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Trebbin Wölfe zwingen den ersten Schäfer zur Aufgabe
Lokales Teltow-Fläming Trebbin Wölfe zwingen den ersten Schäfer zur Aufgabe
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17:10 10.07.2019
Schafhirt Dirk Hoffmann Quelle: Marlene Schmidt
Märkisch Wilmersdorf

Bedächtig steht Schafhirt Dirk Hoffmann bei seiner Herde auf der Weide in Märkisch Wilmersdorf. Er hat nur noch 324 Mutterschafe und 336 Lämmer. 2017 waren es noch 600 Mutterschafe. Sie fielen den Wölfen zum Opfer. „Sechs Übergriffe von Wölfen seit 2016. Das muss ich mir nicht mehr antun, ich höre auf“, sagt Dirk Hoffmann resignierend. Zusammen mit der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) lud er deswegen zur Pressekonferenz „Schafhalter resignieren vor dem Wolf – Auswirkungen auf Millionen Menschen“ ein.

Pressekonferenz an der Schfasweide: Schafhirt Dirk Hoffmann (li.), die Vorsitzende des Arbeitskreises Beutegreifer der VDL Anette Wohlfarth, der VDL-Vorsitzende Alfons Gimber und VDL-Geschäftsführer Stefan Völl Quelle: Marlene Schmidt

Zum Lokaltermin an der Schafweide von Dirk Hoffmann stellte der VDL zwei lebensgroße Wolfsbildimitate an den elektrischen Zaun. „Um den Größenunterschied zu demonstrieren“, so VDL-Geschäftsführer Stefan Völl. Die VDL vertritt die Interessen von über 190.000 Betrieben mit 1,6 Millionen Schafen in ganz Deutschland. Der VDL Vorsitzende Alfons Gimber beklagt: „Ein flächendeckender Herdenschutz ist in Deutschland nicht möglich. Der bundeseinheitlich geforderte Mindestschutz ist in vielen Gegenden wie beispielsweise an Deichen und Almen nicht möglich. Wie sollen Deichvorländereien beim Wechsel von Ebbe und Flut eingezäunt oder mit Herdenschutzhunden vor Wolfsübergriffen geschützt werden? Der geforderte erhöhte Schutz ist bei vielen der durch Schafe gepflegten 430.000 ha Fläche im Bundesgebiet nicht umsetzbar.“ Der Verband fordert deshalb eine wissenschaftliche Studie zur Ermittlung der ökologischen Wertigkeit der Weidetierhaltung insbesondere der Schafhaltung für die Kulturlandschaft (Flora, Fauna, Landschaftsschutz) im Vergleich zur ökologischen Wertigkeit des Wolfes für die Kulturlandschaft.

1400 Schafe wurden von Wölfen gerissen und 1000 verletzt

Die Vorsitzende des Arbeitskreises Beutegreifer Anette Wohlfarth: „Wir haben etwa 70 Wolfsrudel mit 1000 Tieren in Deutschland. Und es werden immer mehr, die Reproduktion liegt bei 30 Prozent. Bei 450 Übergriffen wurden 1400 Weidetiere getötet und 1000 verletzt. Und das sind nur die registrierten Fälle. Der Herdenschutz greift nicht, die Schäfer bleiben auf dem Schaden sitzen.“

So wie Dirk Hoffmann. Sein 50 Zentimeter hoher Elektrozaun war für die Wölfe kein Hindernis. Sie springen bis zu 1,80 Meter hoch. Eine Möglichkeit wären Hunde. Dirk Hoffmann: „Nein, das wollte ich nicht. Außerdem gibt es Berichte, wo es Übergriffe von solchen Hunde auf Menschen gibt. Ich kann auch den Anblick von verletzten Tieren mit aufgerissenen Bäuchen nicht mehr ertragen. Man muss sie ja dann auch noch erlösen, das traumatisiert.“

Ingo Stoll von der VDL-Abteilung Berufsschäfer: „Der Wolf ist ein Problem. Ich hatte zwar noch keinen Übergriff, aber schaffe es auch nicht, den Grundschutz herzustellen. Da fehlen die Mittel. Ich müsste 40 Hektar einzäunen und den Zaun mindestens auf 1, 20 Meter Höhe setzen. Wir wollen sicherlich nicht den Wolf wieder ausmerzen, der gehört zur Natur. Es kann aber nicht sein, dass wir eine Tierart Wolf neu ansiedeln und dafür andere Tierarten geopfert werden.“

Ein Herdenschutzinformationszentrum soll eingerichtet werden

Was wäre denn ein idealer Herdenschutz? „Es gibt kein Patentrezept. Es kommt auch auf die Gegend an. Ein Elektrozaun funktioniert nicht. Hunde sind eine Lösung, aber wir brauchen Forschung zum Wolf, um agieren zu können. Die Politik muss Geld bereit stellen für wissenschaftliche Studien. Vielleicht helfen Duftstoffe oder Lasertechnik.“

Schäfer Rainer Schulze aus Schöneweide (120 Mutterschafe und 100 Lämmer): „Ich hab einen elektrischen Zaun, der 1,05 Meter hoch ist und zum Glück noch keine Probleme mit Wölfen gehabt. Aber meine Nachbarn schon.“

Schafhirt Rainer Schulze (66) aus Schöneweide Quelle: Marlene Schmidt

Dirk Hoffmann will im Oktober wegziehen. Seine Herde hat Viola Timm (48) bereits gepachtet: „Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das finanzieren soll, aber es wäre schade, 50 Jahre Schaf-Arbeit einfach so aufzugeben. Und ich mag die Schafe.“

Will die Schafsherde übernehmen: Viola Timm (48) Quelle: Marlene Schmidt

Der Bundesrat hat derweil beschlossen, ein Herdenschutzinformationszentrum einzurichten. In der Schorfheide betreibt das Land bereits seit 2018 ein Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrum.

Von Marlene Schmidt

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