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Zossen Archäologen entdecken 3.000 Jahre alten Bronzeschmuck
Lokales Teltow-Fläming Zossen Archäologen entdecken 3.000 Jahre alten Bronzeschmuck
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17:30 19.08.2019
Archäologe Michael Walter und seine Kollegen haben neben dem Bronzeschmuck noch einige weitere besondere Funde in Dabendorf gemacht. Quelle: Fabian Lamster
Dabendorf

 Vorsichtig holt Michael Walter den verpackten Bronzeschmuck aus einer grünen Dose, den der Archäologe mit seinen Arbeitskollegen auf dem Gelände des künftigen Parkplatzes der neuen Dabendorfer Gesamtschule gefunden hat.

Als er die beiden Armreifen in den Händen hält, die rund 3000 Jahre in Dabendorf unter der Erde lagen, strahlt der 52-Jährige. „Das ist wirklich ein besonderer Fund, weil er für diese Region untypisch ist“, sagt Michael Walter.

Archäologe ist vom Fund der Armreifen fasziniert: „Sie sind so massiv und kräftig verarbeitet. Auch die Ritzverzierungen sind toll." Quelle: Fabian Lamster

Denn eigentlich seien solche Steggruppenringe in Süddeutschland an der Grenze zur Schweiz gefertigt und getragen worden. Sie haben für große Freude im Archäologenteam gesorgt.

Und jede Menge Fragen hervorgerufen: Wie sind die Armringe nach Dabendorf gekommen? Wurden sie dort gehandelt? Gibt es einen rituellen Hintergrund? Warum wurden sie nicht eingeschmolzen, obwohl ein Metall wie Bronze ein wertvoller Rohstoff gewesen ist? „Durch diesen Fund müssen wir die archäologische Gesamtsituation vollkommen neu beurteilen“, sagt Michael Walter.

Was den Standort in Dabendorf zu etwas Besonderem macht

Sowieso hat der Standort des künftigen Parkplatzes an der Straße Zum Königsgraben die Archäologen überrascht: „Wir sind auf Kalköfen gestoßen, die vermutlich aus der Eisenzeit stammen. Dazu haben wir Gruben mit Keramik aus der Bronzezeit sowie aus einer slawischen Phase entdeckt – und alles durcheinander“, erzählt der gebürtige Niedersachse, der sich schon seit 2001 durch Brandenburg buddelt.

Bei ihren Arbeiten auf dem Gelände des künftigen Parkplatzes neben der Gesamtschule haben die Archäologen jede Menge Keramikteile entdeckt, die aus verschiedenen Zeiten stammen. Quelle: Fabian Lamster

Seit Anfang Juli beschäftigten ihn als Teil des Berliner Archäologieteams von Ulrich Wiegmann in Dabendorf die Arbeiten auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Areal, die am Montag ihr Ende gefunden haben.

Dann, wenn die Archäologen rund 800 Auffälligkeiten am Boden untersucht, skizziert und fotografiert haben. Diese kommen im Anschluss an die Arbeiten auf einem Plan zusammen, der den Archäologen dabei helfen soll, das Dabendorfer Durcheinander zu verstehen und zu interpretieren.

Was die Archäologen außerdem in Dabendorf entdeckt haben

Neben den Armreifen hat die Archäologen ebenso die Fülle an Keramik überrascht, die sie im Boden entdeckt haben. Teilweise hätten sie 30 bis 40 Kilogramm an Keramikteilen gefunden – aus unterschiedlichen Zeiten. Auch Porzellantassen und eine preußische Münze aus dem 18. Jahrhundert konnten sie zutage fördern.

Die Zeit in Dabendorf, in der die Archäologen unter anderem Teile einer alten NS-Bahntrasse, einen weiteren Armreif aus der Eisenzeit und einen trichterförmigen Tontopf freigelegt haben, haben die Berliner Archäologen überrascht: „Funde in diesem Ausmaß habe ich nicht erwartet. Wir haben so viel entdeckt. Und immer, wenn wir eine Frage beantwortet hatten, kam eine neue dazu.“

Am Montag nahmen die Berliner Archäologen die letzten Untersuchungen auf dem Bereich vor, auf dem künftig ein neues Parkplatz entstehen soll. Quelle: Fabian Lamster

Um Informationen über die gefundenen Armringe zu erhalten, hat sich Michael Walter zuhause belesen und sich mit Mitarbeitern des Archäologischen Landesmuseums in Wünsdorf ausgetauscht, die vom Fund genauso begeistert wie die Archäologen waren.

Was die Archäologen ab November nach Rangsdorf führt

Dorthin sollen sie zeitnah kommen, damit die Mitarbeiter sie von der Patina, dem grünlichen Edelrost sowie Sand befreien. „Wer weiß, was hier noch unter dem Boden schlummert, den wir nicht untersucht haben“, sagt Michael Walter.

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Auch, wenn die archäologischen Arbeiten für ihn und seine Kollegen am Montag enden, hat er den nächsten Einsatz schon im Sinn.

Im November geht es für die Archäologen nach Rangsdorf, um einen Bereich im Gewerbegebiet am Südring-Center zu untersuchen, der ausgebaut werden soll. „Dort haben wir Anfang des Jahres schon eisenzeitliche Urnengräber entdeckt. Dort werden bestimmt noch einige hinzukommen“, mutmaßt der 52-Jährige.

Michael Walter zeigt Schattierungen an einem ehemaligen Kalkofen, der vermutlich schon einige Tausend Jahre in Dabendorf unter der Erde liegt. Quelle: Fabian Lamster

Von Fabian Lamster

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