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Teltow-Fläming Waldbrände mit gespenstischer Wirkung
Lokales Teltow-Fläming Waldbrände mit gespenstischer Wirkung
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19:59 24.08.2018
Das Feuer hat nahe der Bundesstraße 102 verbrannte Erde und Bäume hinterlassen. Quelle: Foto: Victoria Barnack
Jüterbog/Treuenbrietzen

Da staunte Eberhard Schneider aus Frankenfelde bei Luckenwalde nicht schlecht: Als er Freitagfrüh seinen Rasen sprengte, lag da ein Stück angekohlter Kiefernborke. Das etwa zehn mal 15 Zentimeter große Teil roch frisch nach verbranntem Holz. Es muss wohl von der aufsteigenden Hitze und dem Wind bis dorthin getragen worden sein. Denn in der etwa 15 Kilometer Luftlinie entfernten Lindower Heide war am Donnerstagmittag der seit langem verheerendste Waldbrand ausgebrochen. Von dort zwischen Malterhausen und Lindow breitete er sich nach Norden über die Kreisgrenze hinweg nach Potsdam-Mittelmark aus.

Gebannt blicken die Frohnsdorfer auf die Rauchwolken jenseits der Ortschaft. Bald wewrden sie selber evakuiert. Quelle: Hartmut Reck

Die Bewohner von Frohnsdorf wähnten sich dort zunächst noch auf der sicheren Seite. Gebannt verfolgten sie die riesigen Rauchwolken, die in noch ausreichendem Abstand weiter gen Norden zogen und die Bahngleise und die B102 überwanden. Dass auch die Frohnsdorfer in einigen Stunden evakuiert werden müssten, damit rechneten sie am späten Nachmittag noch nicht. Allerdings kamen Familienmitglieder auch nicht mehr nach Frohnsdorf durch. Denn sowohl die Bundesstraße als auch die Bahnstrecke waren zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog als erstes gesperrt worden.

Tiere von der Weide geholt

Wer es dennoch am Abend wagte, sich etwa von Frohnsdorf über Bardenitz bis nach Luckenwalde durchzuschlagen, wurde Zeuge eines gespenstischen Schauspiels. Zunächst glaubte man, mitten in die Rauchwolken hineinzufahren. In Bardenitz roch es schon sehr brenzlig. Viele Einwohner standen auf der Dorfstraße und blickten beklommen auf die sich auftürmenden Rauchwolken. Der Abzweig nach Tiefenbrunnen gesperrt. Nur zwei Pferdetransporter wurden durchgelassen, um Tiere von einer Weide zu holen.

Parallel zum Großbrand in Frohnsdorf kam es in Jüterbog zu weiteren Bränden: Im Solarpark und am Keilberg. Quelle: Feuerwehr Jüterbog

Auf der Straße weiter nach Kemnitz war links noch klare Sicht, während sich rechts dicker Rauch auf die Landschaft legte. Dabei war nicht mehr klar, woher er kam, denn auch am Keilberg hatte der Wald wieder Feuer gefangen.

Im gesamten Kreis und weit darüber hinaus stank es erbärmlich. Die Nachricht eines Deponiebrands verbreitete sich ähnlich schnell wie das Feuer in den Kiefernwäldern. Dies wurde aber am Freitag von der Stadtverwaltung Jüterbog dementiert. Stattdessen hatten wieder alte Kasernen in Jüterbog II gebrannt. Diese sind zwar inzwischen gelöscht, aber es waren immer noch mehrere Glutnester eines weiteren Flächenbrandes in der Bülowstraße zu bekämpfen.

Wut weicht der Fassungslosikeit

Da es hier wie auch am Keilberg seit Tagen immer wieder brennt, sind die Feuerwehrleute aus Jüterbog im Dauereinsatz. Ein für Freitag vorgesehenes Grillfest als Dank an die Einsatzkräfte bei der Bekämpfung des ersten Keilberg-Brands musste Bürgermeister Arne Raue (parteilos) verschieben, weil niemand Zeit hatte. „Die anfängliche Wut“ auf die vermuteten Brandstifter, so Raue, „weicht allmählich dem Gefühl der Fassungslosigkeit.“

Wehren anderer Orte kommen zur Hilfe

Auch andere Feuerwehren aus entfernteren Orten rückten aus. So fuhren aus Teltow-Fläming 20 Einsatzfahrzeuge mit 70 Personen nach Frohnsdorf. Aus Großbeeren waren drei Staffeln mit je einem Tanklöschfahrzeug (TLF) und sechs Kameraden im Einsatz, die erste bei Jüterbog, die anderen beiden bei Treuenbrietzen und Klausdorf. Die Ludwigsfelder Wehr ist seit Donnerstagabend mit zwei TLF im Einsatz. Alle acht Stunden wird die Besatzung gewechselt. Aus Baruth, Petkus und Dornswalde waren je ein TLF samt Besatzung im Waldbrandgebiet. Die Luckenwalder Wehr wurde am Donnerstag gegen Mittag zunächst nach Kummersdorf-Gut beordert. Am Nachmittag bis zum Abend löschte sie in Jüterbog II und in der Nacht am Keilberg. Ein abwechselnd aus Kummersdorf-Gut und Fernneuendorf besetztes TLF aus Am Mellensee war von Donnerstagabend bis Freitagmorgen im Einsatz. Die Zossener Feuerwehrleute waren ebenfalls seit Donnerstagabend im Einsatz.

„Blinder Alarm“ wegen Brandgeruch

Zu diesem Zeitpunkt erreichte sie auch ein Notruf aus Dabendorf wegen des Rauchschleiers, der sich über den Ortsteil legte, seinen Ursprung aber ganz woanders hatte. Auch in Zeuthen-Miersdorf, Schulzendorf und Königs Wusterhausen gingen Notrufe ein. In Königs Wus­terhausen rückte die Wehr sogar zweimal aus, weil Rauchentwicklung und Brandgeruch gemeldet wurden. Das stellte sich aber als „blinder Alarm“ heraus.

Noch keine Entwarnung

Kein Grund zur Entwarnung gibt es nach wie vor in Jüterbog. Dort musste sogar das Freibad wegen der starken Rauchbelastung am Freitag geschlossen werden. In Dahme bleibt das Freibad übers Wochenende zu, weil alle Mitarbeiter für die Feuerwehr im Einsatz sind.

Doch nicht nur der Rauch suchte die Umgebung heim, sondern auch ein ganzer Teppich von Aschepartikeln legte sich im weiteren Umkreis besonders sichtbar auf Swimmingpools und Gartenmöbel nieder bis hin zu dieser verkohlten Kiefernborke, die auf dem Rasen in Frankenfelde landete.

Von Hartmut F. Reck

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