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Zossen Falladas „Trinker“ wird auf der Bühne lebendig
Lokales Teltow-Fläming Zossen Falladas „Trinker“ wird auf der Bühne lebendig
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18:36 27.10.2019
Jörg Hartmann während der Fallada-Lesung.  Quelle: Andrea von Fournier
Wünsdorf

Während im Fernsehen sein jüngster „Zielfahnder“-Krimi lief, saß Schauspieler Jörg Hartmann (50) aus Potsdam auf der Bühne des Wünsdorfer Bürgerhauses und zog im Saal über 100 Zuhörer bei der Fallada-Lesung in seinen Bann.

Die „Lange Nacht der Bibliotheken“ hatten die Mitarbeiter der Bibliotheken Zossen und Wünsdorf wie in den 15 Jahren zuvor langfristig mit Henrik Röder vom Brandenburgischen Literaturbüro innerhalb der Reihe „Textlandschaften Zossen-Wünsdorf“ geplant. So gelingt es immer wieder, bekannte und beliebte Autoren und Mimen hier herzuholen. Das überaus rege Interesse freute nicht nur Birgit Schenatzky, die bei der Organisation den Hut aufhatte. Die Mitarbeiterinnen Heike Köppen und Marina Simon hatten am Einlass kaum etwas anderes zu tun, als vorbestelle Karten auszugeben. „Die meisten Plätze waren längst reserviert“, erklärten sie. „Wir möchten uns einen schönen Abend machen und den bekannten Schauspieler mal live und anders erleben“, meinten zwei Freundinnen aus Blankenfelde und Rangsdorf vergnügt.

Zwischen Genie und Versagen

Nicht etwa, weil Hans Falladas Roman „Der Trinker“ gelesen wurde, sah man viele zum Wein greifen. Auch Peter Walther, Literaturhistoriker aus Berlin, der 2017 eine umfängliche Biografie über Hans Fallada (1893–1947) vorlegte, nahm bei der Einführung mit seinem Weinglas Bezug auf Fallada und dessen Roman. Spannend und pointiert porträtierte Peter Walther den deutschen Schriftsteller, der zu Unrecht lange in Vergessenheit geraten war und für die Symbiose aus Genie und Versagen steht: In einem von Drogen, Alkohol und Frauen dominierten Leben mit 26 Einweisungen in psychiatrischen Anstalten, Sanatorien und Entzugskliniken sowie vier Gefängnisaufenthalten fand er immer wieder zu seiner größten Sucht, dem Schreiben. „Das konnte er am besten über Themen, die ihm ganz nahe waren“, so Walther.

Fallada schreibt Buch binnen zwei Wochen

„Der Trinker“ entstand 1944 in gut zwei Wochen während einer Einweisung in der Strelitzer Landesanstalt. Intim autobiografisch, berührend, beschämend und stets dramatisch ist der Text. Jörg Hartmann, der erstmals Gast im Bürgerhaus war, las sorgsam ausgewählte Passagen. Das Publikum hing mucksmäuschenstill an seinen Lippen. Hartmann konnte sein schauspielerisches Talent bestens einbringen: Mit großer Bühnenpräsenz, wohlmoduliert bis stimmgewaltig, ließ er den immer trunkener werdenden Protagonisten des Buches hervorragend vor den Zuhörern entstehen. Großer Applaus, von Birgit Schenatzky, eine Flasche Wein und Gespräche sowie Buchsignierungen durch Peter Walther beschlossen die gelungene Bibliotheken-Nacht.

Von Andrea von Fournier

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