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Zossen So verlief die Demo in Zossen
Lokales Teltow-Fläming Zossen So verlief die Demo in Zossen
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00:23 09.07.2019
Berliner zogen am Samstag für den Erhalt ihrer Kiezkneipe durch Zossen. Quelle: Josefine Sack
Zossen

Die Zossener staunten nicht schlecht, als die Berliner Kiezgemeinschaft „Leute für Meute“ ihre Ankündigung wahr machte: Zwischen 40 und 50 Berliner demonstrierten am Samstagnachmittag in Zossen, weil sie ihre Szene-Kneipe „Meuterei“ in der Reichenberger Straße in Kreuzberg nicht aufgeben wollen (die MAZ berichtete).

Der Eigentümer, die Firma Zelos Properties, hatte Ende Mai den Mietvertrag nicht verlängert. Nun droht der Kneipe die Zwangsräumung. Was Zossen damit zu tun hat? Zelos-Geschäftsführer Goran Nenadic hat seinen Firmensitz in Zossen. Offenbar hat er dutzende Immobilienunternehmen als Briefkastenfirmen in der Stadt angemeldet. Sie alle teilen sich dieselbe Postadresse in der Baruther Straße 23.

Weil der Eigentümer, die Zelos Properties, den Mietvertrag kündigte, droht der Kneipe die Zwangsräumung. Die Firma sitzt in Zossen – und teilt sich mit Dutzenden weiteren ein Briefkasten.

Steueroase: Zossen hat den niedrigsten Gewerbesteuersatz

„Es geht uns nicht darum, die Zossener anzugreifen. Wir wollen öffentlich Druck auf die Immobilienfirma ausüben“, sagte Marie W. vom Kneipen-Kollektiv. Unterstützt werden die Kreuzberger von der Neuköllner Kiezkneipe „Syndikat“, die zum Jahresbeginn das gleiche Schicksal ereilte, sowie vom Bündnis „Zwangsräumung verhindern“.

Unter den Demonstranten befanden sich unter anderem Anwohner des bereits geräumten Nachbarschaftsgartens „Da wo Edeka ma wa“. Auf der Brache in Berlin-Neukölln sollen an die 150 Mini-Luxusappartements gebaut werden. Der Eigentümer, die Nagel Grundinvest, hat seinen Sitz ebenfalls in Zossen.

Auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt verteilten die Demonstranten Info-Zettel an Passanten und Autofahrer. „Ich verstehe die Leute. Aber bringen wird es nichts“, sagte Tanja Nickel aus Zossen, die mit ihrer Familie zufällig in die Demo geriet. Um Unternehmen in die Stadt zu locken, erhebt Zossen mit gerade einmal 200 Prozent den niedrigsten gesetzlich zulässigen Gewerbesteuersatz. In Berlin sind es 410 Prozent.

Demo verlief friedlich

„Das ist doch stadtbekannt, alles Vetternwirtschaft“, kommentierte Nickel. Auch Christian Hinz äußerte Verständnis: „Diese Flut an Briefkästen, das ist doch alles Humbug. Auf kommunaler Ebene wird da nichts passieren“, sagte er. Die Polizeipräsenz am Rande der Demo kritisierte der Zossener als „total übertrieben“. Wenn in der Stadt die Rechtsextremen aufmarschierten, seien nicht einmal halb so viele Polizisten vor Ort.

Mehr als sechs Mannschaftswagen waren am Samstag im Einsatz. Ein Briefkasten wurde mit Farbe beschmiert. Ansonsten blieb die Demo friedlich. Der Zug führte vom Bahnhof über den Marktplatz in die Baruther Straße 23, wo die Demonstranten dem Investor Postkarten hinterließen.

Von Josefine Sack

Sie müssen die Schlüssel für ihre Berliner Kiezkneipe abgeben, weil sie den hohen Kaufpreis nicht zahlen können. In Zossen wollen sie dem Eigentümer jetzt ein Zeichen setzen und seinen Briefkasten anbrüllen.

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