Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Trebbin Flugplatz Schönhagen: Ärger über Tiefflieger im Schutzgebiet
Lokales Teltow-Fläming Trebbin

Flugplatz Schönhagen: Anwohner sind schockiert über zu tiefe Flüge

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 18.08.2021
Für den An- und Abflug am Flugplatz Schönhagen gibt es streng festgelegte Routen.
Für den An- und Abflug am Flugplatz Schönhagen gibt es streng festgelegte Routen. Quelle: Fabio Spitzenberg/Flughafengesellschaft Schönhagen
Anzeige
Schönhagen

Geahnt haben es die Anwohner rund um den Flugplatz Schönhagen immer wieder mal: Einige Flugzeuge fliegen viel zu tief über ihre Dörfer und das Vogelschutzgebiet im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Doch in den offiziellen Dokumenten fanden sie solche Regelverstöße nicht. Nun gibt ihnen eine Randnotiz in einem laufenden Gerichtsverfahren erschreckenderweise Recht: 249 Mal sollen Flugzeuge allein 2021 das Vogelschutzgebiet zu tief überflogen haben, ohne dass das gemeldet wurde. Die Vertreter der Anwohner zeigen sich erschüttert von diesen Nachrichten und fordern nun die Politiker im Kreistag von Teltow-Fläming zum Handeln auf.

Tagesplot am Flugplatz Schönhagen mit zu tiefen Überflügen über das Vogelschutzgebiet Quelle: Screenshot

„Wir als Naturschützer und Anwohner haben uns immer wieder gewundert, dass wir tiefe Überflüge registrierten, die nicht als solche durch die Flugplatzgesellschaft gewertet und gemeldet wurden“, berichtet der Hennickendorfer Bernd Bietmann aus der Bürgerinitiative (BI). „Beschwerden darüber wurden von den Flugleitern und dem Flugplatzchef als Störungen im Funkortungssystem ADB-S oder als zulässige Ausnahmen abgetan.“

Besonders ärgerlich für die Bürger: Zu tiefe Überfliege sind seit jeher eines ihrer größten Probleme. Während sich technisch und finanziell vieles auf dem Flugplatz verändert und gebessert hat, ist dieses Ärgernis geblieben. Sogar ein Anwohnerbeirat wurde auf Drängen der BI gegründet; Flugplatzbetreiber, Anwohner, Politiker und Mieter sitzen nun regelmäßig an einem Tisch. Doch der Streit wurde kaum weniger und droht nun, einen neuen Höhepunkt zu erreichen.

Gerichtsstreit zwischen Flugleitern und Gesellschaft läuft

Publik geworden sind die unerlaubten Überflüge Ende Juli während eines Termins vor dem Potsdamer Arbeitsgericht. Dort gehen fünf Flugleiter gegen ihre fristlose Kündigung vor (die MAZ berichtete). Sie hatten kurz vor ihrem überraschenden Rausschmiss für einen Tarifvertrag gestreikt. Gefeuert wurden sie wegen Korruptionsverdacht, denn eine Kollegin fand eine mutmaßliche Schwarzgeldkasse mit über 1.200 Euro. Der Anwalt der gekündigten Flugleiter spricht hingegen von einer Trinkgeldkasse, die „allgemein bekannt gewesen“ sei und in die eingezahlt wurde, was beim Bodendienst als Trinkgeld gegeben wurde.

Zum Anwohnerbeirat gehören unter anderem der Geschäftsführer Klaus-Jürgen Schwahn (M.), Landrätin Kornelia Wehlan (2.v.l.) und die Anwohner Beate Baumgärtner (l.) und Knut Vetter (r.). Quelle: Victoria Barnack

Ob die Mitarbeiter am Flugplatz tatsächlich korrupt sind, würde die BI kaum interessieren, wenn ihre vermeintlichen Taten nicht zulasten der Anwohner gehen würden. Um zumindest für mehr Transparenz zu sorgen, hatten die Mitglieder vor einigen Jahren selbst das grundlegende System zur Dokumentation von Flugbewegungen erarbeitet. Bei einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht hatten sich die Flugplatzbetreiber vor einigen Jahren dann verpflichtet, dieses System einzuführen und die Daten öffentlich im Internet anzuzeigen – ein Meilenstein für die BI, der nun offenbar einfach unterwandert wurde.

„Eine vollständige Auswertung dieses Monitorings steht noch aus“, berichtet Bernd Bietmann. Obwohl das eigentlich auch Teil des gerichtlichen Vergleichs gewesen war. In einer ersten Bewertung der Ergebnisse habe der Flugplatzbetreiber zwischenzeitlich zugesichert, dass Piloten, die das Verbot verletzen, über ihr Fehlverhalten aufgeklärt würden. Bei Wiederholungstätern sollte es Ordnungswidrigkeitsverfahren geben.

Bürger fordern Aufklärung der Fälle

„Wir sind tief enttäuscht, dass unseren vielen sachlichen Einwänden nicht nachgegangen wurde“, sagt Knut Vetter, der für die BI im Anwohnerbeirat sitzt. „Es wäre traurig, wenn die Flugplatzgesellschaft nur durch einen Rechtsstreit oder massive Demos zu bewegen wäre, angemessen zu reagieren.“

Seine Kollegin Beate Baumgärtner ergänzt: „Es muss dafür gesorgt werden, dass der Flugplatzbetreiber sich bei der Analyse der computergestützten Überflugmeldungen über das Naturschutzgebiet künftig nicht mehr allein selbst kontrollieren kann.“ Sie fordert eine Überarbeitung der Vorgehensweise und eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle. „Vergleichsweise kann sich auch kein Autofahrer selbst die TÜV-Plakette an das Nummernschild kleben“, sagt sie.

Seit es am Flugplatz den Instrumentenflug gibt, ist die Zahl der Flugbewegungen gestiegen. Quelle: Margrit Hahn

In einem offenen Brief wenden sie sich nun auch an die Politiker des Kreistags. Immerhin gehört die Flugplatzgesellschaft zu 99 Prozent dem Landkreis. „Es muss konsequent, auch auf politischer Ebene im Kreistag, der Frage nachgegangen werden, warum die Flugleiter im großen Stil gemeinschaftlich und systematisch die Überflüge unterschlagen haben“, erklärt Bernd Bietmann. Man erwarte zudem, dass der Nabu und der Förderverein des Naturparks die Ergebnisse des Monitorings juristisch überprüfen lassen. Ein Urteil im Gerichtsstreit um die Kündigungen der fünf Flugleiter ist noch nicht gesprochen.

Von Victoria Barnack