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Teltow-Fläming Riskanter Einsatz in Jüterbog: „Wir mussten um unser Leben rennen“
Lokales Teltow-Fläming Riskanter Einsatz in Jüterbog: „Wir mussten um unser Leben rennen“
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15:15 12.06.2019
Ein Tanklöschfahrzeug auf dem munitionsberäumten Waldweg parallel zur Kreisstraße zwischen Frankenförde und Felgentreu. Hier gerieten die Einsatzkräfte am Montag zwischenzeitlich in akute Lebensgefahr. Quelle: Hartmut F. Reck
Niedergörsdorf/Frankenförde

 Mit einem Mal kam auf einer Breite von etwa 150 Metern eine Feuerwalze aus dem brennenden Wald. Sie überquerte den Waldweg parallel zur Kreisstraße und ging in die Kronen der gegenüber stehenden Bäume hinein.

Flucht mit den Fahrzeugen

„Das Feuer ging über uns hinweg“, berichtet Patrick Bellin die mehr als brenzlige Situation, die er und seine fast 20 Kameraden aus Niedergörsdorf, Oehna, Hohenseefeld und Markendorf am Montagnachmittag erleben mussten. „Da hieß es nur noch Schläuche abkoppeln und mit den Fahrzeugen flüchten“, erzählt der 31-jährige Gemeindebrandmeister von Niedergörsdorf der MAZ. „Wir mussten um unser Leben rennen.“

Brennender Wald bei Frankenförde. Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

Als letzten Ankerpunkt erreichten sie mit ihren Fahrzeugen glücklich die Straße zwischen Frankenförde und Felgentreu. Von dort setzten sie mit ihren vier Fahrzeugen den Löscheinsatz fort. Dabei erhielten sie Unterstützung von Kameraden aus dem Nachbarkreis Potsdam-Mittelmark.

Selbst dieser breite Brandschutzstreifen wurde von einer Feuerwalze überrollt und nicht aufgehalten. Quelle: Hartmut F. Reck

„Das war heftig“, sagt Bellin rückblickend. Glücklicherweise ist kein Mensch dabei zu Schaden gekommen. Material aber schon. „Uns sind Geräte und Armaturen wie Verteiler, Stahlrohre und Schläuche verbrannt“, sagt der Gemeindebrandmeister. Übrig geblieben sind nur noch die Metallteile. Sie sind jetzt Schrott. Alles andere ist Asche.

Abends gegen 21 Uhr konnten die Wehren aus der Gemeinde Niedergörsdorf wieder abrücken. Bellin, jung verheiratet und Vater eines gerade erst sechs Wochen alten Kindes, wurde die nächsten Tage von seinem Stellvertreter Matthias Münch abgelöst, zumal Patrick Bellin auch hauptberuflich gefordert wird als Mitglied der Werkfeuerwehr am Berliner Firmensitz des Chemieunternehmens Bayer AG.

Nur die Metallteile blieben übrig. Sie sind jetzt nur noch Schrott und die Schäuche sind Asche. Quelle: privat

Auf dem brennenden Truppenübungsplatz habe er selber keine chemischen Stoffe gerochen, berichtet Patrick Bellin auf Nachfrage. Er wisse aber, dass dort eine Zweigstelle der Heeresversuchsanlage Kummersdorf-Gut war. „Es ist nicht undenkbar, dass dort mit solchen Stoffen experimentiert wurde“, sagt er. Und: „Wir sind uns der Gefahren bewusst, müssen aber entsprechend der Lage handeln.“ Dazu sei man schließlich in der Feuerwehr, um sich Gefahren zu stellen und diese zu bekämpfen.

Brandverhalten wie in Griechenland

Patrick Bellin ist seit 1997 bei der Feuerwehr und hat sein Hobby und Ehrenamt zum Beruf gemacht. Als ganz junger Mann nahm er 2008 und 2009 in Griechenland an Übungen zur Waldbrandbekämpfung teil.

„Das ist vom Brandverhalten in den griechischen Wäldern nicht mehr weit entfernt“: Gemeindebrandmeister Patrick Bellin erschreckt die Intensität des Feuers in Brandenburg. Quelle: privat

Bei dieser Gelegenheit bekam er auch richtige Waldbrände mit. „Da haben wir das volle Programm miterlebt“, erinnert er sich. Mit dem Unterschied, dass dort die Brandbekämpfer in den Wald hinein und das Feuer direkt bekämpfen konnten, was auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog-West wegen den Munitionsbelastung nicht möglich ist.

Was den noch recht jungen aber erfahrenen Feuerwehrmann bei seinem Einsatz bei Frankenförde jetzt wirklich erschreckt hat, ist die Intensität des Feuers und wie schnell es sich ausgebreitet hat. „Das ist vom Brandverhalten in den griechischen Wäldern nicht mehr weit entfernt“, sagt er. Kein Wunder, bei dieser mittlerweile südländischen Trockenheit in Brandenburg.

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