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Teltow-Fläming Das sollte mal Mais werden
Lokales Teltow-Fläming Das sollte mal Mais werden
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16:51 24.08.2018
Wilfried Krieg, Betriebsleiter der Welsickendorfer Agrargenossenschaft, in einem trockenen Maisfeld. Krieg erwartet dort Ernteausfälle von 60 Prozent. . Quelle: Oliver Fischer
Welsickendorf

Bei der Agrargenossenschaft Welsickendorf beginnen sie in der kommenden Woche mit der Maisernte. In der ersten Augustwoche. Mais erntet man eigentlich Ende September. Es ist ein Wahnsinn.

Wilfried Krieg, 55 Jahre alt, ist seit seiner Jugend Landwirt und seit fast 30 Jahren Betriebsleiter der Welsickendorfer Genossenschaft. Er ist ein großer Mann, der schon viele Wetterlagen auf dem Feld durchlebt hat. Die nassen Sommer, die kalten Sommer, die Hitzesommer von 2003 und 2006. Aber die waren nichts gegen den jetzigen, sagt er.

Es ist Mittwoch, der Wetterdienst hat wieder Temperaturen über 30 Grad vorhergesagt, wie schon für den Dienstag, für den Montag, den Sonntag und die meisten Tage davor. Wilfried Krieg steht auf einem Maisfeld irgendwo hinter Welsickendorf und schiebt Pflanzen beiseite. Er will zeigen, was die Trockenheit, unter der die Bauern seit April leiden, mit der Ernte macht. Mais ist da ein ziemlich gutes Beispiel. „Der Mais bildet zu dieser Jahreszeit seine Fahne aus“, sagt Krieg, und deutet auf ein vertrocknetes Etwas in der oberen Hälfte einer Maispflanze.

Die Fahne, das ist der Teil, an dem die männlichen Staubblätter wachsen. Das männliche Geschlechtsteil sozusagen. Von dort wird der Staub normalerweise auf den Kolben geweht, und wo der Kolben befruchtet wird, wachsen Körner. Von der Natur ist das schlau eingefädelt. Der Kolben, den Wilfried Krieg aus einer trockenen Pflanze gebrochen hat, hat aber keine Körner. „Es hat keine Befruchtung stattgefunden, deshalb bildet sich nichts“, sagt Krieg. Der Halm verkümmert, die Blätter verbrannt, die ganze Pflanze ein Jammerbild und der Kolben ein Nichts. Dass das nicht gut sein kann, sieht auch, wer keine Ahnung von Landwirtschaft hat. Maximal 30 bis 40 Prozent des normalen Energiegehalts kriegt man noch aus diesen Pflanzen, sagt Krieg. Das bedeutet: weniger Futter für die Kühe. „Und da kann es jetzt regnen, wie es will. Da kommt auch nichts mehr“, sagt Krieg.

So oder ähnlich sah es bisher bei fast allen Feldfrüchten in Welsickendorf aus. Roggen und Weizen lagen mit 25 Prozent im Minus. Der Raps brachte 30 Prozent weniger als einkalkuliert – es hatte im April und Mai überhaupt nicht geregnet. Und weil im Juni und im Juli auch nur an vier Tagen Niederschlag fiel, brachten die Ackerbohnen, die die Agrargesellschaft neuerdings als Futterpflanze anbaut, auch nur neun Dezitonnen auf 53 Hektar. Man habe mit dem Vierfachen gerechnet, sagt Wilfried Krieg.

2018 wird zweifellos als das Jahr der großen Dürre in die Geschichtsbücher eingehen, und das überall. Der zweite und dritte Heuschnitt sind auf den meisten Wiesen ausgefallen, weil das Gras braun wurde, statt zu wachsen. Auf den Weiden wird teilweise schon zugefüttert. „Eigentlich ist alles schwierig“, sagt Silvia Fuchs, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming. Der Deutsche Bauernverband fordert bereits eine Milliarde Euro als Soforthilfe für gebeutelte Bauern. Davon könnte die Agrargenossenschaft Welsickendorf auch etwas gebrauchen.

Denn der Mais wird das nächste Minusgeschäft, und dann kommen die Kartoffeln. Auch da zeichnen sich Probleme ab. Die Knollen, die nicht beregnet wurden, sind kümmerlich. „Vier bis fünf sind pro Pflanze ausgebildet. Normal sind zwölf bis 15“, sagt Wilfried Krieg. Aber was schlimmer ist: Die Kartoffeln haben ihre Entwicklung bereits abgeschlossen und bilden schon die nächste Generation, die im Lager schnell fault und die gesamte Ernte versauen kann. „Wir müssen das verhindern und die ersten Pflanzen abtöten“, sagt Krieg. Vermarktbar wird am Ende nicht mehr allzu viel sein.

300.000 Euro unter Soll werde man in diesem Jahr allein beim Getreide liegen, glaubt Wilfried Krieg. Bei den Kartoffeln rechnet er mit 250.000 Euro weniger Erlösen. Macht insgesamt mehr als eine halbe Million. Die Investitionen, die für dieses Jahr geplant wurden, seien bereits gestrichen. Krieg: „Möglicherweise werden wir auf Fremdkapital zurückgreifen müssen. Aber welche Bank macht das lange mit?“

Dabei gehört die Agrargenossenschaft noch zu den Privilegierten. Die Böden im Jüterboger Raum sind zwar schwach, aber in Teilen immer noch besser als im Norden des Landkreises. Auch Regen fielen zumindest ein paar Tropfen mehr. Und die Genossenschaft hat seit der Wende etwa eine Million Euro in Beregnungsanlagen investiert, mit denen sich etwa die Hälfte der 1500 Hektar Ackerfläche künstlich bewässern lassen. Aber auch damit ist bald Schluss. „Wir dürfen nur ein bestimmtes Kontingent Wasser fördern, und das ist fast aufgebraucht“, sagt Wilfried Krieg.

Er warte jetzt auf ein Wunder. Dass es endlich kontinuierlich regnet, damit die Sprenger entlastet werden, damit der Sommerroggen in die Erde gebracht und der Raps fürs nächste Jahr gerdrillt werden kann. Bei dieser Trockenheit geht das nicht, sagt Krieg. Da ist dann schon die Missernte für 2019 programmiert. Aber gut sieht es dafür auch nicht aus. Der Wetterdienst kündigt ein paar Gewitter für diese Woche an, dann wieder Sonne und Temperaturen jenseits der 30 Grad.

Es gibt andere, die es noch schlimmer erwischt hat, keine Frage. Betriebe, die keine Beregnung haben. Die ihren Mais unterpflügen mussten, weil er so mickrig ist. Die darüber nachdenken, ihren Rinderbestand zu verringern, weil sie nicht alle Tiere über den Winter bekommen werden. Das Land hat inzwischen Hilfen für diese Betriebe zugesichert. Dass die Welsickendorfer davon etwas bekommen, glaubt Wilfried Krieg aber nicht.

Denn Hilfen sollen nur an die Betriebe ausgezahlt werden, deren Ertrag 30 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liegt. Für Milchviehhalter waren die vergangenen Jahre aber durchweg katastrophal. 2015 lag der Milchpreis bei 21 Cent Pro Liter, 2016 im ähnlichen Bereich. Die Ernten waren okay, das Betriebsergebnis trotzdem schwach. Jetzt hat sich der Milchpreis berappelt, aber die Ernte liegt darnieder. Das gleicht sich aus, wenn auch auf ungute Weise. „Ich gehe davon aus, dass wir alles in allem 15 Prozent unter den Ergebnissen der vergangenen drei Jahre liegen“, sagt Wilfried Krieg. Das wäre miserabel, aber für Hilfen wird es nicht reichen.

Wilfried Krieg ist gerne Landwirt, sagt er. Kein Jahr sei wie das andere. Es gebe keine Blaupausen, es werde nie langweilig. „Das ist ja das Schöne.“ Damit er an dem Beruf aber noch länger Freude haben kann, brauche es unkomplizierte Hilfen, sagt er. Und Regen natürlich – beides möglichst bald.

Von Oliver Fischer

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