Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Zossen Archäologen legen Nazi-Bahntrasse frei
Lokales Teltow-Fläming Zossen Archäologen legen Nazi-Bahntrasse frei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 08.02.2019
Bei den Begleitarbeiten wurden Reste einer alten Bahntrasse entdeckt. Die dunkle Fläche zwischen den beiden weißen Streifen ist der Bahndamm. Quelle: foto: Frank Pechhold
Dabendorf

Größenwahn. Gleisbett. Grausamkeit. Daran erinnert ein Fund auf der Baustelle für die neue Dabendorfer Gesamtschule. Dort legt das Team der Firma Archäologie Wiegmann ein Trassenstück des von den Nationalsozialisten geplanten, aber nie vollendeten Berliner Güteraußenringes (GAR) frei.

„Zeitgeschichtlich ist es sehr interessant, solche Planungen aus der NS-Zeit tatsächlich vor der Schaufel zu haben“, sagt Grabungsleiter Ulrich Wiegmann. Diktator Adolf Hitler und der Architekt Albert Speer planten die so genannte Reichshauptstadt „Germania“. Um die gigantische Metropole zu entlasten, sollte das Bahnnetz zwischen 1937 und 1945 umgestaltet werden. „Geplant war, den gesamten Innenring vom Güterverkehr zu befreien und ihn um Berlin herum zu leiten“.

Materialfluss geriet ins Stocken

Bestandteil des GAR war eine zweigleisige Verbindungsstrecke zwischen Dresdener Bahn und Anhalter Bahn. Die Trasse führte von Zossen über Groß Schulzendorf nach Großbeeren. Diese Strecke hätte aus Richtung Dresden kommende Güterzüge auf kürzestem Weg zum Rangierbahnhof Großbeeren geleitet.

Wann genau der Bau der Verbindungsstrecke ZossenGroßbeeren begann, ist nicht bekannt. Eigentlich sollte sie am 1. Oktober 1940 zeitgleich mit dem Rangierbahnhof Großbeeren in Betrieb gehen. Aber weil kriegsbedingt nicht genügend Material zur Verfügung stand, gerieten die Arbeiten ins Stocken. So kam es, dass auf dieser Trasse nie Gleise verlegt wurden. Spätestens ab 1942 ruhten die Arbeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden beispielsweise nur an einigen Stellen wie in Dabendorf Dämme aufgeschüttet.

Erdverfärbungen und Stahlklammer

„Hier hat man wohl angefangen zu bauen, ist aber nicht über den Bahndamm hinaus gekommen“, sagt Ulrich Wiegmann. Der Archäologe zieht seine Schlussfolgerungen aus zwei Entdeckungen. Einerseits handelt es sich dabei um Erdverfärbungen, die ein rund fünf Meter breites Teilstück der Bahntrasse markieren. Andererseits kam eine Stahlklammer zum Vorschein, mit der wahrscheinlich Gleise für die Schmalspur-Bauzüge befestigt waren. „Wir haben hier weder Gleise noch Schotter der eigentlichen Bahnstrecke gefunden.“

Mit einer Bahnstrecke, die nie fertig geworden sei, beschäftige sich seine Behörde eher nicht, so Thomas Kersting. Eine Entdeckung wie in Dabendorf nehme man so nebenbei mit, sagt der Dezernatsleiter im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. Allerdings wurde der Bahndamm größtenteils von Zwangsarbeitern aufgeschüttet. Viele von ihnen waren in zwei Dabendorfer Kriegsgefangenenlagern interniert. „Wir behandeln die Standorte solcher Lager seit einigen Jahren als archäologische Punkte“, sagt Kersting. Diesbezüglich habe ihm der Dabendorfer Heimatforscher Detlef Polley eine Menge guter Informationen geliefert.

Heimatforscher Detlef Polley

„Ein Kriegsgefangenenlager lag an der Glienicker Straße“, so Polley. Dort eingepferchte sowjetische Gefangene seien zur Aufschüttung des Dammes der Bahnlinie eingesetzt worden. Der Damm begann am heutigen Gewerbegebiet am Bahnhof. Von dort aus verlief er hinter der Dorfaue, entlang des Torfstiches und östlich des Friedhofs in Richtung Verbindungsstraße Glienick-Dabendorf. Die Zwangsarbeiter bewegten das vom Glienicker Berg stammende Erdreich mit Kleinbahn-Loren. Ein französischer Kriegsgefangener war täglich damit beschäftigt, Boden und Untergrund des Bahndammes mit einer Diesel-Ramme zu verfestigen. Keine leichte Aufgabe. „Wegen des morastigen Untergrundes waren eines Morgens Schmalspurgleise und Loren verschwunden.“

Polley zufolge hätten Mitarbeiter der ehemaligen Zossener Meliorationsgenossenschaft „Hohe Bodenfruchtbarkeit“ in den 1970er Jahren eine größere Trinkwasserleitung in Richtung Dabendorf verlegt. Bei den Erdarbeiten am Bahnwall in Höhe des heutigen Douglas-Zentrallages sei ein Baggerfahrer auf ein menschliches Skelett gestoßen. „Ob es sich um einen zu Tode gekommenen Kriegsgefangenen handelte, wurde nie geklärt.“

Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2019. Detlef Polley, „Kriegsgefangenenlager in Dabendorf

Von Frank Pechhold

Konfetti-Schlacht im Zossener E-Werk: Die Mitglieder des Schöneicher Karnevalsvereins feiern mit ihren närrischen Anhängern.

03.02.2019

Der Bildhauer Michael M. Heyers schafft Konkrete Kunst. Seine Objekte und Installationen zeigt er derzeit in der Neuen Galerie in Wünsdorf.

03.02.2019

Mellensee ohne Fischerfest? Undenkbar! Und doch könnte es dazu kommen, dass die weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannte Veranstaltung 2019 ins Wasser fällt. Genau wie das Herbstfest der Vereine.

05.02.2019