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Zossen Ortsbeirat diskutiert über Nacktbaden
Lokales Teltow-Fläming Zossen Ortsbeirat diskutiert über Nacktbaden
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00:22 21.02.2019
Zaun oder hüfthohe Hecke? Wie trennt man Bereiche für bekleidete und nackte Badefreunde ab? Quelle: Foto
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Wünsdorf

Nackt baden im Strandbad Wünsdorf. Darüber wurde kürzlich im Ortsbeirat Wünsdorf diskutiert.

Ortsvorsteher Rolf Freiherr von Lützow (VUB) sprach sich wie schon im Ausschuss für Recht, Ordnung und Sicherheit erneut gegen hüllenlosen Badespaß aus. Der soll laut der neuen Benutzerordnung in allen drei öffentlichen Strandbädern im Zossener Stadtgebiet erlaubt sein. Geplant ist, in den Strandbädern Kallinchen, Zesch am See und Wünsdorf rund ein Fünftel der Fläche für Freikörperkultur (FKK) vorzusehen und mit hüfthohen Hecken abzutrennen.

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Neuhof und Pferdeschwämme betrachten  

„Dafür ist unser Strandbad viel zu klein“, so von Lützow. Und die hüfthohen Hecken könne man sich sparen. „Der Textilbereich wird immer kleiner“, pflichtete ihm eine Wünsdorferin bei. Erst sei der umstrittene Caravan-Stellplatz gebaut worden. Nun wolle man 20 Prozent der Fläche für FKK abzweigen. Zudem habe sie Angst vor Menschen aus der Erstaufnahmestelle, die ebenfalls auf der Wiese sitzen. „Da traue ich mich nicht so richtig ran. Das geht mir bei Gruppen junger Deutscher genauso.“

Warum eigentlich betrachte die Stadt nur die Strandbäder in Kallinchen, Zesch am See und Wünsdorf auf ihre FFK-Tauglichkeit hin? warf Konrad Tschorn (parteilos) ein. Tschorn zufolge sollte man auch die Badestellen in Neuhof und an der so genannten Wünsdorfer Pferdeschwämme in Betracht ziehen. FKK im Strandbad Wünsdorf könne er sich einerseits seit dem Bau des Caravan-Stellplatzes aus Platzgründen nicht mehr vorstellen. Andererseits kenne er drei ältere Damen, die in der Saison jeden Morgen früh um sieben Uhr nackt baden. Denen wolle er dieses Vergnügen nicht rauben.

Kaulen: „Ostdeutsches Kulturgut“

„Für mich kommt FKK gar nicht infrage“, sagte Barbara Kaulen (Plan B). Allerdings solle jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Gerade hier in der Region, wo FKK seinen Siegeszug angetreten habe.

Mit dem am 23. April 1921 gegründeten Verein AKK „Birkenheide“ hat die älteste Gemeinschaft für Freikörperkultur in Deutschland ihren Sitz in Kallinchen am Motzener See. Eine acht Meter hohe Binnendüne ist noch heute das Herz des Geländes. Das malerische, rund 13 Hektar große märkische Kleinod war das erste deutsche FKK-Gelände an einem öffentlichem See. „FKK ist also ein Stück ostdeutsches Kulturgut“, so Barbara Kaulen. Für sie sei diese Art von Freizügigkeit zwar nichts. „Aber ich bin so tolerant, dass ich es ertrage“. Kaulen zufolge müsse man den FKK-Bereich nicht mit einer Hecke kenntlich machen. Schilder wie auf Sylt mit dem Hinweis „Ab hier textilfrei“ täten es auch.

Zurawski: „Strikt dagegen“

  „Ich bin strikt gegen einen FKK-Bereich im Strandbad Wünsdorf“, sagte Rainer Zurawski (CDU). Früher habe er selber jedoch FKK gemacht. Deshalb habe er durchaus Verständnis für die Liebhaber des Nacktbadens. „Wer nackt baden will, der soll nach Kallinchen fahren“.

Von Frank Pechhold