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Teltow-Fläming Wildpark-Chef fordert Hilfe vom Umweltminister
Lokales Teltow-Fläming Wildpark-Chef fordert Hilfe vom Umweltminister
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16:38 04.01.2017
Im Wildpark Johannismühle können sich die Tiere frei bewegen, da das Gesamtgebiet umzäunt ist.
Im Wildpark Johannismühle können sich die Tiere frei bewegen, da das Gesamtgebiet umzäunt ist. Quelle: Frank Pechhold
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Johannismühle

Der Streit um die Zukunft des Wildparks Johannismühle eskaliert. Wildpark-Geschäftsführer Julian Dorsch hat sich jetzt in einem offenen Brief an Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) gewandt und ihn aufgefordert, sich des Problems persönlich anzunehmen, denn die Gespräche mit dem Ministerium seien bisher „sehr kontraproduktiv“ verlaufen, zudem habe es Drohungen einzelner Mitarbeiter gegeben: „Ich könne mich wenden, an wen ich auch will, Gehör würde ich bei niemandem finden, die Waldumwandlung kommt, da können Sie sich Kopfstellen“, beschreibt Dorsch diese Aussagen in seinem Brief.

Wildpark-Chef sieht öffentliches Interesse

Ausführlich begründet der Wildparkchef, warum seiner Auffassung nach auch weiterhin ein öffentliches Interesse daran besteht, den Wald des Wildparks für die Öffentlichkeit zu sperren. Um diese Frage dreht sich der gesamte Streit zwischen dem Park und den Forstbehörden. Eigentlich ist es in Brandenburg nicht zulässig, Wald unabhängig von den Eigentumsverhältnissen einzuzäunen und für die Öffentlichkeit zu sperren. Erlaubt werden kann das nur in Ausnahmefällen, dazu gehört, wenn ein öffentliches Interesse vorliegt. Eine solche Genehmigung hatte der Park seit 1997, nun will die Forstbehörde diese aber nicht mehr verlängern. Hat diese Entscheidung Bestand, müsste der Wildpark beantragen, seine gesamte Fläche von einem Wald in eine andere planungsrechtliche Geländeart umzuwandeln – dann müsste er aber Ausgleichsmaßnahmen ergreifen. Die würden nach Berechnungen des Wildparks 300 000 bis 400 000 Euro kosten. Das könne sein Unternehmen nicht stemmen, hatte Dorsch bereits in der Vergangenheit gesagt (die MAZ berichtete).

Nutzen für den Tourismus

20 Jahre nach der Eröffnung gebe es ein öffentliches Interesse, denn der Park schaffe eine gemeinsam mit anderen touristischen Einrichtungen in der Region eine Attraktivität der Region für Besucher aus aller Welt und er engagiere sich für den Natur- und Artenschutz. Zudem stehe der Bildungsauftrag für den Wildpark an oberster Stelle. Dies belege die stetig steigende Zahl von Schulklassen und Kindergartengruppen, die den Park besuchen. Hinzu komme, dass Johannismühle als private Einrichtung keine Fördermittel von Land oder Bund erhalte. Das gelte auch für die Greifvogel-Auffangstation, die sich unter anderem um Tiere kümmere, die von Windrädern verletzt wurden.

Einladung zum Runden Tisch

„Sehr geehrter Herr Vogelsänger, sehr gern würde ich noch weiter ausführen, gehe aber sicher davon aus, dass die bisher aufgezeigten Punkte auch Ihnen ausreichen, ein öffentliches Interesse zu erkennen, womit eine Waldsperrung auch gesetzeskonform erfolgen kann“, schreibt Dorsch. Er lädt den Minister zu einem Runden Tisch mit Vertretern aller Behörden ein. Und fügt hinzu: „Ich erachte es auch als zwingend erforderlich, dass Sie sich überhaupt einmal ein eigenes Bild vom Wildpark Johannismühle machen.“

Das Umweltministerium reagierte am Mittwoch reserviert. Üblicherweise ersetzten offene Briefe keine Verabredungen auf Arbeitsebene, hieß es auf MAZ-Anfrage. Es habe bereits im alten Jahr Absprachen gegeben, die in dem offenen Brief nicht berücksichtigt seien. Noch in dieser Woche werde es weitere Abstimmungen geben, so Sprecher Jens-Uwe Schade.

Von Carsten Schäfer

04.01.2017
04.01.2017