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Berlin Diese märkischen Orte sind bei Zuzüglern am beliebtesten
Nachrichten Berlin Diese märkischen Orte sind bei Zuzüglern am beliebtesten
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19:29 26.08.2019
Immer mehr Berliner Familien zieht es nach Brandenburg. Im Bild: der Burgsee am Naturschutzgebiet „Lietzener Mühlental“. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam/Berlin

Immer mehr Berliner – insbesondere Familien – ziehen nach Brandenburg. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag in Potsdam mitteilte, hat die Abwanderung aus der Großstadt ins Umland sich erneut beschleunigt. 2018 habe der sogenannte Wanderungsverlust Berlins gegenüber Brandenburg bei 15.900 Personen gelegen – insgesamt sind also drei Viertel aller Neu-Brandenburger Ex-Berliner.

In den Vorjahren waren noch 13.900 (2017) und 11.400 (2016) mehr Berliner nach Brandenburg gezogen. Allerdings sind laut Statistikamt die neuesten Zahlen immer noch vom bisherigen Rekordjahr 1998 entfernt. Damals hatten 28.500 mehr Berliner die Hauptstadt gen Brandenburg verlassen.

Berliner Familien ziehen nach Brandenburg

Dass binnen eines Jahres 21.100 Menschen ihren Wohnsitz in die Mark verlegten, kommentiert der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Jens Graf, so: „Jedes Jahr zieht praktisch die Bevölkerung einer Kleinstadt nach Brandenburg – das ist eine gute Nachricht für ein Land, das jahrelang schlechtgeredet worden ist.“

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Die Wanderungswelle bringe große Herausforderungen mit sich: Angesichts der hohen Zahl von Kindern müssten 200 Schulklassen im Jahr eröffnet werden, so Graf. Die Verantwortlichen in den Gemeinden hätten aber viel dafür getan, dass „Brandenburg für Berliner attraktiv wird“, sagt Graf. Das Statistikamt geht davon aus, dass fast 10.000 der Zuzügler Familien mit Kindern sind.

Einzelne Gemeinden wachsen rasant: So hat Schönefeld (Dahme-Spreewald) von März 2017 bis März 2019 rund 900 Einwohner hinzu gewonnen und hat nun 15.560 Einwohner. Die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Dahme-Spreewald und Oberhavel legten im selben Zeitpunkt um jeweils 3000 Einwohner zu, Potsdams Einwohnerzahl schnellte von 172.300 auf 178.600 in die Höhe.

Bernau wächst am schnellsten

Bernau (Barnim) ist mit 600 neuen Einwohnern pro Jahr eine der am schnellsten wachsenden Speckgürtelgemeinden. Bürgermeister André Stahl (Linke) fordert mehr Unterstützung seitens der Landesregierung. „Ich hoffe, dass unsere Landesregierung ihr Lausitz-zentriertes Weltbild ablegt – im Speckgürtel wohnt die Hälfte der Brandenburger und ein großer Teil der Steuereinnahmen kommt aus dem Umland“, sagt Stahl und ergänzt:

„Die Umgehungsstraßen bei Cottbus sind dreispurig, während die Bernauer auf einer Straße nach Berlin fahren müssen, die so breit ist wie zur Wendezeit“, so der Linken-Politiker. Die S-Bahn fahre immer noch im 20- statt im dringend benötigten 10-Minuten-Takt, sagt Stahl. Dabei hat Bernau mittlerweile 39.000 Einwohner. Binnen vier Jahren hat die Kommune drei neue Kitas eröffnet.

„Der RE1 gleicht einem Viehtransporter“

In Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) sieht es ähnlich aus. Die Stadt gewinnt pro Jahr 400 Einwohner hinzu, aber der Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur komme nicht hinterher, sagt der Erste Beigeordnete Christian Große (CDU).

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„Der RE1 gleicht mittlerweile einem Viehtransporter“, sagt Große. Eine Taktverdichtung auf Brandenburgs am stärksten frequentierter Pendler-Bahnstrecke sei aber erst für 2021/2022 avisiert. Eine zentrale Landesstraße durch den Ortskern sei seit den 90er-Jahren nicht saniert worden. „Wir im Berliner Umland haben Wachstumsschmerzen“, sagt Große. „Aber wir bekommen immer zu hören, wir hätten nur Luxusprobleme“, sagt der Beigeordnete.

Einer der früheren Hotspots der Expanison im Umland, Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark), wächst seit Jahren nicht mehr. Bürgermeister Michael Grubert (SPD) dazu: „Wir sind einfach dicht – es gibt praktisch keine Flächen mehr.“ Von Brandenburgs kreisfreien Städten kann neben Potsdam nur noch Brandenburg/Havel einen Bevölkerungszuwachs vermelden – um 400 Personen auf 72.300 Einwohner. Cottbus (100.025) und Frankfurt (Oder, 57.800) verlieren leicht.

Berlin wächst weniger

Unterdessen nimmt der gesamte Wanderungsgewinn Berlins weiter ab. Zwar ziehen insgesamt immer noch mehr Menschen in die Hauptstadt als weg. Aber der Saldo wird kleiner. Im Jahr 2018 zogen 29.400 Menschen mehr nach Berlin als fortzogen. 2017 waren es noch 33.500 mehr Zuzügler.

Der Höchststand habe 2016 mit einem statistischen Wanderungsgewinn Berlins bei 54.148 Menschen gelegen. Grund sei die damals starke Zuwanderung aus dem Ausland vor allem von Flüchtlingen und Asylsuchenden gewesen, erklärte das Landesamt für Statistik.

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Von Ulrich Wangemann