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Berlin So umgehen Berliner Unternehmen die Mietpreisbremse
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09:43 07.10.2019
Ein sogenannter Community Raum in einem neugebauten Wohnquartier des WG-Anbieters Medici Living. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Berlin

Sie werden als hipp und modern beworben, sind für viele aber doch unbezahlbar: sogenannte Co-Living-Spaces – ein Wohntrend in Berlin – bieten nicht nur WG-Charme, sondern auch einen Hauch von Hotelkomfort.

Co-Living-Spaces sind möblierte WG-Zimmer, die von Unternehmen zu hohen Pauschalpreisen vermietet werden, die teilweise deutlich über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ein zehn bis 15 Quadratmeter großes Zimmer des WG-Anbieters Medici Living in Berlin-Moabit kostet beispielsweise zwischen 550 und 770 Euro – mit Schreibtisch, Bett, Kommode und Tisch.

Wohngemeinschaften mit schicken Gemeinschaftsräumen

Der 2012 gegründete WG-Anbieter ist spezialisiert auf Co-Living-Spaces. Ähnlich wie in einem Hotel reicht ein Koffer für den Einzug. Unter der Marke „Quarters“ konzentriert sich Medici Living seit einigen Jahren auf moderne und neugebaute Premium-Wohngemeinschaften in exponierten Großstadtlagen mit schicken Gemeinschaftsräumen, manche sogar mit Fitnessstudio, Kino und Dachterrasse. In 13 Städten weltweit ist das Unternehmen aktiv, darunter auch deutsche Städte wie München, Stuttgart, Hamburg und Frankfurt.

Ein Bett in einem möblierten WG-Zimmer von Medici Living. Quelle: Christophe Gateau/dpa

2019 eröffnete das Unternehmen zwei Quartiere in den Berliner Stadtteilen Moabit und Friedrichshain. Letzteres beinhaltet sogar eine Bar und einen Coworking-Space. Auch Wettbewerber wie Happy Pigeons, Homefully und Caasa haben das lukrative Geschäft mit den möblierten Zimmern für sich entdeckt.

Senatsverwaltung will die Entwicklung beobachten

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sieht bisher keinen Einfluss von Co-Living-Spaces auf den Berliner Wohnungsmarkt. „Allerdings werden wir die Entwicklung von Co-Living-Spaces beobachten“, sagte eine Sprecherin. Denn auch wenn die Problematik von den Berliner Bezirksämtern bisher überwiegend „noch eher gering“ eingeschätzt werde, seien die „notgedrungen akzeptierten Miethöhen für die einzelnen möblierten Zimmer und für die Mitnutzung der Gemeinschaftsräume durchaus bedenklich“.

Der Deutsche Mieterbund sieht in Co-Living allenfalls ein Angebot für Vermögende: „Die Mehrheit der Bevölkerung ist an einer solchen Wohnform nicht interessiert und kann sie nicht bezahlen“, sagt Sprecherin Jutta Hartmann.

Community Raum mit Ausblick: Das Angebot richtet sich vor allem an junge Berufstätige. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Angebot richtet sich vor allem an junge Berufstätige

Björn Welter von Medici Living verteidigt das Konzept. Gleichgesinnte junge Menschen, die neu in einer Stadt seien, könnten in Co-Living-Spaces schnell in Kontakt kommen. Die Idee sei, dass die Hausbewohner sich nicht nur zufällig am Briefkasten begegnen, sondern von Anfang an eine Gemeinschaft bilden. Das Angebot richte sich vor allem an junge Berufstätige. Wenn die Bewohner untereinander vernetzt seien, könnten diese auch voneinander lernen, sagt Welter.

Egal, ob Reinigung der Gemeinschaftsräume, Reparaturarbeiten, Internet oder TV – der Anbieter kümmert sich um fast alles. Auf Papierkram wie Einkommensnachweise, Mietschuldenfreiheit und Schufa-Auskunft verzichtet das Unternehmen. Für eine „maximale Vereinfachung aller Formalitäten“, wie es heißt.

Juristisches Detail ermöglicht Umgehen der Mietpreisbremse

Dass die Zimmer verhältnismäßig klein sind, ist laut Welter beabsichtigt. Dadurch trage das Unternehmen sogar zu einer Entspannung des Wohnungsmarktes bei: „Das Tolle bei Co-Living ist eigentlich, dass wir den Wohnraum verdichten“, sagt er.

Aber wie kann ein 15-Quadratmeter-Zimmer trotz Mietpreisbremse 720 Euro kosten? Ein juristisches Detail macht es möglich: Die im Mietspiegel angegebene ortsübliche Vergleichsmiete ist nämlich irrelevant, wenn die Wohnung möbliert vermietet wird. Zudem sei rechtlich nicht eindeutig geregelt, wie viel Zuschlag der Vermieter für die Ausstattung der Zimmer verlangen dürfe, sagt Hartmann vom Mieterbund. Die Service- und Anschaffungsgebühren allein seien jedenfalls keine ausreichende Erklärung für die horrenden Mieten. „So viele Services, um die aufgerufenen Preise zu rechtfertigen, können die Unternehmen gar nicht anbieten.“

Kritiker sehen das Angebot kritisch

Auch Kurt Jotter vom Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn sieht das Geschäft mit den Luxus-Kabuffs kritisch. „Es kann nicht angehen, dass man durch ein paar Möbel plötzlich das Vierfache aus einer Wohnung rausholen kann“, sagt er.

Medici Living sieht das naturgemäß anders. Für die Zielgruppe der jungen Berufstätigen sei der angebotene Wohnraum „erschwinglich“ und „flächeneffizient“. Dass die Wohnungen möbliert seien, sei nur ein Zufall, sagt Welter. Das eigentliche Kernprodukt sei die Gemeinschaft.

Von Taylan Gökalp

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