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Berlin SUV-Prozess mit vier Toten nähert sich dem Ende – Streit um Patientenakte
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Berlin: SUV-Prozess mit vier Toten - Zweifel an Patientenakte

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15:12 12.01.2022
Figuren, die die Opfer darstellen, liegen bei der Mahnwache zum Jahrestag des SUV-Unfalls in der Invalidenstraße am Boden.
Figuren, die die Opfer darstellen, liegen bei der Mahnwache zum Jahrestag des SUV-Unfalls in der Invalidenstraße am Boden. Quelle: Fabian Sommer
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Berlin

Im Prozess um einen SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin hat die Verteidigung Zweifel an Angaben eines Arztes geäußert. Der Mediziner, bei dem der Angeklagte damals in der Hauptstadt in Behandlung war, habe die Patientenakte des 44-Jährigen nachträglich mit einer angeblichen Risiko- und Sicherheitsaufklärung ergänzt, erklärte ein Anwalt am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte wegen einer strukturellen Epilepsie und einer Gehirnoperation, die nur einen Monat zurücklag, nicht am Steuer des schweren Wagens hätte sitzen dürfen.

Grund für Unfall sei epileptischer Anfall gewesen

Am 6. September 2019 war das Auto über die Gegenfahrbahn hinweg von der Invalidenstraße in der Berliner Innenstadt abgekommen. Der Fahrer soll wegen eines epileptischen Anfalls das Gaspedal durchgedrückt haben. Der Wagen überschlug sich mehrfach und tötete vier Menschen auf dem Gehweg. Unter den Opfern waren ein dreijähriger Junge und seine Großmutter.

Zweimonatige Beweisaufnahme

Eine Nebenklageanwältin verlas am inzwischen 17. Verhandlungstag eine Erklärung der Mutter des getöteten Jungen, die in derselben Sekunde auch ihre 64-jährige Mutter verloren hatte. Der Unfall geschah vor den Augen der 38-jährigen Frau und eines Bruders des kleinen Jungen. „Wir sind jetzt alle krank“, verlas die Anwältin der Mutter. Der Schmerz sei übermächtig. Die 38-Jährige nahm bislang nicht persönlich an der Verhandlung teil.

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Nach mehr als zweimonatiger Beweisaufnahme nähert sich der Prozess seinem Ende. Zentral ist die Frage, ob ein epileptischer Anfall für den Angeklagten vorhersehbar war. Der 44-jährige Unternehmer hatte zu Prozessbeginn erklärt, für ihn habe es keine Anhaltspunkte gegeben, dass er nochmals einen Anfall erleiden könnte. Er sei sicher gewesen, dass mit einer Hirn-OP die Ursache für seinen ersten und bis zum tragischen Unfall einzigen epileptischen Anfall, den er im Mai 2019 erlitten habe, restlos beseitigt worden sei. Der Prozess soll am 19. Januar fortgesetzt werden.

Von RND/dpa