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Zossen Attentat auf Hitler und Abzug der Russen
Lokales Teltow-Fläming Zossen Attentat auf Hitler und Abzug der Russen
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01:15 23.02.2019
Werner Borchert und Romy Ewald vor dem Denkmal „Zivilcourage“ in der Bücher- und  Bunkerstadt Wünsdorf.
Werner Borchert und Romy Ewald vor dem Denkmal „Zivilcourage“ in der Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf. Quelle: foto: frank Pechhold
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Wünsdorf

Ein begehbares Geschichtsbuch ist Wünsdorf. Über Höhepunkte im Veranstaltungsjahr 2019 geben Werner Borchert, Geschäftsführer der Bücherstadt-Tourismus GmbH, und Romy Ewald, Vorsitzende des Fördervereins „Freunde der Bücherstadt Wünsdorf“, Auskunft.

Welche Angebote ragen thematisch heraus?

Werner Borchert: Veranstaltungen zu drei bedeutsamen Ereignissen, die aus militärhistorischer Sicht zusammen hängen. 25 Jahre Abzug der russischen Truppen aus Deutschland, 75 Jahre Attentat auf Hitler und 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkrieges. Wobei wir Militärhistorie ohne Militarismus präsentieren.

Wie wollen Sie diesem Anspruch gerecht werden?

Borchert: Beispielsweise berichtet unser Chef-Historiker Hans-Albert Hoffmann am 30. August über die Situation beim Oberkommando des Deutschen Heeres zu Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. Geplant ist, dass anschließend Gymnasiasten aus dem „Blockadebuch Leningrad“ lesen. Für dieses Buch wurden Überlebende der von 1941 bis 1944 insgesamt 900 Tage andauernden Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht interviewt. Die Autoren Ales Adamowitsch und Daniil Granin haben Erinnerungen vieler Leningrader niedergeschrieben. Wer dieses Werk liest, der müsste eigentlich zu dem Schluss kommen, nie wieder Krieg! In diesem Sinne ist auch ein Beitrag der Wünsdorfer Friedensaktivistin Christa Senberg im Gespräch. Sie möchte gerne einen Ein-Mann-Bunker mit gehäkelten Friedenstauben verhüllen.

Womit wird an den Abzug der Russen erinnert?

Borchert: Mit einer öffentlichen Veranstaltung am 14. Juni im Bürgerhaus. Wir hoffen, damit einen klitzekleinen Beitrag zu leisten, um die deutsch-russischen Beziehungen wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Ex-Ministerpräsident Mathias Platzeck (SPD) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und der russische Botschafter Sergej J. Netschajew haben bereits ihr Kommen zugesagt.

Was wird geboten?

Borchert: Es gibt Reden, Musik und Videoeinspielungen von der Verabschiedung der Russen. Damals fand eine große Parade statt. Vor der Kamera sagten viele Wünsdorfer, wie sie über den Abzug der Russen denken.

Stichwort Hitler-Attentat.

Borchert: Da geht es um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer. Viele Männer des 20. Juli 1944 saßen hier in den Generalstabsbunkern. In den Bunkern wurden Befehle erteilt und weitergeleitet, die 50 Millionen Menschen das Leben gekostet haben.

Aber es gab auch Widerstand.

Borchert: Einer der Widerständler war General Erich Fellgiebel, Chef des Heeresnachrichtenwesens und der Nachrichtenverbindungen der Wehrmacht im Oberkommando. Er beteiligte sich maßgeblich an der Vorbereitung der „Operation Walküre“. Am Tag des Attentats sollte er das Führerhauptquartier in der Wolfsschanze von allen Nachrichtenverbindungen abschneiden. Fellgiebel wurde nach dem gescheiterten Attentat hingerichtet. Seine Enkelin Barbara Fellgiebel spricht am 18. Juli im „Bücherstall“ über ihren Großvater als Held und Hochverräter in einer Person.

 

Vom Krieg und seinen Folgen zur Kultur. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Ewald: Wir beginnen mit Kabarett. Heinz Klever von der „Leipziger Pfeffermühle“ gastiert am 10. März mit seinem Programm „Wer immer mit dem schlimmsten rechnet, hat meistens eine gute Zeit.“

Wann kommen Krimi-Freunde auf ihre Kosten?

Ewald: Am 7. April. Dann liest Strafverteidiger Bernd Hesse aus seinem neuen Kriminalroman „Wodka, Weiber, Wasserleiche“.

Von welcher Veranstaltungsidee mussten Sie sich verabschieden?

Ewald: Wir hätten gerne Ursula Karusseit noch einmal mit einer Lesung aus ihrem letzten Buch „Zugabe“ gehabt. Aber da kommen wir leider zu spät. Der Tod war schneller.

Von Frank Pechhold