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Zossen Familie Strey kämpft für den kleinen Rocco
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01:15 28.01.2019
Familie Strey mit Sohn Rocco (2. v.l.) in ihrem Wohnzimmer in Zossen. Quelle: privat
Zossen

Rocco spielt gerne mit seinen kleinen bunten Autos. Am liebsten sortiert er sie der Reihe nach auf dem Fußboden. Manche Autos machen Geräusche, wenn er auf einen Knopf drückt, dann tönt ein „Tatü-tata“ aus seinem Kinderzimmer und Rocco freut sich. Aber er kann seine Freude nicht richtig zeigen, denn Rocco ist Autist. Obwohl er schon neun Jahre alt ist, spricht er kaum.

Seit 2017 geht Rocco, der in Zossen wohnt, auf eine Förderschule. Das war ein sehr großer Schritt, denn der Kontakt mit fremden Menschen bedeutet Stress für ihn. Er braucht einen Betreuer, der sich die ganze Zeit um ihn kümmert, weil er auf dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes ist. Im Frühjahr 2018 gab es einen Vorfall in der Schule. Bis heute kämpfen Rocco und seine Eltern mit den Folgen von damals.

Rocco (9) aus Zossen ist Autist und schwerbehindert. Er geht in Michendorf auf eine Sonderschule. Quelle: Jonas Nayda

Weil Rocco sich immer viel bewegen möchte, auch wenn er still sitzen soll, habe ihn eine Erzieherin festgehalten, Rocco schrie und wehrte sich, er wollte einfach nur weg, aber es ging nicht. So beschreibt es seine Mutter Jessica Strey, die in diesem Moment zur Tür hinein gekommen war und den Vorfall beobachtet hatte. Sie wollte ihren Sohn abholen, wie jeden Mittag. „Ich dachte, ich guck’ nicht richtig“, sagt sie. Für sie war sofort klar: Rocco muss von der Schule runter.

Janina Kolkmann, Leiterin des Staatlichen Schulamtes Brandenburg an der Havel bestätigt, dass es einen negativen Vorfall gegeben hat, das Amt ließ den Fall prüfen. Zudem gab es mehrere klärende Gespräche mit Familie Strey. Übergangsweise kam Rocco auf eine Förderschule in Michendorf. Den weiten Weg fährt jetzt jeden Tag ein Fahrdienst.

Inzwischen fühlt sich Rocco wohl in Michendorf. Er hat sich an seine Mitschüler gewöhnt und bekommt die persönliche Betreuung, die er braucht. Auch seine Eltern sind sehr zufrieden. Aber die Zeit der Übergangslösung neigt sich dem Ende entgegen.

Familie Strey hat Post vom Schulamt bekommen, im Sommer soll der Junge auf eine andere Schule ins 50 Kilometer entfernte Jüterbog wechseln. Was schon für die meisten normalen Kinder problematisch ist, bedeutet für Rocco eine Katastrophe. „Wieder neue Menschen, wieder ein unbekannter Ort und noch längere Fahrtzeiten, das alles ist schrecklich für ihn“, sagt seine Mutter. Sie möchte unbedingt verhindern, dass ihr Sohn zum dritten Mal in drei Jahren die Schule wechseln muss. Sie befürchtet, dass er in dem neuen Umfeld sehr leiden würde: „Es hat so lange gedauert, bis er wieder von sich aus isst oder trinkt. Wir möchten nicht, dass diese Entwicklung wieder rückgängig gemacht wird“.

Roccos Entwicklung ist auf dem Stand eines Kleinkindes. Quelle: privat

Aber so einfach ist das nicht. Der Platz an der Schule in Michendorf sei nun einmal nur als Übergangslösung vorgesehen gewesen. „Das wussten die Eltern von Anfang an“, sagt Schulamtsleiterin Janina Kolkmann auf MAZ-Nachfrage. Sie ist verwundert über die Reaktion der Mutter. Laut Kolkmann stehe in Michendorf ab Sommer 2019 kein Platz mehr für Rocco zur Verfügung. Die Eltern könnten sich entscheiden, ob sie die Schule in Jüterbog nehmen, oder ihren Sohn zurück auf die erste Schule schicken, an der es den unschönen Vorfall gegeben hatte.

Jessica Strey ist verzweifelt. Wochenlang hatte sie E-Mails geschickt, herumtelefoniert und Formulare ausgefüllt. Sie hatte sogar angeboten, täglich selbst bis nach Michendorf zu pendeln, damit der Fahrdienst entlastet wird. Aber es half nichts, die Entscheidung scheint unumstößlich. „Ich bin mit meiner Kraft beinahe am Ende“, sagt die Mutter.

Eine letzte Hoffnung wäre die Förderschule im nahe gelegenen Mittenwalde. Dort kennt Rocco sogar einige Klassenkameraden aus Kita-Zeiten. Doch für Mittenwalde ist ein anderes Schulamt zuständig und die Schule signalisierte bereits, dass sie auch keinen freien Platz mehr hat. Jessica Strey möchte nicht aufgeben, doch so langsam gehen ihr die Ideen aus. In ihrer Not hat sie auf Facebook einen Hilferuf veröffentlicht. Sie hofft, dass genug Menschen auf ihren Fall aufmerksam werden und sie so etwas bewegen kann.

Schulamtsleiterin Kolkmann kündigte an, die Schulplätze in Michendorf genau im Blick zu behalten. „Man kann die Kapazitäten nie lange im Voraus planen“, sagt sie. Sobald sich an der Situation etwas ändert, will sie sich bei Familie Strey melden.

Von Jonas Nayda

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