Schünow/Zossen: Fahrrad-Demo für Radwege nach Zossen
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Zossen Fahrrad-Demo für Radwege auf der B 246 nach Zossen
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Schünow/Zossen: Fahrrad-Demo für Radwege nach Zossen

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18:28 02.07.2021
Die Fahrrad-Demonstranten unter Polizeischutz auf der B 246 von Schünow nach Zossen; hier passiert der Tross den Bereich Wasserskianlage Horstfelde.
Die Fahrrad-Demonstranten unter Polizeischutz auf der B 246 von Schünow nach Zossen; hier passiert der Tross den Bereich Wasserskianlage Horstfelde. Quelle: Jutta Abromeit
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Schünow

Niemand empfing die rund 50 Schünower am Rathaus von Zossen, doch ob Alt oder Jung: Alle Teilnehmer waren froh, am Freitagnachmittag von Schünow nach Zossen mit einer Fahrrad-Demo sehr deutlich auf ihr Problem aufmerksam gemacht zu haben: In der Stadt Zossen und allen zwölf Ortsteilen fehlen Radwege, ob als Schulweg oder als Einkaufsweg, um Freunde und Bekannte umweltfreundlich zu besuchen oder um touristisch in der Region unterwegs zu sein.

Start an der Bushaltestelle in Schünow. Quelle: Jutta Abromeit

Dass die Kommune bis auf den Radweg unter der Eisenbahnbrücke Nottekanal oder an der B 86 in Wünsdorf so gut wie gar keine Fahrradwege hat, das stellten zwar auch die Stadtverordneten von Zossen seit Jahren beziehungsweise inzwischen seit Jahrzehnten immer wieder fest. Doch passiert ist bisher so gut wie nichts.

Grundschulkinder kommen kaum allein mit dem Rad zur Schule

Schulkinder, die in Schünow oder Horstfelde wohnen und in Zossen, Dabendorf oder Glienick zur Schule gehen, können kaum allein mit dem Fahrrad zur Schule fahren, kaum ein Elternteil bleibt innerlich ruhig, wenn die eigenen Sprösslinge ohne Radweg zwischen den Leitplanken der Bundesstraße 246 vorbeidonnernden Lastern ausgesetzt sind.

Ohne Polizeischutz ist es für Radfahrer gefährlich, an der B 246 zu fahren. Quelle: Jutta Abromeit

Lucia und Oskar zum Beispiel wohnen auch in Schünow, beide sind zehn Jahre alt. Auch sie radelten am Freitag mit bis zum Rathaus nach Zossen. Noch mit dem Helm auf dem Kopf erklärte Lucia für alle beide: „Wir sind mitgefahren, weil wir einen Radweg nach Glienick haben wollen. Da gehen wir zur Schule.“ Und ihre Oma Karin Mühlner ergänzt: „Auch für uns Ältere sind Radwege an den Ortsverbindungsstraßen enorm wichtig – der Sog der Lkws ist wirklich gefährlich.“

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Und Lkws gibt es in Zossen aus allen Richtungen genug, ob zu den eigenen Gewerbegebieten in Dabendorf, die Holzlaster auf dem Weg nach Baruth oder einfach nur der übliche Versorgungsverkehr zu Supermärkten. Ganz zu schweigen zum Umleitungsverkehr, wenn auf einer der Autobahntrassen A 9, A 10 oder A 13 wieder alles dicht ist und die Querverbindung über die Bundesstraßen 246 und 96 durch die Stadt Zossen und ihre Ortsteile führt.

Auch in Zossen selbst fehlen Radwege; hier passieren die Fahrrad-Demonstranten den Doppel-Bundesstraßen-Abschnitt B246/B96. Quelle: Jutta Abromeit

Für Regina Pankrath, die stellvertretende Ortsvorsteherin von Schünow, kommt gerade noch ein Argument mehr für den Bau von Radwegen dazu: „Einigen unserer Schulkinder im Ort, die in Dabendorf zur Gesamtschule gehen, hat der Landkreis jetzt die Schulbus-Bezahlung abgelehnt, sie würden zu nah an der Schule wohnen.“ Das mag vielleicht stimmen, meint sie, aber mit dem Rad könnte kein Elternteil das eigene Kind ruhigen Gewissens allein losschicken.

Ortsvorsteher Richard Buge erklärte beim Abschlussfoto auf den Rathaustreppen noch einmal: „Wir wollen keine Politik für oder gegen irgend wen machen, wir wollen einfach nur Radwege haben.“ Wir wollen einfach nur, dass unsere Kinder ohne Eltern zu ihren Freunden und Klassenkameraden in die Nachbarorte oder zum Baden nach Horstfelde kommen.“

Gleich am Ziel: Die Schünower biegen in Zossen in die Berliner Straße ein. Quelle: Jutta Abromeit

Für alle, die bei Sonnenschein, im Freitagnachmittags- und Autobahn-Umleitungsverkehr mitgestrampelt waren, spendierte der Ortsbeirat zwei Kugeln Eis. „Und an den Radwegen bleiben wir dran“, erklärte er beim Abschied gegenüber der MAZ. Schließlich stellten der Bund und das Land Brandenburg jetzt „etwa 430 Millionen Euro bereit, um Radwege und Straßen zu bauen und zu reparieren.

Seit mehr als 30 Jahren verspreche der Landkreis, dieses Problem zu beseitigen, so Buge. Und fügt hinzu: „Es ist an der Zeit, diese Radwege hier zu bauen. Und für uns ist es Zeit, Ausreden nicht mehr zu akzeptieren.“ Demnächst, verrät er, solle es eine Fahrrad-Sternfahrt von mehreren Zossener Ortsteilen geben.

Von Jutta Abromeit