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15:17 04.04.2019
Türsteher Sven Marquardt im Film „Berlin Bouncer". Quelle: farbfilm verleih/dpa
Berlin

Ob die Tasche echt ist? Ja, hehe, sagt Sven Marquardt. Die sei ein Geschenk zum 50. Geburtstag gewesen. „Ich wollte einmal mit Gesichtstätowierung und Louis-Vuitton-Tasche verreisen.“ Marquardt ist die gefürchtete Türsteher-Legende der Berliner Clubs. Er bewacht das Berghain im Bezirk Friedrichshain. Mit seinen silbernen Haaren, Piercings und Tattoos ist er ein Stück Popkultur geworden, es gibt ihn sogar als Matroschka-Püppchen aus Holz.

Der 57-Jährige ist einer der Protagonisten in der Kino-Doku „Berlin Bouncer“, die drei Türsteher porträtiert und bei der Berlinale Premiere feierte. Es geht um das Nachtleben heute und damals nach dem Mauerfall, als bei Techno Ost und West zusammenwuchsen.

In Jobs in der Clubszene rutscht man oft rein

Leute, die in den Neunzigerjahren dabei waren, sprechen mit leuchtenden Augen von den Kellerclubs und der Anarchie dieser Zeit. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist Berlins Nachtleben längst Teil der Tourismuswerbung, die Veteranen der Clubszene sind im Lesebrillen-Alter. Der Regisseur David Dietl (40), Sohn des Filmemachers Helmut Dietl, lernte mit 21 den sagenumwobenen Club Cookies kennen und traf so auch zwei der drei Türsteher des Films, Frank Künster und Smiley Baldwin. Marquardt, der auch als Fotograf arbeitet, kennt in Berlin ohnehin jeder, eine logische Wahl.

Für Dietl ist es „ein Film über Berliner Nächte und die Geschichte der Clubkultur, aber auch über das Leben und seine Unwägbarkeiten“. Man könnte sagen: Es ist auch ein freundlicher Film über das Älterwerden von drei Männern, die keinen klassischen Lebensentwurf haben – mit einem clubtauglichen Soundtrack.

Sven Marquardt stellte 2015 im Potsdamer Kunstraum in der Schiffbauergasse Porträtfotos aus. Quelle: Detlev Scheerbarth

In Jobs in der Clubszene rutscht man oft rein. Frank Künster ist so ein Fall. Eigentlich wollte er 1989 BWL studieren, der Mauerfall kam dazwischen. Der Film zeigt ihn bei Küsschen an der Tür der Kingsize-Bar in der Friedrichstraße, die 2015 schließen musste, oder beim Fotoshooting mit nackten Models: Er genießt das alles, so wie er sich in seiner Wohnung ein zentimeterdick bestrichenes Nutella-Brot macht. „Ich bin ein Exzess-Bewacher“, sagt Künster über seinen Job. Smiley Baldwin kam als US-Soldat nach West-Berlin. Seine Philosophie an der Tür: „Man malt jeden Abend ein Bild“.

Sven Marquardt fotografierte für die Modezeitschrift Sybille

Türsteher sehen sich gern als Aufpasser und Kuratoren. Sven Marquardt, der im Film respektvoll gesiezt wird, ist eine Künstlertype. Er entdeckte noch zu Ost-Zeiten die Kamera für sich, arbeitete für die Modezeitschrift Sybille und ist heute auch ein bekannter Fotograf mit gutem Blick für Außenseiter. Nach dem Mauerfall ging es ihm wie vielen in der Clubszene: Das Wochenende wurde vor lauter Party immer länger, dann blieben nur noch zwei Tage zum Schlafen, bevor das Wochenende schon wieder anfing.

Marquardt geht auf die 60 zu, aber fährt immer noch gerne in die Nacht. Er hat eine Vorstellung, wie es ihm als Türsteher im Jenseits ergehen könnte: „Wenn ich mal das Zeitliche segne, dann komme ich bestimmt in so eine Hieronymus-Bosch-Zwischenhölle, wo ich immer irgendwo klopfe und die sagen: ,Nee, du nicht.’“

Von Caroline Bock

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