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00:23 18.04.2019
Die Dorfkirche in Diedersdorf. Quelle: Katja Reiser
Diedersdorf

Kommt man nach Diedersdorf, sollte man schon am Anfang des Ortes sein Auto auf den großen Parkplatz stellen. Denn im ganzen Dorf herrscht Parkverbot. Ein malerischer Fußweg führt durch das idyllische Örtchen bis in der Mitte auf dem historischen hügeligen Dorfanger die weiß getünchte Feldsteinkirche zu sehen ist.

20 bis 30 Hochzeiten pro Jahr

Das Diedersdorfer Gotteshaus ist mittlerweile zur Hochzeitskirche avanciert. Mit 20 bis 30 Paaren pro Jahr gibt es dort so viele Trauungen wie in kaum einer anderen Brandenburger Dorfkirche. Und das hat seinen Grund. Im angrenzenden Schloss werden Feste mit Hunderten Gästen gefeiert, und weil es so schön ist, bleiben viele auch gleich über Nacht.

Typisches Gutsdorf

Dorfgemeinschaftshaus, Museumsscheune, Schloss und Kirche zeugen von der Geschichte Diedersdorfs als typisches Gutsdorf. Schon im Jahr 1375 wird der Ort als „Dideriksdorf“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seit dem 14. Jahrhundert steht auch schon die Diedersdorfer Kirche an ihrem Platz und hat bis jetzt wahrlich viel erlebt.

Bereits um 1587 wird sie um einen knappen Meter aufgestockt und erhält im Inneren eine wertvolle Einrichtung. Die wird jedoch im Dreißigjährigen Krieg von kaiserliche Reitern geplündert. Die Gemeinde muss von vorn beginnen und ihre Kirche wieder herrichten.

Fenster ab 1654 neu eingebaut

Im Jahr 1654 beschließen die Diedersdorfer, dass mehr Licht in ihr Gotteshaus kommen soll und bauen korbbogige Fenster ein. In den Jahren von 1710 bis 1712 wird ein Turm angebaut. Er wird westlich in das Kirchenschiff eingebracht, sein Spitzhelm mit Zinkplatten gedeckt. Eine Windfahne, die es heute nicht mehr gibt, zeigt die Jahreszahl „1711“ sowie die Anfangsbuchstaben und das Wappen des Johann Sigismund v. d. Marwitz. Zur gleichen Zeit wird auch die Herrschaftslaube angebaut.

Besitzer war ab 1774 die Familie von Bademer

Ab 1774 ist die Familie von Bandemer Besitzerin des Dorfes. Im Jahr 1803 muss der Turm neu gedeckt, die Kirche abermals verputzt und eine neue Kirchhofmauer gebaut werden. 23 Jahre später kommt nach Plänen des Bauinspektors Schramm aus Berlin eine neue Turmspitze oben drauf.

Herrschaftslaube wird 1848 nach Westen erweitert

Die Herrschaftslaube, die unten zugleich als Gruft diente, wird im Jahr 1848 mit Backsteinen nach Westen hin erweitert. Im gleichen Jahr bekommt die Kirche eine Giebeldecke und wird vollständig neu eingerichtet. Die Decke ist heute in einer herrlich sanften grünen Farbe gestaltet. An der Holztür gen Westen ist sogar noch der alte Balkenverschluss erhalten. Pfarrer Karsten Weyer bekam beim ersten Mal die Tür nicht einmal auf, ehe er sah, dass die Balken bis tief in das Mauerwerk geschoben werden können. Damit haben sich die Bewohner in früheren Zeiten wahrscheinlich regelrecht vor Plünderern in ihrer Kirche verbarrikadiert.

Turmkugel 1897 vergoldet

Im Jahr 1897 wird als I-Tüpfelchen sogar die Turmkugel vergoldet. Bei der Inneneinrichtung kommt es noch göttlicher: Gutspächter Carl Liebmann stiftet 1901 einen großen Teppich für den Altarraum. Es werden violett samtene Behänge für Altar und Taufe angeschafft. Im gleichen Jahr kommen noch zwei neue Kronleuchter aus kirchlichen Mitteln hinzu. Zwei Jahre später gibt es ein neues Gestühl, links vom Altar – für die Pfarrfamilie. 1904 kommen dann sogar Dielen unter die Bänke, der Kirch- und Schulweg wird mit „erstklassigen Klinkersteinen“ belegt.

1934 wurde eine Mumie gefunden

Im Jahr 1934 herrscht Aufregung im Dorf. Die Berliner Illustrierte Nachtausgabe schreibt: „150 Jahre begraben und unverwest: Mumienfund bei Berlin“. Wochenlang sprechen die Leute vom Geheimnis der Mumifizierung. Was war geschehen? Im Grabgewölbe der früheren Gutsherren von Diedersdorf waren die Reste der 1790 beigesetzten Frau von Bandemer entdeckt worden. Sie war auf natürliche Weise mumifiziert.

Herrschaftslaube 1939 zugemauert

Daraufhin wird 1939 die Herrschaftslaube zum Kircheninneren hin zugemauert, in die ehemalige Gruft wird eine Warmluftheizung eingebaut. Die schlichten Särge der von Bandemers werden vor dem Ostgiebel der Kirche beigesetzt.

1975 wurde das Läuten verboten

Lange herrscht Ruhe um das schöne Gotteshaus bis im Jahr 1975 die staatliche Behörde plötzlich das Glockenläuten verbietet: wegen Einsturzgefahr des Turmes. Kurz darauf kommt es noch schlimmer. Die gesamte Dorfkirche Diedersdorf wird wegen Einsturzgefahr für jegliche Nutzung baupolizeilich gesperrt. Sie soll durch den Gemeindekirchenrat zur Ruine erklärt werden. Doch die Kirchengemeinde widersetzt sich und nimmt eine vier Jahre dauernde große Kirchenrestauration in Angriff.

Instandsetzung bis 1980

Die Dorfkirche Diedersdorf, an der viele Generationen mehr als 600 Jahre gebaut, restauriert, Kraft, Zeit und Geld verwendet haben, wird nicht zur Ruine erklärt, sondern als Gotteshaus für die Gemeinde Jesu Christi als „familia dei“ und als Wahrzeichen für das Dorf wieder instandgesetzt. Als erstes wird der Turm durch eine Stahl-Betonkonstruktion gesichert. Bis zum Jahr 1980 wird dann gebaut, saniert, das Dach neu gedeckt, der Außenputz komplett erneuert, die Fenster bleiverglast, die Elektroinstallation erneuert, die Empore verkürzt und rekonstruiert. Es gibt eine elektrische Läuteanlage für das Dreiglockengeläut, das Kirchengestühl wird völlig neu eingebaut, der Altarraum mit alter Kanzel neu hergerichtet.

30 Prozent der Sanierungskosten trugen die Diedersdorfer

Rund 30 Prozent der Kosten für die Kirchensanierung kamen von Diedersdorfern selbst – eine riesige Eigenleistung. Am 19. Oktober 1980 konnte die Dorfkirche Diedersdorf nach fünf Jahren Bauzeit mit einem festlichen Gottesdienst wieder öffnen. Und heute? „Pro Jahr haben wir übrigens rund 1400 Gottesdienst-Besucher. Das ist eine recht ordentliche Zahl, wie ich finde“, sagt Pfarrer Karsten Weyer.

Kreuz aus Balken der Blankenfelder Kirche

Hinter dem transportablen Altartisch hängt heute ein großes Holzkreuz. Es besteht aus Balken der im Jahr 1987 ausgebrannten benachbarten Blankenfelder Dorfkirche.

In den Jahren von 1999 bis 2000 gab es abermals Rekonstruktionen. Seitdem ist die Kirche gut in Schuss. Der alte Kirchhof gehört nun der Gemeinde. Er ist liebevoll gepflegt. Noch immer zieren ihn alte geborgene und restaurierte gusseiserne Grabkreuze aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

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