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Zossen Neuhofer klagen über Schäden nach B-96 Brückenbau
Lokales Teltow-Fläming Zossen Neuhofer klagen über Schäden nach B-96 Brückenbau
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00:23 18.04.2019
Die Neuhoferin Sylke Glimpel wirft der Bahn vor, gegen Baupläne verstoßen zu haben. Quelle: Jonas Nayda
Neuhof

Die große neue Brücke der B96 über die Bahnschienen bei Neuhof ist zwar fertig, aber immer noch nicht abgenommen. Das heißt, die Baufirma und die Deutsche Bahn als Bauherr tragen nach wie vor die Verantwortung für Schäden, die eventuell wegen der Bauarbeiten in der Nachbarschaft entstanden sind. Und dass tatsächlich Schäden entstanden sind, bestreitet niemand, nicht mal die Bahn selbst.

Sylke Glimpel, die mit ihrem Mann direkt neben den Schienen wohnt, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bahn. Inzwischen versuche man sie mit einer Zermübungs-Taktik hin zu halten und ihnen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. „Die Bahn sitzt natürlich am längeren Hebel“, sagt sie.

Fugen verzogen, Fenster undicht

„Jahrelang ist alles heile geblieben und dann auf einmal ist alles kaputt.“ Seit 2007 wohnen die Glimpels in ihrem Haus in Neuhof. Seit den Bauarbeiten ist nichts mehr wie es mal war. Das ganze Haus habe gelitten, sagt Sylke Glimpel. Fugen hätten sich verzogen, die Fenster wurden undicht und unter manchen Fliesen bildeten sich Hohlräume im Fußboden.

Die Bauarbeiter hätten zwischen 2016 und 2018 mehrfach gegen Vereinbarungen verstoßen und zum Beispiel die Lärmschutzwand der B96 zu weit auf ihr Grundstück gebaut, ohne vorher Bescheid zu sagen. Seit zwei Jahren ist außerdem der Schornstein in Glimpels Haus stillgelegt, weil Risse in den Wänden gefunden wurden. Das seien Folgen der Bauarbeiten, die mit einer großen Vibrationswalze zu dicht am Haus stattgefunden hatten, sagt die Neuhoferin.

Bahn kommuniziert über Anwälte

Am meisten ärgert Glimpel jedoch, wie die Bahn mit den Schäden umgeht. „Wir sind betroffen, aber man ignoriert uns quasi“, sagt sie. Jetzt, wo die Bauarbeiten beendet sind, hätte die Bahn ihr Ziel schließlich erreicht und würde sich nicht mehr kümmern. Die Kommunikation mit der Bahn läuft inzwischen nur noch über einen Anwalt. Das habe die Bahn so verlangt, sagt Glimpel. Allerdings kostet ein Anwalt Geld, das die Bahn nur zahlt, wenn die Glimpels einen eventuellen Gerichtsstreit gewinnen. „Das ist perfide, wie man mit uns umgeht“, sagt sie.

Anja Köpp ist ebenfalls Geschädigte der großen Bahn-Baustelle in Neuhof. Sie und ihre Familie mussten während der Arbeiten sogar für mehrere Monate umziehen, damit die Bauarbeiten planmäßig ausgeführt werden konnten. Doch nach dem vereinbarten Plan hat sich die Bahn offenbar auch bei Familie Köpp nicht gehalten.

Erdwall auf Grundstück

Nachdem die Baustelle geräumt war, musste Köpp feststellen, dass auf einmal 48 Quadratmeter ihres Grundstücks überbaut worden waren. Der Erdwall, der die B96 abstützt, reicht bis kurz vor die Familiengarage. Eigentlich hätten dort viele Meter Abstand sein sollen. „Da waren wir erstmal baff. Das war so überhaupt nicht abgesprochen gewesen“, sagt sie.

Der Erdwall reicht viel zu nah an die Garage heran. Quelle: Jonas Nayda

Die Bahn hatte daraufhin angeboten, die 48 Quadratmeter im Nachhinein zu kaufen – zu einem niedrigen Preis. Doch das lehnte Köpp ab. „Man kann doch nicht einfach ein Grundstück überbauen, das einem nicht gehört und hinterher will man es dann für einen Preis kaufen, als ob es kein Bauland wäre“, sagt sie. Laut Köpp habe man ihr inzwischen mit Enteignung gedroht.

Knappes Statement der Bahn

Die Deutsche Bahn hält sich auf MAZ-Nachfrage sehr zurück mit einer Stellungnahme. Man kommuniziere „sachlich fundiert“ und „im Rahmen der rechtlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten des Projektes“ direkt mit den betroffenen Familien. Es bestehe auch seitens des Vorhabenträgers ein Interesse, Schäden noch in diesem Jahr zu regulieren, sagt ein Bahn-Sprecher aus Berlin. Bisher sei der Sachverhalt noch nicht eindeutig geklärt.

Im Klartext heißt das für die Familien Glimpel und Köpp: Sie müssen mit Rissen in den Wänden, zugebauten Grundstücksteilen und einer unsicheren Zukunft leben. Wenn die beiden geschädigten Familien eigenständig Handwerker engagieren, die alles reparieren, würde die Bahn vermutlich gar nichts zahlen, sagt Sylke Glimpel. Ob die Bahn jemals alle Schäden in vollem Umfang bezahlt, ist fraglich. „Wir werden weiter kämpfen, denn Neuhof ist unsere Heimat. Hier wollen wir nicht weg“, sagt sie.

Von Jonas Nayda

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