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Teltow-Fläming Warum einen Töpfermeister aus Glashütte sein Handwerk so begeistert
Lokales Teltow-Fläming Warum einen Töpfermeister aus Glashütte sein Handwerk so begeistert
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00:21 03.07.2019
In seiner Werkstatt verbringt Axel Rottstock viele Stunden pro Woche. Nach Hause hat er es nicht weit: Sein Haus sieht es, wenn er in der Werkstatt aus dem Fenster schaut. Quelle: Fabian Lamster
Glashütte

Die Sommerhitze hat Glashütte fest im Griff: Menschen spazieren mit Sonnenhüten, Fächern und Schirmen auf dem Hüttenweg. Vögel zwitschern und Windschübe bringen Äste leicht zum Wippen. Ein Thermometer zeigt 32 Grad im Schatten.

Es ist nahezu still an diesem Junitag im Gemeindeteil von Baruth, der durch das Museumsdorfs Glashütte überregionale Bekanntheit genießt, wo noch bis in die 1980er Jahre Glas hergestellt wurde.

Plötzlich durchdringt ein Klopfen das Naturidyll. Es stammt aus Axel Rottstocks Töpferwerkstatt, der seinen Ton walkt und für die Töpferscheibe vorbereitet.

Anlässlich des Ferienprogramms "Kunst und Handwerk blühen in Glashütte" gibt Axel Rottstock erstmals Vorführungen an der Töpferscheibe. Sie finden ab 29. Juni alle zwei Wochen (bis Ende August) statt. Quelle: Fabian Lamster

Dafür rollt, knetet und haut er die zum Teil über einen Kilogramm schweren Tonkugeln auf eine Holzplatte, um sie von eventuellen Luftblasen zu befreien. Der 53-Jährige ist Töpfermeister und bereitet sich auf seine Vorführung an der Töpferscheibe vor, die am Samstag im Rahmen des Glashütter Ferienprogramms „Kunst und Handwerk blühen in Glashütte das erste Mal stattgefunden hat.

Was für Axel Rottstock das Besondere am Töpfern ist

Was an seiner Töpferscheibe schon entstanden ist, sieht man, wenn man sein Töpfercafé betritt, in dem sich auch seine Werkstatt befindet.

Egal ob Vasen, Schalen, Tassen, Teller oder Kannen: Jedes der kupfergrünen Keramikstücke schaut ein bisschen anders aus.

Als farbliches Markenzeichen hat Axel Rottstock seine Kreationen in Kupfergrün getaucht. Die Tassen, Vasen, Schalen und Teller kann man sich im Café anschauen. Quelle: Fabian Lamster

Mal haben sie eine andere Form, sind unterschiedlich groß oder verschieden verziert. Genau das stellt für Axel Rottstock auch das Besondere an seinem Beruf dar: „Ich habe jede Menge Ideen für Formen und Gestaltungen. Und diese Ideen dann umzusetzen und am Ende etwas in den Händen zu halten, das vorher nur in meinem Kopf existierte, macht mir Freude“, sagt 53-Jährige.

Warum die Sitzhaltung beim Töpfern so wichtig ist

Eine Freude, die man ihm ansieht, auch wenn das Töpfern mühsam sein kann. Als er einen über ein Kilogramm schweren Tonklumpen auf der Töpferscheibe zentriert und den elektrischen Motor zum Töpfern anstellt, muss er die Kraft seines ganzen Körpers auf das Material übertragen. „Man muss den Klumpen zähmen und den Ton bestimmen“, sagt er.

Axel Rottstock quetscht den Ton auf der Töpferscheibe, wodurch es in die Höhe geht. Eine Tasse soll entstehen. Quelle: Fabian Lamster

Seine Ellenbogen hat er auf die Hüfte gestützt, während er behutsam mit seinen Fingern auf den Ton einwirkt. Keine fünf Minuten später hat er einen Teller geformt, den er mit einem Draht von der Platte löst. Die richtige Sitzhaltung sei beim Töpfern besonders wichtig, um das zu formen, was einem vorschwebt, sagt der Töpfermeister.

Der Weg vom Tonklumpen zum fertigen Gegenstand

Die Arbeit an der Töpferplatte ist allerdings nur der erste Schritt. Anschließend trocknen die Tonkreationen und kommen bei 950 Grad in den Ofen zum Schrühen, damit sie wasserbeständig sind. Anschließend glasiert Axel Rottstock die Gegenstände und sie erhalten ihre kupfergrüne Farbe, bevor sie erneut in den Ofen kommen.

Am Ende schleift der 53-Jährige sie und verziert sie farbenfroh mit einer Überzugsmasse, den sogenannten Engoben. Bis Teller, Vase oder Tasse in seinem Laden stehen, können zwei Wochen vergehen.

Vor allem die Kreativität des Berufs mache für Axel Rottstock den Reiz am Töpfern aus. Das Bild zeigt einen Vasendeckel, an dem der 53-Jährige zwei Figuren angefügt hat, die zu den Blumen hinaufschauen. Quelle: Fabian Lamster

Woher der Töpfermeister seine Inspiration holt

Dabei lässt er sich auf unterschiedliche Weise inspirieren. Er schaue seltener auf Internet-Plattformen wie Pinterest oder Instagram, auf denen sich viele Töpfer tummeln, um auf neue Ideen zu kommen.

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Eher zieht es ihn in die Natur, in unterschiedliche Kunstrichtungen und in ferne Länder. So ist der gelernte Werkzeugbauer bereits in Portugal, auf Malta oder auf Sardinien gewesen und mit Fotos von Türknäufen oder aufwendigen Verzierungen an alten Klöstern nach Glashütte zurückgekehrt.

Manchmal beauftragen ihn Menschen auch mit Sonderanfertigungen. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie er vor Jahren einmal maßgenaue Dachentlüftungstürme fertigen sollte, die ihn über Tage beschäftigt haben.

Die getöpferte Tasse (links) ist nach wenigen Minuten fertig. Nun muss sie trocknen und kommt in den Ofen, bevor sie glasiert, geschliffen und bunt verziert wird und einen Henkel bekommt. Bis sie so ausschaut wie die rechte Tasse, können einige Tage vergehen. Quelle: Fabian Lamster

Töpferfunke springt nicht auf jeden über

Schon seit 1998 ist der gebürtige Berlin in Glashütte. Während seine Tonteller und -tassen trocknen, kann er nach Hause gehen. Er sieht sein Haus vom Werkstattfenster.

Er habe vor Jahren auch „positiv Verrückte“, wie er sagt, zweieinhalb Jahre zum Töpfer ausgebildet. Noch heute fragen Axel Rottstock mindestens einmal im Jahr Besucher, ob er ihnen das Walken, das Verzieren mit Engoben und das Bezwingen des Tons beibringen kann.

Ein Anliegen, mit dem ihm seine beiden Töchter noch nie begegnet sind. Er habe ihnen natürlich das Töpfern gezeigt, aber sie hätten sich für andere Berufe entschieden. Vorerst. „Sie haben mir gesagt, dass ich ihnen im Notfall immer noch das Töpfern beibringen kann. Ich hoffe, dass dieser Notfall nie passiert“, sagt Axel Rottstock und lacht.

Axel Rottstock hat in Glashütte seine eigene Töpferwerkstatt und fertigt hier aus Ton unterschiedlichste Gebrauchsgegenstände. Quelle: Fabian Lamster

Von Fabian Lamster

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