Kriminalität in Teltow-Fläming 2019 auf niedrigem Niveau - Aufklärungsquote oft zu niedrig
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Zossen Statistik: TF ist sicherer als andere Landkreise
Lokales Teltow-Fläming Zossen Statistik: TF ist sicherer als andere Landkreise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 27.03.2020
Ein SEK- Einsatz sorgte im Juni 2019 für Aufsehen in Jüterbog. Ein Mann soll seine Ex-Freundin mit Stich- und Schusswaffen bedroht haben.
Ein SEK- Einsatz sorgte im Juni 2019 für Aufsehen in Jüterbog. Ein Mann soll seine Ex-Freundin mit Stich- und Schusswaffen bedroht haben. Quelle: Hartmut F. Reck
Anzeige
Luckenwalde

In Teltow-Fläming wurden 2019 statistisch gesehen weniger Straftaten begangen als in vielen anderen Landkreisen in Brandenburg. Das zeigen die Zahlen der neuen Kriminalitätsstatistik aus der hiesigen Polizeiinspektion. Demnach wurden mit 10.605 Straftaten insgesamt zwar ein wenig mehr Fälle verzeichnet als im Vorjahr. Die Kriminalitätshäufigkeit – also die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner – ist aber gesunken und liegt nun bei einem Wert von 6301.

Solweig Bohn ist die Leiterin der Polizeiinspektion Teltow-Fläming. Quelle: Victoria Barnack

„Besonders zufrieden sind wir, dass die Zahl der Gewaltstraftaten im Trend zurückgeht“, sagt Solweig Bohn, die Leiterin der Inspektion Teltow-Fläming. 308 Fälle, zu denen unter anderem Vergewaltigung, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub und Tötungsdelikte gehören, wurden in Teltow-Fläming 2019 begangen. Im Vorjahr waren es noch 381 gewesen.

Weniger Gewalt als früher

Positiv wirkt sich laut Bohn inzwischen aus, dass viele Flüchtlinge nicht mehr in Massenunterkünften leben müssen. Das Gewaltgeschehen habe sich mit ihrer Integration deutlich reduziert. Einen traurig hohen Wert hat allerdings der Bereich „Mord und Totschlag“ erreicht.

Zehn Straftaten wurden 2019 erfasst. 2018 waren es nur drei gewesen. „Hier werden auch die Versuche mitgezählt“, sagt Bohn, „und die Zahl der deutschen Tatverdächtigen ist nicht zu unterschätzen.“

Auf diesem Supermarktparkplatz in Jüterbog gab es 2019 eine schwere Messerattacke. Quelle: Isabelle Richter

Sorge bereitet der Polizei in Teltow-Fläming der Bereich der Einbrüche – und das schon seit vielen Jahren. 372 Mal wurden besonders schwere Fälle von Diebstählen im Landkreis erfasst, weil in Wohnungen eingebrochen und Geld oder wertvolle Gegenstände geklaut wurden.

„Das ist insgesamt ein Anstieg um knapp 110 Fälle“, berichtet die Inspektionsleiterin. „Der Schwerpunkt liegt seit langem im sogenannten Berliner Speckgürtel.“

Anonyme Nachbarschaft macht den Norden für Diebe attraktiv

Für Diebe ist der Norden von TF aus zweierlei Gründen besonders attraktiv: Einerseits stehen viele neu gebaute Häuser in Wohngebieten noch leer. Andererseits achten auch dort, wo die Häuser schon bezogen sind die Nachbarn noch nicht so sehr aufeinander wie im ländlichen Süden.

„Die Anonymität haben viele Berliner noch nicht abgelegt“, erklärt Solweig Bohn, „es dauert eine Weile, bis die Nachbarschaft zusammenfindet.“

Zahlen und Fakten

4135 Tatverdächtige konnte die Polizei 2019 ermitteln.

78 Prozent aller Tatverdächtigen sind Männer.

82 Prozent der Tatverdächtigen sind Erwachsene.

Jugendliche (14 bis 17 Jahre) machen 7,7 Prozent der Tatverdächtigen aus; Heranwachsende (18 bis 20 Jahre) 7,2 Prozent.

133 Kinder wurden als Tatverdächtige ermittelt. Weil sie jünger als 14 Jahre sind, gelten sie als nicht schuldfähig.

Die Polizei hat deshalb die Präsenz ihrer „Luna-Streifen“ erhöht. Ein romantischer Name für eine Aktion, mit der die Polizeidirektion West der Wohnungs- und Einbruchskriminalität Herr werden will. Verstärkt durch Kripo in Zivil und Experten der Prävention will man lichtscheuen Elementen die dunkle Jahreszeit nicht kampflos überlassen. Mit dem aufgehenden Mond sollen mehr Polizisten in den Wohngebieten unterwegs sein.

Einbrüche: Nur wenige Taten aufgeklärt

Wenig zufrieden ist die Polizei auch mit der Aufklärungsquote in diesem Bereich. Von allen Diebstählen konnte nur knapp jede fünfte Tat geklärt werden. Bei den Wohnungseinbrüchen liegt die Quote sogar noch niedriger. Den schlechtesten Wert gibt es bei den Fahrraddiebstählen. Hier kann nur eine von 20 Taten aufgeklärt werden. Sie treten gehäuft an Bahnhöfen auf, heißt es aus der Polizeiinspektion.

Kriminalitätsstatistik Teltow-Fläming 2019 Quelle: Detlev Scheerbarth

„Die Aufklärungsquote schwankt stark“, erläutert Solweig Bohn. Der Erfolg würde maßgeblich von den vorhandenen Spuren abhängen. Wird tagsüber eingebrochen, ist die Chance beispielsweise deutlich höher, dass sich ein Nachbar ein Kennzeichen gemerkt hat oder noch Fingerabdrücke vorhanden sind. „Mit solchen Spuren können wir dann oft ganze Tatserien einem Täter oder einer Gruppe zuordnen“, so Bohn.

Corona hat spürbaren Effekt

Übrigens: Auch die Coronakrise spürt die Polizei in Teltow-Fläming aktuell ganz deutlich, „Das Kriminalitätsaufkommen ist rapide gesunken“, sagt die Leiterin der Inspektion.

Mehr zum Coronavirus in Teltow-Fläming

Amtsarzt über Quarantäne: Gesundheits-Tagebuch ist Pflicht

Coronavirus auf dem Vormarsch im Süden von TF

Luckenwalde: Jugendliche wollen sich auf Corona testen lassen – zum Spaß

Wegen Corona: Solidarität am Jüterboger Mittagstisch

Dorfläden bieten jetzt auch Lieferservice an

Händler in TF starten Online-Plattform

Wie TF mit Hochzeiten und Todesfällen während der Coronakrise umgeht

Von Victoria Barnack

27.03.2020
26.03.2020