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Trebbin „Ein Fußballer kennt keinen Schmerz“
Lokales Teltow-Fläming Trebbin „Ein Fußballer kennt keinen Schmerz“
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07:49 18.10.2018
Emilio Eichler ist Hertha-Fan und spielt beim FC Viktoria 1889 Berlin. Quelle: Margrit Hahn
Thyrow

Emilio Eichler ist ein aufgeweckter Junge. Der Elfjährige spielt Fußball, ist ein sehr guter Schwimmer und in der Schule einer der Besten. Seine Lieblingsfächer sind Mathematik, Kunst und Sport. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zu anderen Jungs in seinem Alter. Emilio ist seit seinem vierten Lebensjahr blind. Das hält ihn nicht davon ab, sportlich aktiv zu sein.

Sein Verein: FC Viktoria 1889 Berlin

Seit einigen Monaten trainiert er beim FC Viktoria 1889 Berlin. Der Verein war 2008 Gründungsmitglied der Blindenfußball-Bundesliga. Etwa 20 Aktive zwischen sechs und über 40 Jahren treffen sich einmal in der Woche in Berlin. Emilio wird von Mutter Anja Küttner zum Training gefahren. Meist bleibt sie gleich dort. Denn für zwei Stunden nochmal zurück nach Hause zu fahren, lohnt sich nicht. Sie schaut beim Training zu und hilft, wenn Trainer Oliver Heise oder Lars Stetten eine helfende Hand brauchen.

Voy,voy,voy!

Neben Sehbehinderten und blinden Spielern gibt es sehende Torhüter sowie Guides, bei denen es sich um Navigationshelfer handelt, die den Blindenstock in der Halle oder auf dem Feld überflüssig machen. Weil jedes Geräusch und jede Anweisung spielentscheidend sein kann, sind Fangesänge und Jubel beim Blindenfußball unerwünscht. „Damit wir uns nicht gegenseitig umrennen, rufen wir beim Dribbeln voy, voy, voy“, sagt Emilio. Das ist spanisch und heißt so viel wie „Achtung ich komme“. Der sehende Torwart weist die Spieler daraufhin, wie viele Meter es noch bis zum Tor sind. Nicht nur ein feines Gehör ist notwendig. Man könne den Gegner auch anhand des Luftzugs einschätzen.

Kicken im Verein

Trotzdem kommt es hin und wieder zu Prellungen und Blessuren. Doch für sein Lieblingshobby nimmt Emilio diese in Kauf. „Ein Fußballer kennt keinen Schmerz“, erklärt er. Auch zu Hause spielt er Fußball, entweder im heimischen Garten oder auf der Wiese. Da ihm dass Kicken mit seiner Mutter zu langweilig war, wünschte er sich, in einem Verein zu spielen. Die Anfahrt zum einzigen Blindenfußballverein der Region nimmt Anja Küttner ihrem Sohn zuliebe gern in Kauf. Die Thyrowerin bedauert, dass Blindenfußballvereine kaum finanzielle Unterstützung erhalten.

50 Meter in 53 Sekunden

„Sich in der Region auszutoben ist schwierig, wenn man nicht sehen kann“, stellt Anja Küttner fest. Wobei Emilio auch ein guter Schwimmer ist. „Meine Bestzeit in 50 Meter Brustschwimmen sind 53 Sekunden“, sagt Emilio stolz, der in Potsdam beim Paraolympischen Schwimmen trainiert. Vor kurzen nahm er an einem Trainingslager in Cottbus teil und wurde zum Sichtungstraining nach Frankfurt am Main eingeladen.

Hertha-Trickot

Emilio ist absoluter Hertha-Fan. Deshalb trug er zum Fototermin auch die entsprechende Kluft. „Am besten fand ich das Hertha gegen Bayern gewonnen hat“, berichtet er und wünscht sich einmal mit den Herthanern zusammen auf dem Rasen zu stehen.

Auch skaten bereitet Emilio viel Spaß Quelle: Margrit Hahn

„Mir gefällt am Fußball, dass man im Team spielt, viele Freunde hat und immer in Bewegung ist. An einem Turnier habe ich bisher noch nicht teilgenommen“, so Emilio.

Im heimischen Garten in Thyrow wird gekickt. Quelle: Margrit Hahn

Viele Freunde

Anja Küttner ist wie jede andere Mutter, besorgt um ihr Kind. Sie hat Angst, dass sich ihr Sohn verletzen könnte. Anderseits wünscht sie sich, dass er trotz seiner absoluten Blindheit unbekümmert aufwächst. Emilio hat in der Blindenschule in Königs Wusterhausen viele Freunde. In seiner Klasse ist er der Jüngste. Morgens wird er um 6.25 Uhr mit dem Fahrdienst von zu Hause abgeholt und je nach Schulschluss ist er gegen 15 oder 16 Uhr wieder zurück. Seine Schularbeiten erledigt er mit der Blindenschreibmaschine. Einmal in der Woche hat er Klavierunterricht bei einem Privatlehrer.

Von Margrit Hahn

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