelle: Victoria Barnack
Thyrow

Was für Chemiker Labore sind, ist für Landwirte die Feldversuch-Station in Thyrow. Seit mehr als 80 Jahren untersuchen Agrarwissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität in Teltow-Fläming die Entwicklung von verschiedenen Pflanzenarten – unter realen Bedingungen.

Das Interesse an den Ergebnissen wächst stetig. Während der Feldtag einst mit einem Besuch von 20 Studenten und einem Professor begann, tummelten sich am Freitag knapp 100 Interessierte in Thyrow.

Michael Baumecker leitet die Lehr- und Forschungsstation in Thyrow seit 1990. Quelle: Victoria Barnack

„Einige Besucher nehmen jedes Jahr einen Weg von 150 Kilometern in Kauf, um unsere Vorträge zu hören und Feldversuche zu sehen“, sagt Michael Baumecker, der die Lehr- und Forschungsstation seit 1990 leitet.

Sandiger Boden bietet schlechte aber echte Bedingungen

Nicht ohne Grund: Der Standort in Thyrow ist einzigartig. Weit und breit gibt es keine Feldversuch-Station mit vergleichbaren Voraussetzungen, nämlich dem sandigen Brandenburger Boden, der es den Landwirten in vielen Belangen nicht leicht macht.

„Deswegen kommen auch Interessierte aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Thyrow“, erklärt Baumecker.

Bewässerung, Dünger, Aussaatzeitpunkt: In Thyrow werden Feldversuche zu unterschiedlichen Faktoren durchgeführt. Quelle: Victoria Barnack

Was sie wissen wollen? „Jeder Landwirt nimmt wahrscheinlich andere Erkenntnisse und Ideen für den eigenen Betrieb mit nach Hause“, sagt der Diplomagraringenieur. „Aber vor allem liefern wir wissenschaftlich belegte und unabhängige Forschungsergebnisse.“

Feldversuche laufen seit 1937 ohne Pause

Schon 1936 begann die Arbeit der Forscher in Thyrow. Seither können Baumecker und seine Mitarbeiter auf die Ergebnisse von Langzeitversuchen zurückgreifen. Eines der ältesten Versuchsfelder beschäftigt sich mit der Düngung – ein Thema, das heute vor dem Hintergrund von immer schärferen Verordnungen für die Landwirte aktueller ist denn je.

„Eine der Parzellen wurde seit 1937 nicht mehr gedüngt“, berichtet Michael Baumecker. Die Ergebnisse sind eindeutig: „In dieser Parzelle ernten wir weniger als wir drillen“, sagt der Fachmann, für den damit feststeht: „Ohne zu düngen, geht es bei uns nicht.“

Das Thyrower Bodenprofil mit einer großen sandigen Bodenauflage ist beispielhaft für die Äcker in Teltow-Fläming. Quelle: Victoria Barnack

Die Ergebnisse, die die Landwirte im Kleinen aus Thyrow geliefert bekommen, sollten sie unbedingt auf ihre großen Felder anwenden, rät Baumecker. Fehler beim Bodenmanagement machen sich auf den sandigen Äckern in Teltow-Fläming nämlich viel schneller bemerkbar als auf durchschnittlichen Böden. Denn der kann schlechte Bedingungen wie fehlenden Regen weniger gut abpuffern.

„Weil unsere Böden schlechter sind als an anderen Standorten in Deutschland, müssen wir hier die besseren Ackerbauern sein“, sagt Michael Baumecker.

Die Dauerfeldversuche in Thyrow finden zum Teil seit über 80 Jahren statt. Quelle: Victoria Barnack

Ein bisschen trifft das auch auf die Wetterbedingungen zu, auch wenn die sich nicht nur für Brandenburgs Landwirte verschlechtert haben dürften. So lange es die Feldversuch-Station in Thyrow gibt, so lange werden auch Temperaturen und Niederschläge aufgezeichnet.

„2018 war es 800 Grad zu warm“

„Seit 20 Jahren gibt es nur noch einen Trend: Die Durchschnittstemperatur geht nach oben“, sagt der Stationsleiter. „Im Jahr 2018 war es insgesamt 800 Grad zu warm.“

Während die Bauern mit steigenden Temperaturen dank schlauer Anpassung noch leben und wirtschaften könnten, sind die fehlenden Niederschläge das größere Problem. „Ohne Wasser geht es einfach nicht“, erklärt Baumecker. 2018 fehlten auch in Thyrow 170 Liter Regen.

Weil es im Mai endlich Regen gab, stehen viele Kulturen in Thyrow noch gut da. Quelle: Victoria Barnack

Dennoch: Der Agraringenieur sieht vorsichtig optimistisch in die Ernte-Zukunft. „Wir liegen vom Wetter her seit Januar etwa im gleichen Jammertal wie 2018“, sagt er. Niederschlagstechnisch sieht es seit dieser Woche aber besser aus. „Jetzt können wir hoffen, dass die Bestände grün und uns eine frühe Abreife wie im letzten Jahr erspart bleiben.“

Von Victoria Barnack

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