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Ende der Verbrenner rückt näher

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12:31 09.07.2021
Aktuell verabschieden sich viele Hersteller vom Verbrennerkonzept und setzen auf E-Autos, deren Strom zum Beispiel aus Windenergieanlagen kommen kann.
Aktuell verabschieden sich viele Hersteller vom Verbrennerkonzept und setzen auf E-Autos, deren Strom zum Beispiel aus Windenergieanlagen kommen kann. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
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Ingolstadt/München

Das waren zwei Ankündigungen mit einer gehörigen Sprengkraft: Audi hat Ende Juni ein konkretes Datum für den Abschied vom Verbrenner genannt, und das Mutterhaus VW hat wenige Tage später nachgezogen. Da musste auch dem Letzten klar werden, dass die Zeit der Benziner und Diesel unweigerlich zu Ende geht.

"2025 werden wir das letzte neue Modell mit Verbrennermotor auf den Markt bringen", brachte Audi-Vorstandschef Markus Duesmann den Stein ins Rollen. Danach wollen die Bayern nur noch rein elektrische Autos präsentieren und den letzten Verbrenner je nach Marktlage bis spätestens 2033 auslaufen lassen. Wenig später hat sich VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" ebenfalls festgelegt: Man wolle in Europa zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aussteigen.

Auch Opel ist Anfang Juli mit einem konkreten Datum nachgezogen. "Opel wird auf dem Kernmarkt Europa ab 2028 ausschließlich Elektrofahrzeuge anbieten", teilte Opel-Chef Michael Lohscheller mit. Als rein elektrische Marke will man darüber hinaus in Zukunft auch wieder in China antreten. Zudem hat Lohscheller auch die Rückkehr des legendären Manta bis Mitte des Jahrzehnts angekündigt - als E-Auto.

Fiat, Honda, Jaguar: Ausstiegspläne überall

General Motors als einer der größten Hersteller der Welt will ab 2035 keine Pkw mehr mit lokalen Emissionen verkaufen. Jüngst hat auch Fiat für die Jahre 2025 bis 2030 die schrittweise Umstellung auf ein rein elektrisches Portfolio beschlossen. Honda will ab 2040 keine Verbrenner mehr anbieten - auch keine Hybriden, so das Unternehmen.

Bei Volvo beginnt das rein elektrische Zeitalter laut Hersteller 2030. Bei Jaguar soll der Abschied fünf Jahre früher starten. "Ab 2025 fahren alle unsere Autos rein elektrisch", sagte Firmenchef Thierry Bolloré im Frühjahr. Er hat jetzt gegenüber englischen Medien konkretisiert, dass aus der aktuellen Palette nur der I-Pace eine Zukunft habe. Alle anderen SUVs, der Sportwagen F-Type und die Limousinen vom XE bis zum XJ würden eingestellt und durch neue Konzepte ersetzt. Smart indes hat bereits vor zwei Jahren den Verbrenner ins Museum gestellt und fährt seitdem nur noch elektrisch.

Was aber heißt Abschied vom Verbrenner genau?

Bei all diesen Ausstiegsankündigungen lohnt ein Blick ins Kleingedruckte: Denn oft ist der Abschied weder endgültig, noch ist er allumfassend. Audi zum Beispiel will etwa in China für China auch über 2025 hinaus noch Verbrenner entwickeln und produzieren. Und auch VW will sich im Ausland mehr Zeit lassen: In den USA und China wird der Ausstieg etwas später erfolgen, ist dem Interview von Vertriebsvorstand Zellmer zu entnehmen. Und auch in Südamerika und Afrika werde es noch "ein gutes Stück länger" dauern.

Auch Porsche will nach eigenen Angaben zumindest bei der Sportwagen-Ikone 911 so lange wie irgend möglich am Verbrenner festhalten. Nicht zuletzt deswegen beteiligt sich der Hersteller an der Entwicklung sogenannter E-Fuels. Synthetisch hergestellt, können sie in konventionellen Motoren CO2-neutral verbrannt werden und den Benziner so in die Verlängerung retten.

Manche setzten auf diverse Technologien

Johann Kistler, Projektleiter des elektrischen BMW-Hoffnungsträgers iX, schwört auf die Technologie-Offenheit und eine lange Laufzeit von Benzinern und Dieseln: "Selbst wenn wir in ein paar Jahren 50 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge verkaufen sollten, bleiben 50 Prozent an Kunden, die wir mit den Stromern nicht erreichen", sagte der Ingenieur bei einer Besichtigung des Werks in Dingolfing. Dort laufen mit iX, 5er, 7er und 8er vom Diesel über den V8 und Plug-in-Hybrid bis hin zum E-Motor alle Antriebsvarianten flexibel über ein Band. "Das ist die clevere Antwort auf die Fragen dieser Zeit", so Kistler und erteilt kategorischen Ausstiegsszenarien eine Absage.

Albert Biermann will auch nicht allein an den Akku-Antrieb glauben, obwohl er als Entwicklungsvorstand von Hyundai und Kia eines der ambitioniertesten Elektrifizierungsprogramme verantwortet. Dass er trotz mehrerer Dutzend neuer E-Autos auch im Pkw alternativ zur Batterie an der Brennstoffzelle festhält, begründet er vor allem mit Zweifeln an der Infrastruktur: "Wir werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren nie und nimmer genügend Ladesäulen in den einzelnen Ländern haben, um all die jetzt angekündigten Elektroautos ohne nennenswerte Wartezeiten mit Strom zu versorgen".

© dpa-infocom, dpa:210705-99-267242/3

dpa