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Teltow-Fläming Ungebetener Besucher aus dem All
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12:24 17.12.2013
Rainer Bartoschewitz zeigt das alte Gewächshaus, wo 1988 der Meteorit einschlug. Quelle: Margrit Hahn
Trebbin

Vor 25 Jahren bekam Trebbin überraschend kosmischen Besuch. Es war der 1.März 1988 gegen 13.30 Uhr als Else Rotkehl, Ingrid Buhnar und Eva Ulrich etwas Zischendes hörte, als wenn Schnee vom Dach der GPG Blumenstadt Trebbin rutschte, bei der sie arbeiteten. Dann krachte es, Glas splitterte irgendwo. Sie vermuteten, ein Gestell wäre zusammengebrochen – fanden zunächst aber nichts. Erst am nächsten Tag fiel eine zerschlagene Scheibe in einem Gewächshaus auf. Als Heinz Heinrich sie austauschte, bemerkte er seltsame Gesteins-Bruchstücke zwischen Glassplittern und zerborstenen Blumentöpfe. Was war das?

Rainer Bartoschewitz zeigt das alte Gewächshaus, wo 1988 der Meteorit einschlug. Quelle: Margrit Hahn

Das sollte Willi Zühlke sagen, ein Experte für Regional-Geschichte und Mineralogie. Er sammelte weitere Bruchstücke auf und informierte die Geologie-Abteilung im damaligen Rat des Bezirks Potsdam. Dann wurde das Zentralinstitut für Physik der Akademie der Wissenschaften in Potsdam hellhörig. Die Mitarbeiter Knut Hahne und Gerhard Andrehs trugen die Gesteinsfragmente drei Tage nach dem Einschlag zusammen. Sie erkannten: In das Trebbiner Gewächshaus war ein Meteorit eingeschlagen.

Insgesamt wurden 16 größere und zahlreiche kleinere Fragmente mit einen Gesamtgewicht von 1,25 Kilogramm gefunden. Das größte Bruchstück hatte ein Gewicht von etwa 300 Gramm. „Meteorite sind etwa 4,5 Milliarden Jahre alte Urmaterie aus der Zeit der Bildung unseres Sonnensystems“, erklärt Hobbymeteoritenforscher Rainer Bartoschewitz aus Gifhorn. Mehr als 85 Prozent der bisher rund 42.000 bekannten Meteorite wurde in der Antarktis und den heißen Wüsten entdeckt. Nur knapp drei Prozent wurde beim Fallen beobachtet. Aus Deutschland sind 45 Meteorite bekannt, von denen heute noch Material vorhanden ist. Vier davon wurden in Brandenburg entdeckt. „Das Auffinden von Meteoriten in Mitteleuropa ist aufgrund der Vegetation, des Bodens und der Klimaverhältnisse recht schwierig“, sagt Bartoschewitz.

Meteoritensplitter im Größenvergleich (Pressefoto von 1988). Quelle: Repro: Margrit Hahn

Der Meteorit von Trebbin ist, wie es Fachjargon heißt, ein kataklastisch brekziierter LL Chondrit. Dies sind Steinmeteorite, die meist auch Metall (nickelhaltiges Eisen) enthalten. Aus seinem Mutterkörper wurde er vor etwa 33 Millionen Jahren als kleines Fragment von rund 20 Zentimeter Durchmesser herausgeschlagen und stieß am 1. März 1988 mit der Erde zusammen. Bei seinem Flug durch die Atmosphäre verlor er 90 Prozent seiner Masse.

„Wir wären gern schon im März nach Trebbin gekommen, doch es hat sich zeitlich nicht ergeben“, sagt der Hobby-Meteoritenforscher, der sich am Wochenende mit Gleichgesinnten zu einem Kolloquium in Trebbin traf. Sie waren dabei, als eine Meteoriten-Hinweistafel in der Trebbiner Bahnhofstraße enthüllt wurde. „Ich habe während des Kolloquiums mehr über Meteoriten gelernt als in meiner Schulzeit“, sagte Bürgermeister Thomas Berger. Die Tafel steht in der Nähe des Fundortes. Für weitere Erkenntnisse hofft Rainer Bartoschewitz auf Zeugen oder Fotos des Einschlags. Es fehlen auch Teile des Meteoriten, die nie gefunden wurden.

Kontakt per E-Mail: bartoschewitz-meteorite-lab@t-online.de

Von Margrit Hahn

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