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Teltow-Fläming Von der Schulbank an die Werkbank
Lokales Teltow-Fläming Von der Schulbank an die Werkbank
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00:40 23.04.2018
Friedmar Lohöfener (r.) führte die Mädchen und Jungen von der Grundschule Zülichendorf durch alle Bereiche des Unternehmens.
Friedmar Lohöfener (r.) führte die Mädchen und Jungen von der Grundschule Zülichendorf durch alle Bereiche des Unternehmens. Quelle: Foto: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Klavierbaumeister Friedmar Lohöfener hat Schüler der 6. Klasse in dieser Woche durch alle Abteilungen der Niendorf Flügel- und Klavierfabrik GmbH in Luckenwalde geführt. Die 17 Mädchen und Jungen der Grundschule Zülichendorf waren mit ihrer Lehrerin Elke Felber im Rahmen der Berufsorientierung auf Tour. Es ist das achte Mal, dass die Gemeinde Nuthe-Urstromtal den Schülern ein solches Angebot unterbreitete – immer in anderen Unternehmen.

Beim Rundgang durch die Klavierfabrik sehen die Schüler, dass nicht nur Holz verwendet wird. Quelle: Margrit Hahn

Für Hannes Manthey war es nicht der erste Besuch in der Klavierfabrik. Sein Vater arbeitet dort, und er hatte vor einiger Zeit im Physikunterricht zum Thema Modelbau über das Unternehmen berichtet und einen Flügel im Miniaturformat mit in die Schule gebracht. So hatten seine Mitschüler zumindest einen kleinen Einblick, was sie im Unternehmen erwartet. „Ich glaube nicht, dass ich später Klavierbauer werde. Ich interessiere mich eher für Computer“, sagte Sechstklässler Hannes Manthey.

Die Mädchen und Jungen der 6. Klasse sind sehr interessiert. Quelle: Margrit Hahn

Als erstes ging es bei der Tour in die Produktion. Etwa 900 bis 1000 Arbeitsstunden sind für einen hochwertigen Flügel notwendig. „Die geschwungene Korpusform ähnelt dem Flügel eines Flugtiers und gab dieser Klavierform den Namen“, sagte Klavierbaumeister Lohöfener. Allein siebeneinhalb Meter Furnier werden für einen Konzertflügel benötigt. Im Jahr werden in Luckenwalde 60 Klaviere und Flügel gebaut, die weltweit verkauft werden. „Momentan haben wir eine Bestellung aus Japan und eine aus Russland“, sagte Friedmar Lohöfener. Zudem wird auch nach Großbritannien, China und in die USA geliefert. Die Preise liegen bei 12 000 Euro für ein kleines Piano und bei etwa 100 000 Euro für einen exklusiven Konzertflügel.

Hier steht ein fast fertiges Exemplar. Quelle: Margrit Hahn

Verwendet werden ausgewählte Hölzer, die gerade gewachsen sind und nicht zu viel Sonne bekommen haben – unter anderem Fichte, Eiche und Vogelauenahorn. „Wir haben momentan zwei Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Wer Klavierbauer werden möchte, muss dreieinhalb Jahre lernen“, sagte Lohöfener. In diesem Jahr sollen zwei weitere Azubis eingestellt werden.

Eine gute Gelegenheit, einen Blick ins Innere zu werfen. Quelle: Margrit Hahn

Der Ausbildungsberuf ist, wie Lohöfener sagte, vielseitig. Der größte Teil sei Handarbeit. Die Haupttätigkeit ist der Grundaufbau von Gehäuse und Rasten sowie der Ein- und Zusammenbau der individuell und von Zulieferfirmen gefertigten Einzelteilen. Nach der Ausbildung kann der Geselle mitentscheiden, welcher Bereich ihm am besten liegt. Neben Klavierbau sind Tischlerarbeiten, Feinmechanikertätigkeiten und Lackierarbeiten notwendig. Zurzeit sind im Unternehmen 24 Mitarbeiter tätig. „Bei uns ist Genauigkeit das Wichtigste. Wer sich verhaut, kann das Bauteil wegwerfen“, so Lohöfener.

Von Margrit Hahn