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Teltow-Fläming Warum die Masche mit den falschen Polizisten funktioniert
Lokales Teltow-Fläming Warum die Masche mit den falschen Polizisten funktioniert
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13:27 11.06.2019
Vor allem ältere Menschen werden oft zum Opfer der Masche. Quelle: Steffen Schulze/MAZ
Luckenwalde

Immer wieder kommt es vor: Bei Einwohnern in der Region Dahmeland-Fläming klingelt das Telefon. Auf dem Display ist die 110 eingeblendet. Am anderen Ende meldet sich ein Polizist. Man habe Einbrecher gefasst oder Diebesgut sichergestellt, darunter auch ein Zettel mit den potenziellen nächsten Opfern.

„Haben Sie Wertgegenstände und Bargeld zu Hause?“, lautet die Frage des vermeintlichen Beamten. Damit der Bürger am Telefon nicht zum Opfer wird, schlägt der Polizist vor, dass ein Kollege die Wertsachen abholt und sicher verwahrt. Am Ende werden die ahnungslosen Opfer Geld und Schmuck nie wieder sehen.

Claudia Sponholz ist Opferschutz-Beauftragte bei der Polizei in Teltow-Fläming. Quelle: Victoria Barnack

Im MAZ-Interview verrät die Opferschutz-Beauftragte der Polizei in Teltow-Fläming, Claudia Sponholz, wer besonders oft bestohlen wird und wie man mit einem falschen Polizisten am Telefon oder vor der eigenen Haustür umgehen sollte.

Frau Sponholz, jeder kennt den Enkeltrick. Warum funktioniert die Masche mit den falschen Polizisten trotzdem immer noch?

Claudia Sponholz: Weil die Reaktionen der Opfer menschlich sind. Die meisten Leute, können sich nicht vorstellen, dass die Masche zieht. Aber meinem Enkel will ich doch helfen. Gerade wenn ich alt und einsam bin und mein Telefon nur einmal im Monat klingelt. Da wäre wohl jeder Mensch dankbar, dass jemand mit ihm spricht Oder wenn die Polizei anruft und sagt, ich könnte das nächste Einbruchsopfer sein – dann ist die Angst da, das ist ganz klar. Wenn mir dann ein Polizist helfen will, fasse ich als ehrlicher Bürger schnell Vertrauen. Immerhin gehe ich davon aus, dass alles rechtens ist.

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Warum häufen sich die Fälle gerade jetzt in Teltow-Fläming?

Je nachdem wie präsent die Betrugsmasche in der Öffentlichkeit ist, ebbt die Anzahl von Fällen immer wieder auf und ab. Der Trick mit den falschen Polizisten am Telefon nimmt seit Anfang des Jahres bei uns immer mehr zu.

An konkreten Zahlen können wir das vor Jahresende zwar noch nicht festmachen. Aber das subjektive Empfinden der Kollegen deckt sich ortsübergreifend und auch über die Grenzen von Teltow-Fläming hinaus.

„Zum Opfer kann jeder werden“

Vor allem ältere Menschen werden immer wieder zum Opfer. Warum?

Ältere Leute zucken noch zusammen, wenn die Polizei sie anruft. Sie wurden – ohne das abwertend zu meinen – zu einer gewissen Gutgläubigkeit erzogen. Sie glauben an das Gute im Menschen, möchten helfen und haben Respekt vor der Polizei und allen anderen Organen des Staates. Auch das Misstrauen ist bei den älteren Generationen weniger ausgeprägt als bei den jüngeren Menschen. Zum Opfer kann aber trotzdem jeder werden.

So schützen Sie sich vor Enkeltrick-Betrug

Am Telefon nicht ausfragen lassen! Geben sie keine Details Ihrer familiären oder finanziellen Verhältnisse preis.

Nicht unter Druck setzen lassen! Vereinbaren Sie einen späteren Gesprächstermin. In der Zwischenzeit prüfen Sie die Angaben z.B. durch einen Anruf bei Ihren Verwandten oder einem Rückruf bei der örtlichen Polizei.

Rufen Sie die Polizei an! Verwenden Sie dazu die öffentlich bekannte Telefonnummer – aber nicht die Nummer, die der Anrufer Ihnen möglicherweise gegeben hat oder die auf dem Display angezeigt wurde.

Notieren Sie die eventuell auf dem Sichtfeld Ihres Telefons angezeigte Nummer des Anrufers.

Bevor Sie jemandem Geld geben: Besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Person Ihres Vertrauens. Wenn Ihnen die Sache „nicht geheuer ist“, informieren Sie die Polizei.

Übergeben Sie Geld nur an Personen, die Ihnen persönlich bekannt sind!

Haben sie bereits eine Geldübergabe vereinbart? Informieren Sie noch vor dem Termin die Polizei unter Tel. 110!

Sichern Sie Ihre Wohnung: Tür abschließen, Sperrriegelkette vorhängen, Türspion benutzen.

Schließen Sie niemals Verträge an der Haustür ab!

Wenn ich angerufen werde: Was sollte mich bei einem Polizisten stutzig machen?

Die Täter melden sich oft mit utopischen Dienstgrad-Nennungen. Unter dem Hauptkommissar geht gar nichts. Da wird der normale Bürger am Telefon natürlich hellhörig und denkt, das Anliegen muss wohl wichtig sein.

Einige Anrufer stellen sich sogar als Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes vor. Das ist die höchste Stelle in Deutschland. Auf diese Weise erschleichen sich die Täter den Respekt und das Vertrauen ihrer Opfer.

„Auflegen ist nicht unhöflich“

Angenommen ich werde schon am Telefon misstrauisch oder durchschaue den Schwindel sogar – was soll ich dann tun?

Auflegen. Viele Menschen denken, das ist unhöflich. Es ist aber mein gutes Recht. Niemand muss sich am Telefon belästigen lassen. Erscheint im Display die 110, kann ich ohnehin davon ausgehen, dass der Fall fingiert ist.

Die echte Polizei würde niemals mit dem Notruf bei einem Bürger anrufen. Genauso würde ein Polizist niemals nach Bargeld, Wertgegenständen oder dem Versteck dafür fragen. Wenn Ihnen das passiert: Legen Sie auf und melden Sie den Fall der Polizei!

Was mache ich, wenn der Täter schon vor meiner Tür steht und die Polizei nicht dabei ist?

Rufen Sie bei der Polizei an. Die Kollegen werden Ihnen mitteilen, ob der Kollege vor Ort tatsächlich registriert ist. Betrüger werden sich in so einem Fall schnell aus dem Staub machen. Jeder Bürger sollte sich außerdem den Dienstausweis des Polizisten zeigen lassen und genau hinschauen.

Vorderseite des Dienstausweises der Polizei. Quelle: Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg

Wie erkenne ich einen echten Polizeiausweis?

Wichtig zu wissen ist: Der Brandenburger Dienstausweis der Polizei ist blau. Stutzig werden, sollten Bürger vor allem dann, wenn sie das Foto nicht richtig erkennen oder den Namen nicht lesen können. Eine echte Amtsperson würde sich niemals scheuen, den Ausweis auch ein zweites und drittes Mal hervorzuholen.

Rückseite des Dienstausweises der Polizei Quelle: Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg

Was tut die Polizei in Teltow-Fläming jetzt konkret, um weiteren Fällen vorzubeugen?

Damit jeder schnell und einfach versteht, wie der Betrug ablaufen kann, hat die Brandenburger Polizei einen Comic anfertigen lassen. Die Zeichnungen nehmen die Revierpolizisten jetzt vor Ort mit. Sie verteilen sie zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen und im betreuten Wohnen. Außerdem zeige ich inzwischen bei fast allen Veranstaltungen meinen Dienstausweis, damit alle Menschen wissen, wie er aussieht.

Wegen der vielen Fälle arbeitet die Polizei in Teltow-Fläming jetzt auch mit den Banken zusammen. Was soll das bringen?

Viele Mitarbeiter der Banken sind schon jetzt sehr aufmerksam, wenn zum Beispiel ältere Menschen hohe Summen Geld auf einen Schlag abheben wollen. Hier wollen wir ansetzen. Bankmitarbeiter, die gut für falsche Polizisten oder den Enkeltrick sensibilisiert sind, leisten einen großen Beitrag zur Prävention.

Von Victoria Barnack

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