Schönhagen: Fluglotsen streiken für Tarifvertrag
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Schönhagen: Fluglotsen streiken für Tarifvertrag

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06:46 24.06.2021
Blick aus dem Tower: Hier ist der Arbeitsplatz der fünf Fluglotsen, die derzeit streiken.
Blick aus dem Tower: Hier ist der Arbeitsplatz der fünf Fluglotsen, die derzeit streiken. Quelle: Hartmut F. Reck
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Schönhagen

Auf dem Flugplatz Schönhagen streiken derzeit die Fluglotsen. Die fünf Männer von der Flugsicherung fordern einen Tarifvertrag. Ihr Hauptargument: Seitdem der Flugplatz 2018 per Instrumentenflug angesteuert werden kann – quasi wetterunabhängig – sind die Anforderungen an ihre Arbeit gestiegen. Auf dem Lohnzettel zeigt sich das bisher nicht. Der Landkreis, dem die Flugplatzgesellschaft zu 99 Prozent gehört, will auf diese Forderung nicht eingehen.

Der Instrumentenflug hat den Betrieb am Flugplatz Schönhagen maßgeblich verändert. Quelle: Margrit Hahn

„Wir wissen, dass die finanzielle Unterstützung des Flugplatzes durch den Landkreis ein schwieriges und umstrittenes Terrain ist“, schreiben die Fluglotsen in einem offenen Brief. „Unser Bestreben ist eine Lösung, die finanzierbar ist und dem Flugplatz auch weiterhin eine positive Entwicklung ermöglicht.“

Helene Fischer und der BVB landen in Schönhagen

Denn tatsächlich hat sich Schönhagen zum Positiven verändert. Der 2018 eingeführte Instrumentenflug hat die wirtschaftliche Lage verbessert. Regelmäßig landen jetzt Showgrößen wie Helene Fischer oder Sportclubs wie BVB Dortmund und Alba Berlin auf der kleinen Schwester des unweit gelegenen BER. Schönhagen entlastet den Großflughafen vor allem bei vergleichsweise kleinen und privaten Flügen.

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Der Instrumentenanflug hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Zuschuss vom Landkreis zuletzt immer kleiner wurde. Trotzdem steckt der Kreis jedes Jahr rund 600.000 Euro in den Flugplatz – Geld, das hauptsächlich vom Steuerzahler kommt. Laut Geschäftsführung würde der geforderte Tarifvertrag noch einmal 220.000 Euro mehr pro Jahr kosten.

„Anpassung an Inflation gar nicht vorgesehen“

Um diesen Umstand wissen die Fluglotsen sehr wohl und erklären sich verhandlungsbereit. Zwei Jahre lang hätten sie versucht, konstruktive Gespräche zu führen, beteuern sie. Weil alle Versuche scheiterten, sehen sie nun keine andere Möglichkeit mehr als den Arbeitskampf, um mit gleichem Maß wie ihre Kollegen an anderen Flugplätzen gemessen zu werden.

Rund 45.000 Mal starten und landen Flugzeuge pro Jahr in Schönhagen. Quelle: Fabio Spitzenberg/Flughafengesellschaft Schönhagen

In dem Vertragsentwurf, der ihnen derzeit vorliegt, fehlt es ihnen an „verlässlichen Arbeitsbedingungen“, zum Beispiel beim Thema Kurzarbeit, Entgelt und Jahreszulage. „Eine regelmäßige Anpassung an die Inflation ist gar nicht vorgesehen“, schreiben sie. Doch Tarifverhandlung lehne der Kreis kategorisch ab. „Dass wir als Arbeitnehmer hier so wenig Gehör bekommen und man unser Recht ignoriert, unsere Arbeitsbedingungen mithilfe einer Gewerkschaft zu verhandeln, ist mehr als enttäuschend.“

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Tatsächlich, bestätigt Landrätin Kornelia Wehlan (Linke), gibt es für die Fluglotsen in Schönhagen keinen an die Flugbranche angelehnten Tarifvertrag. Stattdessen orientiert sich der Hausvertrag, der auch für alle anderen Mitarbeiter gilt, am öffentlichen Dienst. Das hatte sogar der Kreistag so festgelegt. „Die Beteiligungsrichtlinie garantiert, dass die Gesellschaften des Landkreises mit gleichem Maße gemessen werden“, erklärt Wehlan.

Landrätin: Äpfel mit Birnen verglichen

Hinken würde auch der Vergleich mit Kollegen an größeren Flughäfen, so Wehlan. Denn die Fluglotsen in Schönhagen sind rein fachlich lediglich besser qualifizierte Flugleiter. Sie geben Informationen weiter, erteilen aber keine Anweisungen. Dementsprechend leichter könnten sie ihr Zertifikat erhalten. „Insofern stellt sich die Frage, warum für eine nicht vergleichbare Tätigkeit eine besondere Bezahlung angestrebt wird?“, so Wehlan.

Von Victoria Barnack