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Teltow-Fläming Waldbrand bei Jüterbog gelöscht
Lokales Teltow-Fläming Waldbrand bei Jüterbog gelöscht
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15:15 12.06.2019
Der Waldbrand bei Jüterbog ist gelöscht. Quelle: Julian Stähle/dpa
Frankenförde/Jüterbog

Der Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz zwischen Jüterbog und Frankenförde ist gelöscht. Das teilte der Landkreis Teltow-Fläming am Sonntagabend mit. Die Großschadenslage wurde am Sonntagabend um 21 Uhr beendet. Damit geht die Zuständigkeit für die weitere Brandbekämpfung und -beobachtung zurück an die Stadt Jüterbog und die Gemeinde Nuthe-Urstromtal.

Die Flächenübergabe erfolgte am Montag um 9 Uhr, erklärte Landrätin Kornelia Wehlan (Linke). Bisher war der Landkreis zuständig. Ihr Dank gelte vor allem den vielen freiwilligen und hauptamtlichen Feuerwehrleuten und Kreiswehren aus ganz Brandenburg.

Der 7. Tag des Großbrandes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog-West war noch kein Ruhetag, aber die Lage hat sich so weit stabilisiert, dass am Pfingstmontag das Kommando an die örtlichen Wehren übergeben werden kann. Weiterhin müssen viele Glutnester vom Boden und aus der Luft bekämpft werden.

Hubschrauber hatten Wärmeproblem

Ständig ertönen Hubschraubergeräusche über dem idyllischen Dorf Frankenförde, dessen Ortsbild seit Montagnachmittag von Feuerwehren, Krankenwagen und sonstigen Einsatzfahrzeugen geprägt ist. Manchmal sieht man auch einen der beiden blauen Hubschauber der Bundespolizei, wie er mit seinem Wasserbehälter an der langen Leine eine scharfe Kurve über dem Dorf dreht.

Unmittelbar hinter der Dorfgrenze steht ein so genannter Fireflextank, der ständig mit einem Feuerwehrschlauch aufgefüllt wird, aus dem die Hubschrauber fast ununterbrochen ihre Wasserbehälter eintauchen und wieder zum Brandort fliegen.

Am Sonntagnachmittag fiel dann einer der beiden Hubschrauber aus. Er hatte ein Wärmeproblem. Er wurde aber gleich vor Ort repariert und dreht wieder seine Runden.

Wärmebildkamera soll Glutnester finden

Ein anderer Hubschrauber von der Landespolizei kam auch wieder zum Einsatz. Er ist mit einer Wärmebildkamera bestückt und macht die unzähligen Glutnester auf dem Gebiet des nicht mehr lichterloh brennenden Waldgebiets auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz-West ausfindig. „Da ist noch Etliches an Energie drin“, sagte Tino Gausche, Kreisbrandmeister von Teltow-Fläming und Einsatzleiter, bei einer Pressekonferenz am frühen Nachmittag. Sie können immer wieder durch einen Windstoß entfacht werden.

Der Wind hat aber deutlich nachgelassen, ist aber noch zu spüren. Die Nacht zu Pfingstsonntag und der Feiertag selber waren im Vergleich zu den Vortagen sehr ruhig. Der andere Brand bei Altsorgefeld im Amt Dahme gilt inzwischen als gelöscht. Am Samstagabend fand die Übergabe an den Eigentümer, die Bundesforstverwaltung, statt.

Örtliche Wehren übernehmen am Pfingstmontag

In Frankenförde wurde am frühen Morgen die Waldbrandeinheit aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz von ihren Kameraden aus dem Landkreis Oder-Spree abgelöst. Dies dürfte die letzte Einheit aus einem anderen Landkreis sein, die hier aktive Löschhilfe leistet. Zwar bestünde immer noch der Zustand eines Großschadensereignisses, sagte Wehlan gegenüber MAZ am Sonntag, aber man sei zuversichtlich, dass bis zum Morgen des Pfingstmontags die Verantwortung für das Brandgebiet und somit auch die Einsatzleitung an die örtlichen Wehren von Jüterbog und Nuthe-Urstromtal übergeben werden könnten. Auch wurde die Bundesstraße 87 gegen 20 Uhr wieder freigegeben.

Lage stabilisiert sich

Die Auswertung der Aufnahmen der Wärmebildkamera vom Nachmittag bestätigten die zunehmende Stabilisierung der Lage. Zwar entdeckte die Kamera immer noch mehrere Glutnester vor allem in der Nähe des Biogasparks Felgentreu. Diese können aber mit Hilfe des Hubschraubers gelöscht werden, teilte Kreis-Pressesprecher André Muskewitz mit.

Drei Schwerpunkte

Der Schwerpunkt der Löscharbeiten am Sonntag bestand aus drei Brandstellen im Nordosten des ehemaligen Truppenübungsplatzes, also bei Frankenförde, im Nordwesten bei Felgentreu und im Südwesten wo der Brand ausgebrochen zu sein scheint und wohin man nur aus der Luft kommen kann. Die anderen Stellen wurden zunächst nur vom Boden aus bekämpft. Dazu rückte am Sonntag nochmal ein großes Aufgebot an mit 164 Einsatzkräften und 31 Fahrzeugen.

Etwa 20 Sprenggranaten entdeckt

Wie gefährlich diese Einsätze aufgrund der Munitionsbelastung sind, zeigt die Tatsache, dass vor der Befestigung eines Weges beziehungsweise eine Wendeschleife für die Einsatzfahrzeuge etwa 20 Sprenggranaten mit einem Kaliber von 3,7 bis 15 Zentimeter gefunden wurden, berichtete Steffen Seliger vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) der MAZ. Bevor überhaupt irgendetwas dort getan werden konnte, wurde ein gewerbliches Räumungsunternehmen beauftragt, den Bereich abzusuchen und die Granaten zu bergen. Fünf Granaten waren nicht transportfähig und wurden am Samstagabend gegen 21 Uhr vor Ort gesprengt. Den Rest brachte der KMBD nach Kummersdorf-Gut zum Munitionszerlegebetrieb. Weiterhin hatte man viele Splitter gefunden, ein Hinweis, dass es hier schon mal gekracht hatte.

„Nach sieben Tagen großer Anstrengungen, die viel Kraft gekostet haben“, sagte Landrätin Wehlan, „bin ich hochzufrieden.“ Sie freue sich für die Frankenförder, dass bald wieder Normalität und vor allem Ruhe in ihr Dorf einkehrt und würdigte das große Engagement, das die Anwohner an den Tag gelegt haben, um die Einsatzkräfte mit zu versorgen.

Jüterbog zieht seine Lehren

Mit dem sich abzeichnenden Ende des Großbrandes beginnt dessen Aufarbeitung und die Suche nach den Lehren, die man daraus ziehen kann. Es wird um den weiteren Ausbau des Löschbrunnennetzes gehen, um mehr Brandschutzstreifen, wie man mit den besonders sensiblen Bereichen umgeht. Und es wird um die Kosten gehen, die so ein riesiger Einsatz verursacht. „Wir werden jetzt unter dem noch frischen Eindruck dieses Ereignisses die Pflöcke weiter setzen als bisher möglich war“, meinte die Landrätin.

Schließlich könne man den Kreis Teltow-Fläming, der die meisten Konversionsflächen beheimatet, nicht allein lassen, wie man dies auch nicht mit Oranienburg und seinem Bombenproblem tue, meinte Wehlan. Dies wird jetzt nicht nur die hiesigen Kommunen und den Kreis beschäftigen, sondern auch das Land und den Bund bis hoch zur Innenministerkonferenz, die bald schon wieder tagt.

Ortsvorsteher informiert sich über maz-online.de

Am Rande der Pressekonferenz steht ein Mann, der sich alles mit großer Aufmerksamkeit anhört. Es ist Dieter Hanck, der Ortsvorsteher von dem ebenfalls bedrohten Nachbardorf Felgentreu. Er ist oft in Frankenförde zugegen, beobachtet, spitzt die Ohren. Er macht sich nicht wichtig, sondern hält sich bewusst zurück. „Ich habe am Anfang erst viele Falschinformationen über Facebook erfahren“, sagt er. „Deshalb habe ich mir erstmal selbst ein Bild von der Lage gemacht.“

Seine Erkenntnisse hat er dann seinen Dorfbewohnern mitgeteilt. Er hat sich laufend informiert, vor allem auch über maz-online.de. „So war ich immer auf dem Laufenden und konnte meine Mitbewohner Informationen geben, die Hand und Fuß hatten“, sagt er. Natürlich sei er jetzt erleichtert, dass alles nochmal gut ausgegangen zu sein scheint. Ein hubschrauberfreier Pfingstmontag wäre auch nicht schlecht. Aber die Angst vor dem nächsten Großbrand bleibt natürlich.

Von Hartmut F. Reck

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