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Zossen 16-Jähriger aus Telz schmiedet Messer für Fleischsommeliers
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16:16 15.07.2019
16-jähriger Telzer Tim Erik Ehmke schmiedet Messer, die Fleischsommeliers europaweit bestellen; sein angemeldeter Firmenname: "Tim Klinge" Quelle: Jutta Abromeit
Telz

Einer der berühmtesten Metzgermeister Deutschlands, Heiko Brath aus Karlsruhe, hat bei ihm gerade ein vierteiliges Messer-Set bestellt. Und natürlich bekommen. Warum der Erfinder des getrockneten Schweinefleischs „Alte Wutz“, der auch Promi-Köche wie Johann Lafer oder Roland Trettl beliefert, ausgerechnet von dem 16-jährigen Schüler aus Telz handgeschmiedete Schneidwerkzeuge haben wollte, das kann Tim Erik Ehmke nur vermuten: „Wahrscheinlich, weil solche Leute wissen, dass sowas nicht nur Handwerk, sondern auch ein Stückchen Kunst ist“, sagt der zurückhaltende junge Mann.

Der 16 Jahre alte Schüler Tim Erik Ehmke will Profi-Handballer werden. Und hat sein Hobby Messer zu schmieden bereits soweit perfektioniert, dass inzwischen Fleischsommeliers ein von ihm handgefertigtes Messer haben wollen.

Seine Firma nennt er „Tim Klinge“, als einer der jüngsten Gewerbetreibenden hat er sie im Rathaus Zossen angemeldet – Telz gehört zwar zu Mittenwalde, aber in Zossen ist die Gewerbesteuer niedriger. Tims Mutter arbeitet in einem Steuerbüro.

Dabei sind das Entwerfen, Schmieden und Schleifen von Messern lediglich sein Hobby. Sein Berufswunsch steht fest: Profi-Handballer. Nach den Ferien geht Tim Ehmke in die 12. Klasse der Eliteschule des deutschen Sports in Cottbus.

Wie fängt solch ein Hobby an? Der junge Mann lacht: „Schon immer habe ich mich für Historisches, für Ritter und Schwerter interessiert. Und irgendwann fand ich im Internet ein Video, wo jemand aus einem Spachtel und einem Besenstiel einen Speer gemacht hatte.“ Das war der Moment, als er sich dachte: Das kannst du auch.

Sägeblätter vom Schrott

Als Junge hatte er oft ein Schnitzmesser bei sich. Und er probierte, Metallstücke zu schleifen. „Papa hatte in der Scheune einen Schleifbock, da durfte ich auch ran“, erzählt er. Im Baumarkt kauft er sich Baustahl, werkelt und probiert. „Doch bis dahin war das alles Spielerei“, sagt er heute.

Viel interessanter waren da schon alte Sägeblätter vom Schrott. „Das ist Stahl mit einem bestimmten Kohlenstoff-Anteil, der ist härtbar. Solche Teile verbiegen sich dann auch nicht und brechen kaum“, erklärt er. Mit 14 fabrizierte er sein erstes richtiges Messer. Alte Stuhlbeine sind das Holz für Griffe.

Auf den Klingen graviert: die Namen

Manchmal kommt auch ein Beil raus, je nachdem, was er als Rohling in die Hand bekommt. Damit das mit dem Schmieden besser klappt, baut er sich aus einem alten Abflamm-Brenner und Stahlrohren eine Gas-Esse. Sein Vater drängt, eine Schutzbrille aufzusetzen; nach schmerzhafter Erfahrung macht er’s irgendwann von selbst. Auch Hörschutz setzt er sich inzwischen auf. „Und ich weiß, dass ich mir noch eine richtige Lederschürze zulegen muss“, sagt er.

Für sein erstes Messer, das er verkaufte, hatte ihm sein Freund, ein Werkzeugmacher, Werkzeugstahl mitgebracht. Daraus schmiedet er für einen Bekannten ein Barbecue-Messer. Auf der einen Seite der Klinge ist sein Firmenname graviert, auf der anderen der des Kunden. „Jedes Teil ist ja wirklich ein Unikat“, sagt er.

Und wickelt ein Damaszener-Messer aus dem Tuch, ein Stück, dessen Klinge wie aufwendig verziert aussieht. „Das sind die Schichten, aus dem es gemacht ist“, erzählt der Jungunternehmer; in diesem Fall sind es 192.

Seine Mutter Annett Ehmke ist stolz auf ihren Sohn. Zu seinem inzwischen geschäftlichen Hobby sagt sie: „Tim war schon immer anders als die meisten, er ist nie mit dem großen Strom geschwommen, sondern geht immer seinen eigenen Weg.“ Nun also der zur eigenen Firma.

Walnuss- und Pflaumenholz vereint im Griff

Und deren Produkte scheinen tatsächlich gefragt zu sein: Ein Südtiroler, der ein Grillmesser mit einer 21 Zentimeter langen Klinge bestellt hat, schickte ihm ein Stück Walnuss-Holz. Das sollte er als symbolische Vereinigung von Italien und Deutschland im Griff mit einem Stück Pflaumenholz verarbeiten. Doch das war nicht das Schwierigste an diesem Teil: Weil der Kunde auch noch Bierfachmann ist, wollte er den Griff als Flaschenöffner geformt haben. „Das war echt eine Herausforderung. Ich hatte das Teil zwischendurch schon hin geschmissen“, gesteht der junge Mann.

60 Stunden Arbeit für ein Messer

Doch nun liegt ein Schmuckstück mit durchgehendem Metallkern vor ihm und glänzt. Rund 60 Stunden Arbeit hat es gekostet. Und der Telzer gesteht: „Wenn sowas dann fertig ist, freut man sich natürlich.“

Wen die Arbeiten von „Tim Klinge“ interessieren, der findet sie auf Facebook. Oder er ist persönlich erreichbar unter der Handy-Nummer 0174/4780171.

Von Jutta Abromeit

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