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Berlin Warum der Trödelmarkt am Mauerpark Kultstatus genießt
Nachrichten Berlin Warum der Trödelmarkt am Mauerpark Kultstatus genießt
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00:25 26.06.2019
„Nach Antiquitäten und Raritäten zu suchen, ist so etwas wie ein Hobby von mir“, sagt Flohmarkt-Besucherin Mariah Barone, die aus Brasilien kommt. Quelle: Jerome Lombard
Berlin

„Wenn ich auf einem Flohmarkt bin, begebe ich mich auf Schatzsuche“, sagt Mariah Barone. Die 25-Jährige mit den langen schwarzen Haaren steht vor einer der in Dreierreihen aufgestellten Wühlkisten auf dem Flohmarkt im Mauerpark in Berlin. In den Kartons befinden sich, wüst durcheinander gewürfelt, Gegenstände aus Haushaltsauflösungen. Teller aus imitierter Bunzlauer Keramik liegen hier zusammen mit Bestecksets aus den 60er Jahren und CDs von Peter Alexander. „Ich habe hier schon tolle Sachen wie Espressotassen oder Taschenspiegel gefunden“, sagt sie.

Auch an diesem Tag ist Mariah Barone schon fündig geworden: Sie hat einen kleinen schwarz-weißen Terrier aus Porzellan englischer Manufaktur aufgestöbert, den sie ihrer Mutter mitbringen möchte. „Meine Mama ist verrückt nach solchen Porzellanhunden, vor allem, wenn sie aus Europa stammen“, sagt sie mit einem Lächeln.

„Auf keinem anderen Flohmarkt habe ich eine so große Auswahl“

Mariah Barone kommt aus Brasilien. Seit anderthalb Jahren lebt sie in Hamburg und studiert dort Marken- und Kommunikationsforschung. Nach Berlin kommt Barone regelmäßig, um Freunde zu besuchen. Wann immer es sich bei ihren Berlin-Aufenthalten ergibt, darf ein Flohmarktbesuch nicht fehlen. „Nach Antiquitäten und Raritäten zu suchen, ist so etwas wie ein Hobby von mir“, sagt sie. Auch in ihrer Heimatstadt São Paulo ist sie schon immer gerne auf Flohmärkte gegangen. In Berlin gefällt ihr der Trödel am Mauerpark mit Abstand am besten. „Auf keinem anderen Flohmarkt habe ich eine so große Auswahl“, sagt Barone. „Im Mauerpark finde ich alten Krimskrams, hochwertige Antiquitäten, Secondhand- Kleidung, aber auch neue handgemachte Designstücke wie Schmuck und andere Accessoires.“ Zudem gefalle ihr der alternative und internationale Charme auf dem Flohmarkt. „Leute von überall auf der Welt kommen hier her.“

Tatsächlich hat sich der Flohmarkt im Mauerpark zwischen den Bezirken Wedding und Prenzlauer Berg an der Grenze des alten West- und Ostberlin in den vergangenen Jahren zu einem der größten und beliebtesten Flohmärkte in Berlin entwickelt, der jeden Sonntag von 10 bis 18 Uhr Hunderte von Touristen und Berliner anzieht.

Die 400 bis 500 Händler warten mit einem riesigen Sammelsurium aus Trödel, Antikem, selbst gemachten Schmuck, alten Möbeln, Designartikeln und Spielzeug auf. Food-Trucks mit Snacks aus aller Welt sorgen für das leibliche Wohl der Besucher. „Die vielfältige Mischung des Angebots macht den Erfolg des Mauerparks aus“, sagt Florian Krück.

Hohe Standmieten für Händler

Der gebürtige Berliner ist seit über zehn Jahren als Anbieter von Secondhand-Artikeln auf den Flohmärkten der Hauptstadt unterwegs. Auch auf dem Mauerpark hatte er mehrmals seinen Stand aufgebaut. „Der Gang über den Flohmarkt im Mauerpark, der wie ein Wochenmarkt aufgebaut ist, ist ein echtes Erlebnis“, sagt Krück. Nirgendwo sonst könne man mit allen Sinnen nach Trödel und Ausgefallenem aller Art stöbern. Für ihn als Händler ist der Flohmarkt im Mauerpark hingegen weniger attraktiv, wie er sagt. „Die Standmiete mit zuletzt 50 Euro im Monat ist sehr hoch und als kleinerer Trödler hat man es schwer, sich gegen das Angebot der großen Haushaltsauflöser zu behaupten“, sagt Krück. Er habe sich inzwischen auf den Verkauf seiner Artikel über das Internet und in seinem Laden in Wedding fokussiert.

Suche nach Raritäten als „Kick“

Fotograf Sven Peter kann sich über seinen Schnitt auf dem Flohmarkt im Mauerpark nicht beschweren. „Ich stehe hier bei Wind und Wetter und verkaufe an einem Sonntag so viel, wie ich in meiner Verkaufsstelle häufig nicht mal in einer Woche verkaufe“, sagt Peter. Der Fotograf hat seit zehn Jahren einen Stand auf dem Flohmarkt, an dem er Fotos und dekorative Bildcollagen mit urbanen Berlin-Ansichten anbietet. „Dank der zentralen Lage kommen viele Touristen auf den Markt“, sagt Peter. „Die nehmen sich gerne ein Foto mit nach Hause.“

Neben dem Verkauf auf dem Flohmarkt im Mauerpark bietet Fotograf Peter seine Bilder in seinem Laden in Prenzlauer Berg und über seine Website im Internet an. Auch auf einem anderen Berliner Trödelmarkt zu verkaufen, kommt ihm nicht in den Sinn. „Das Ambiente auf dem Flohmarkt im Mauerpark ist in gewisser Weise einzigartig.“

Trödelmarkt-Besucherin Mariah Barone kann dem nur zustimmen. An einem Berlin-Foto hat die Brasilianerin aber kein Interesse. „Das kann ich auch an anderen Orten in der Stadt bekommen.“ Für sie - wie für viele andere Besucher des Flohmarkts im Mauerpark - ist die Suche nach alten Raritäten der wahre Kick.

Die fünf schönsten Flohmärkte in Berlin

Trödelmarkt und Kunst- und Kunsthandwerkermarkt Straße des 17. Juni: Der 1973 gegründete Flohmarkt in Tiergarten ist der älteste der Hauptstadt. Hier finden Besucher jedes Wochenende neben Haushaltsutensilien eine breite Auswahl an historischen Bücher sowie hochwertiges Kunsthandwerk.

Flohmarkt am Arkonaplatz: Unweit des Mauerparks findet man auf dem deutlich kleineren Flohmarkt am Arkonaplatz neben klassischen Trödel-Ständen auch viele Anbieter von DDR-Vintage Artikeln.

Flohmarkt an der Museumsinsel: Mitten im Zentrum vor dem Bode-Museum findet jeden Samstag und Sonntag der Flohmarkt statt. Beliebt ist der Markt aufgrund seiner Fülle von alten Büchern bei bibliophilen Stöber-Freunden.

Flohmarkt am Rathaus Schöneberg: Vor dem historischen Rathaus bieten Trödler jedes Wochenende eine breite Auswahl von Krimskrams und Second-Hand Kleidung an.

Flohmarkt am Maybachufer: Der sogenannte „Nowkoelln Flowmarkt“ am Maybachufer bietet von Frühling bis Herbst jeden zweiten Sonntag im Monat ein großes Händler-Angebot.

Von Jerome Lombard

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