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Teltow-Fläming Warnstreik der Metaller im Industriegebiet
Lokales Teltow-Fläming Warnstreik der Metaller im Industriegebiet
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02:15 12.01.2018
Warme Erbsensuppe mit Brötchen, heißen Kaffee oder Tee gab es für die Teilnehmer am Warnstreik als willkommende Mittagsmahlzeit.
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Ludwigsfelde

Warnstreik ist kein Warmstreik. Das bekamen mehr als 300 Ludwigsfelder Metaller Dienstag auf einem Parkplatz im Industriepark zu spüren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt verliehen sie den Forderungen der IG Metall nach mehr Lohn und modernen Arbeitszeitmodellen im Tarifstreit mit den Arbeitgebern Nachdruck.

Rote Mützen und Schals wurden an einem Gewerkschaftsstand verteilt. Gern griffen viele Kollegen der Firmen Gestamp Umformtechnik und MTU Maintenance Berlin-Bradenburg zu. Nur ein paar Schritte entfernt gab es Kaffee, Tee und Erbsensuppe als warmes Mittagessen. „Das alles gehört im Winter zu unserer Mindestausrüstung bei den ersten kleinen Warnstreiks“, sagte Tobias Kunzmann von der IG Metall Ludwigsfelde.

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Forderung nach Arbeitszeitverkürzung mit Rückkehrrecht zur Vollzeit

Warnstreiks sind keine Schönwetterveranstaltungen. Das weiß auch Hans-Joachim Dorst (58), Betriebsratsmitglied bei Gestamp. „Wichtig sind unsere Forderungen. Sechs Prozent mehr Lohn und mehr Zeit für Leute, die besonders beansprucht sind“, so Dorst. Die IG Metall fordert in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie unter anderem das Recht der Arbeitnehmer, ihre Arbeitszeit bis zu einer Dauer von zwei Jahren auf 28 Wochenstunden zu verkürzen. In diesem Zeitraum sollen die Beschäftigten als Lohnausgleich einen Zuschuss von 750 Euro pro Jahr oder 200 Euro pro Monat bekommen. Weiter will die Gewerkschaft ein Rückkehrrecht zur Vollzeit erreichen. „Vorübergehende Teilzeit mit Rückkehrrecht wäre für Schichtarbeiter und Kollegen, die kleine Kinder haben oder Angehörigen pflegen müssen, eine gute Sache“, meinte Hans-Joachim Dorst. Als Betriebsratsmitglied werde er zunehmend mit solchen Wünschen konfrontiert. „Deshalb streiten wir dafür, dass wir das so schnell wie möglich geregelt kriegen.“

Für die Angleichung der Löhne an das Westniveau tritt Gestamp-Betriebsrat Kevin Kutsche (29) ein. Kutsche zufolge sollte man den Kollegen im Osten nach 27 Jahren deutsche Einheit endlich geben, was man ihnen versprochen habe. „Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Schließlich muss ich noch mehr als dreißig Jahre arbeiten.“

Vertrauensleute von Mercedes-Benz unterstützen Warnstreik

„Unsere Kollegen stehen genau für die selben Interessen ein“, sagte Thomas Rackwitz, Vertrauensmann bei der Mercedes-Benz GmbH Ludwigsfelde. Hier herrscht zurzeit Betriebsruhe, weil die Produktion umgestellt wird. „Hätten wir produziert, wären wir hier heute garantiert mit vielen Kollegen dabei gewesen“, sagte Rackwitz. Wegen der Betriebsruhe seien nur die Vertrauensleute mit einem großen Transparent gekommen, um den Warnstreik zu unterstützen.

„Unsere Forderungen sind wirtschaftlich sinnvoll, bezahlbar und die richtigen Antworten auf eine moderne Arbeitswelt“, meinte Gewerkschafter Tobias Kunzmann. Die Wirtschaft brumme, die Auftragsbücher in den Ludwigsfelder Metallbetrieben seien voll und die Prognosen für 2018 gut. „Was also hält die Arbeitgeber davon ab, für attraktive und moderne Arbeitsbedingungen zu sorgen?“

Tarifverhandlungen blieben bisher ergebnislos

Bisher blieben die Tarifverhandlungen ergebnislos. Seitens der Unternehmer wurden eine Einmalzahlung von 200 Euro für Januar bis März sowie zwei Prozent mehr Lohn ab 1. April 2018 für die Dauer von einem Jahr angeboten. „Da klemme ich mir den Witz vom Aprilscherz“, sagte Tobias Kunzmann unter dem Beifall der Kollegen.

Zum 31. Dezember 2017 endete die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie in Berlin, Brandenburg und in Sachsen. Damit sind Streiks erlaubt. „Mit diesem Warnstreik setzten die Ludwigsfelder Metaller ein erstes Zeichen ihrer Entschlossenheit, für ihre Forderungen zu kämpfen“, so Tobias Kunzmann. Am Tarif-Verhandlungstisch säßen auch die Personalchefs der großen Ludwigsfelder Metallbetriebe. Gerade sie müssten mitkriegen, dass die Kollegen hinter den Forderungen der IG Metall stehen.

Arbeitgeber müssen sich in den nächsten Tagen warm anziehen

Am 19. Januar findet die nächste Verhandlungsrunde statt. „Wenn diese Runde wieder nichts bringt, dann sehen wir uns wieder“, rief Gewerkschaftsfunktionär Andreas Kahnert den Metallern zum Abschluss der Kundgebung zu. Weitere Ankündigungen für Warnstreiks in Brandenburg deuten darauf hin, dass sich auch die Arbeitgeber in den nächsten Tagen warm anziehen müssen.

Von Frank Pechhold

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