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Teltow-Fläming Von Baselitz’ Bildern zu seltenen Bäumen
Lokales Teltow-Fläming Von Baselitz’ Bildern zu seltenen Bäumen
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00:23 24.09.2014
Märkisch Wilmersdorf

Der Ästhet und Kunsthändler Michael Werner erschließt sich sein Leben lang neue Horizonte. Gerade hatte er vier Dutzend Gäste aus aller Welt. Dendrologen. Die Gesellschaft internationaler Baumschützer und -forscher aus Kanada, China, der Schweiz und Südafrika schaute sich am Rande ihrer Jahrestagung in Berlin den Landschaftspark rund um Werners Wohnsitz an, das Schloss Märkisch Wilmersdorf.  Nun sucht der Herr des Hauses nach seltenen Eichen und Kiefern.

In den Metropolen dieser Welt zuhause

Der heute 75-Jährige wurde in Nauen geboren, mag die märkische Landschaft und fühlt sich keineswegs als Großstädter. Dennoch zog es ihn in die Metropolen dieser Welt – New York, London, Paris. Ohne Schulabschluss floh er aus kleinbürgerlichen Verhältnissen und trampte durch Europa, wollte für einen Moment Politiker werden. Und wurde der erste deutsche Kunsthändler, der in New York Erfolg hatte.

Kunsthändler seit 1958

Michael Werner begann 1958 bei Kunsthändler Rudolf Springer in Berlin. 1963 stellte er in der mit Benjamin Katz gegründeten „Galerie Katz und Werner“ Werke von Baselitz aus. Er machte den Künstler und sichbekannt.

Werner sorgte dafür, dass Baselitz' Bilder „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“ von der Presse skandalisiert wurden.

2009 etablierte sich Werner in Märkisch Wilmersdorf bei Berlin.

Für seine Leistungen als Kunstvermittler erhielt er 2011 den Art-Cologne-Preis.

Er betreute und betreut weit mehr als die Hälfte der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Künstler: Georg Baselitz, A.R. Penck, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Markus Lüpertz, Antonius Höckelmann. Er handelt mit Werken von James Lee Byars, aber auch von Vertretern der deutschen klassischen Moderne wie Wilhelm Lehmbruck und Otto Freundlich.

Schloss auf Vordermann gebracht

1999 kaufte Michael Werner das verfallene Schloss Märkisch Wilmersdorf, das frühere Anwesen des Grafen Friedrich von Schwerin, 1902 bis 1934 Präsident der deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Der hatte den 20 Hektar großen Landschaftspark üppig mit Koniferen und Laubgehölzen bepflanzt, darunter allein 350 Ahornarten und Kulturpflanzen. Graf von Schwerin war wegen seiner Baumschutz-Verdienste mit einer eigenen Kiefer geehrt worden: „Pinusx Schwerinii“. All das gab es in dem von seinem Nachfolger nicht gepflegten, von Krieg und späterer Melioration geschädigten, Park kaum noch.

Michael Werner an der gestürzten „Pinus x Schwerinii“ im Park.

Michael Werner brachte zunächst Stück für Stück das Schloss auf Vordermann, kaufte den Schwerinschen Wirtschaftshof dazu, weil er dessen Gebäude wie Mühle, Verwalterhaus und Schmiede für wichtige Bindeglieder zwischen Schloss- und Dorfarchitektur hält. Selbst die LPG-Ställe will er erhalten. Auch sie sind für ihn „Zeugnisse der Geschichte und fügen sich harmonisch in die Gesamtanlage ein“.

Schlosstor von Künstler gestaltet

Den dänischen Maler und Backsteinkünstler Per Kirkeby ließ er das Schlosstor gestalten, 2002 zog er von Köln nach Märkisch Wilmersdorf. Groß geworden in der Stadt hätte Werner „nie gedacht, dass ich auf dem Land wohnen kann. Aber inzwischen habe ich Mühe, nach Berlin zu fahren“. Stattdessen kommen Gäste aus Berlin zu ihm. Wie jüngst die Dendrologen aus aller Welt. Für die ist der Schwerinsche Landschaftspark wichtig. Doch bei ihrem Besuch fanden sie kaum noch etwas von dem, was ihn berühmt machte. Mit dem Schlossherrn stapften sie durch Gras und Gebüsch, suchten wenigstens eine letzte Pinus Schwerinii. Ein Belgier entdeckt sie– Reste des letzten Baumes, am Boden, bemoost, überwuchert und halb verrottet.

Beeindruckte Experten

Michael Werner ließ das Areal einzäunen. Denn lange Zeit hatten sich die Einwohner umliegender Orte dort Brennholz geholt, ohne zu ahnen, welch seltenes Gut sie verfeuern. Die Dendrologen waren beeindruckt, dass der Kunstexperte den Park im Schwerinschen Sinne wieder herrichten will. So sehr, dass sie ihm eine neue Original-Lärche aus Kanada schenkten. Einst stand ein Baum dieser Art bereits im Park – es war eine der ältesten und stärksten Lärchen in Deutschland. Allerdings fiel der Baum im Jahr 2007 dem Sturm Kyrill zum Opfer, berichtete der Kleinmachnower Dendrologe Karl-Heinrich zur Mühlen.

Für Michael Werner eröffnet sich damit wieder ein neuer Horizont: der Erhalt alter oder seltener Baumarten. Und er sagt: „Ich habe ein Fantasieziel – ich will hier landwirtschaftliche Produktion machen.“ Gleich hinterher der Satz: „Ich weiß, dass das in meinem Leben vielleicht nichts mehr wird.“ Im Moment noch ist er den Dendrologen dankbar, die ihn auf die Baumfährte lockten. „Das war der erste sinnvolle Besuch seit zwölf Jahren hier“, sagte Werner.

Von Jutta Abromeit

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