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Trebbin Federleichte Arbeit
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18:09 21.02.2019
Die Frauen sitzen beim Federnreißen alle zusammen am Tisch
Die Frauen sitzen beim Federnreißen alle zusammen am Tisch Quelle: Margrit Hahn
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Blankensee

 Wer bettet sein Haupt nicht gern auf weichen Daunenkissen? Allerdings weiß kaum jemand, wie die Federn ins Kissen kommen. Das Bauernmuseum und die Dorfgemeinschaft Blankensee laden alljährlich zum Federnreißen ein, damit die ländliche Tradition nicht in Vergessenheit gerät.

Reine Frauensache

Früher kamen die Frauen des Dorfes an langen Winterabenden reihum in warmen Stuben zusammen. Das Federnreißen war reine Frauensache. Die Männer fertigten aus den Spitzen ausgedienter Weihnachtsbäume Quirle, die im Haushalt Verwendung fanden. Und so wie einst trafen sich am Mittwochabend im Raum des Heimatvereins die Frauen zum Federnreißen und die Männer zum Quirleschnitzen –an getrennten Tischen. „Das ist auch besser so, um des lieben Friedens willen“, sagt der Vereinsvorsitzende Karsten Bartoll und lacht.

Blick von oben Quelle: Margrit Hahn

Vor 25 Jahren haben die damalige Museumsleiterin Martina Pahlow und der damalige Vereinsvorsitzende Jürgen Brauße die Tradition wiederbelebt. Zweimal musste in all den Jahren ausgesetzt werden, weil es keine Federn gab. „Die Federn in diesem Jahr sind noch von 2018 übrig geblieben“, so Bartoll.

Riesenquirl für Suppe

Während die Frauen die Daunen von den harten Federkielen trennten, wetzten die Männer die Schnitzmesser. Für sie hatte sich Museumsleiterin Carola Hansche eine Überraschung ausgedacht. Sie hatte die Spitze vom großen Weihnachtsbaum vor dem Museum abgeschnitten und den Männern als Herausforderung angeboten.

Olaf Brauße (r.) staunt über den Riesenquirl. Quelle: Margrit Hahn

„Welche Suppe soll denn mit einem solchen Riesenquirl gerührt werden?“, fragte der Blankenseer Olaf Brauße, der sich der Aufgabe stellte. Allerdings reichte der Abend nicht aus, um das Riesenteil fertigzustellen. Er wird in den nächste Tagen noch zu Hause daran schnitzen und ihn dann ins Museum bringen.

Kernseife zum Versiegeln

Mit den weichen Daunen stopfte Martina Pahlow die vorbereiteten Kisseninletts. Den Stoff hatte sie zuvor mit Kernseife eingerieben, denn die Federn sind fetthaltig. Durch die Seife wird der Stoff versiegelt. Die gefüllten Kissen nähte sie mit der Nähmaschine zu. „Die Nähmaschine stammt noch aus DDR-Zeiten. Die hüte ich wie meinen Augapfel“, sagt die ehemalige Museumschefin. In diesem Jahr wurden nur drei Kissen fertig. Dass lag wohl daran, dass sich die Frauen so viel zu erzählen hatten. „Das ist der Beweis, wie wichtig solche Treffen sind“, so Carola Hansche.

Martina Pahlow an ihrer Nähmaschine Quelle: Margrit Hahn

 

Jutta Niedersaetz wohnt seit 2010 in Glau. Sie hat erstmal am Federnreißen teilgenommen und sich von den erfahrenen Frauen zeigen lassen, wie es geht. „Viele aus meinem Jahrgang kennen das nicht. Ich interessiere mich sehr für alte Traditionen“, sagt sie.

Klatsch und Tratsch

Gerda Wolter ist von Anfang an dabei und Expertin auf dem Gebiet. Die 82-Jährige war dieses Mal mit der Qualität der Federn nicht zufrieden. „Aber es geht ja auch mehr darum, zu zeigen, wie Federn gerissen werden“, sagt die Blankenseerin. Sie berichtete, dass es nicht stimme, dass Gänse und Enten früher lebend gerupft wurden.

Die Daunen werden von den harten Federkielen getrennt. Quelle: Margrit Hahn

„Wenn die Tiere schlachtreif waren, haben sie ihre Federn verloren. Damit die Federn nicht überall auf dem Hof herumplusterten, wurde mit den Fingern durch das Federkleid der Enten und Gänse gestrichen“, berichtet Gerda Wolter. Karin Bellin erinnert sich gern an früher, als die Frauen Federn gerissen haben und sie als Kind voller Spannung dem Tratsch gelauscht hat.

Von Margrit Hahn

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