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Uckermark Pannen-Schleuse Zaaren: Hafenbetreiber und Schiffsverleiher sind fassungslos
Lokales Uckermark Pannen-Schleuse Zaaren: Hafenbetreiber und Schiffsverleiher sind fassungslos
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08:41 16.07.2019
Unendliche Geschichte: Die Baustelle der Schleuse Zaaren. Quelle: Lisa Ducret/dpa
Templin

Hafenbetreiber und Charterboot-Unternehmen haben mit Unverständnis auf die Nachricht reagiert, dass die Schleuse Zaaren an der Oberen Havel-Wasserstraße in dieser Saison nicht mehr fertig wird. Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde hatte die abermalige Verzögerung mit massiven Problemen bei den Bauarbeiten begründet– die neu errichteten Betonwände waren um zwei Zentimeter abgesackt.

Die Schleuse, die eigentlich am 1. August wieder für den Verkehr freigegeben werden sollte, wird nun erst zum Saisonstart am 1. April 2020 fertig, der direkte Weg zwischen Berlin und der Mecklenburgischen Seenplatte bleibt blockiert. Skipper könnten zwar theoretisch einen 200 Kilometer langen Umweg über die Müritz-Elde-Wasserstraße und die Elbe fahren, aber der Fluss führt in diesem Abschnitt derzeit zu wenig Wasser.

„Wassserstraßenamt ist unfähig“

Ralph Weill, Verkaufsleiter des von der Sperrung betroffenen Yacht-Zentrums am Prerauer Stich, sagte der MAZ, er sei „stinksauer und fassungslos. Hier wird einem ganzen Landstrich fast wörtlich das Wasser abgegraben, weil eine Behörde nicht in der Lage ist, eine vernünftige Bauplanung und Bauüberwachung zu leisten.“

Zu den finanziellen Folgen erklärte Weill: „15 bis 20 Schiffe werden durch die Sperrung der Schleuse nicht wie geplant und gebucht zu uns ins Winterlager kommen können. Der Umsatzverlust dadurch beträgt circa 100.000 Euro. Wir haben hier in Zehdenick mehrere Millionen Euro investiert und sehen diese Investition und die zwölf Arbeitsplätze gefährdet.“

Weitere Einnahmeverluste drohten, weil einige Schiffseigner, die derzeit dauerhaft in der Marina liegen, überlegten das Revier zu wechseln. Zudem gebe es „endlose Diskussionen und nachträglichen Preisverhandlungen“ mit Chartergästen. Weills Fazit klingt bitter: Die Verantwortlichen in der Politik und in den Behörden hätten „bis heute nicht kapiert, welche Bedeutung der Wassertourismus in unserer Region hat.“

Einbußen und Imageschaden

Auch André Presch von der Marina im Ziegeleipark Mildenberg (15 Mitarbeiter , 100 Liegeplätze) schildert die Lage als dramatisch: „Die Buchungen sind gänzlich zum Erliegen gekommen; Kunden stornieren ihren Bootsurlaub, Mieter von Bootsliegeplätzen zahlen Ihre Mieten nicht, da sie unsere Häfen nicht erreichen können.“ Der Imageschaden für das Unternehmen und für die Region sei zwar noch nicht abschätzbar, „aber er wird erheblich sein und auch in den kommenden Jahren zu verminderten Erträgen führen.“

Caroline Boehnke, Geschäftsführerin der Spree Marine GmbH in Zehdenick, sagte: „Meine größte Befürchtung ist, dass aus diesem Desaster nicht gelernt wird.“ Das WSA Eberswalde schleuse im nationalen Vergleich die meisten Sportboote, werde aber dennoch personell kaputtgespart. „Auf Bundesebene ist bis heute nicht angekommen, dass das Wassergesetz von 1921 novelliert werden muss und die Nebenwasserstraßen einen bedeutenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt haben“, so Boehnke weiter.

Außer Betrieb: Hinweisschild an der Schleuse Zaaren Quelle: Thorsten Keller

Während der Bund die sogenannten Bundeswasserstraßen in Ordnung halten und deren Schiffbarkeit garantieren muss, ist er dazu auf den „Nebenwasserstraßen“, auf denen keine Berufsschiffer unterwegs sind, nicht verpflichtet. Als Bundeswasserstraße gilt ein Fluss oder Kanal, auf dem „allgemeiner Verkehr“ stattfindet, womit Gütertransporte mit einer entsprechenden Tonnage gemeint sind.

In einer normalen Saison (Mai bis September) passieren etwa 10.000 Yachten und Hausboote die Schleuse Zaaren. Die Route Richtung Süden ist für Freizeitkapitäne weniger attraktiv, weil der größte Teil dieser Gewässer nur mit Sportbootführerschein befahren werden darf.

Schon im April hatte sich die Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg bei den zwei Dutzend betroffenen Unternehmen in der Region umgehört, welche Verluste sie infolge der Schleusensperrung erwarten. Der vermutete Schaden seinerzeit: 2,13 Millionen Euro, vorausgesetzt, dass die Sanierung bis zum 1. August vollendet ist.

Von Thorsten Keller

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