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Berlin Berliner Restaurants müssen ab Sonntag geschlossen bleiben
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18:24 21.03.2020
21.03.2020, Berlin: Die Tische von einem Café am Gendarmenmarkt sind wegen des Coronavirus komplett leer. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen hat die Bundesregierung das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Berlin

Ab Sonntag gelten in Berlin noch weitergehende Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Veranstaltungen, Versammlungen und Ansammlungen mit mehr als zehn Personen dürfe es nicht mehr geben, teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Samstagnachmittag mit. Das habe der Senat beschlossen. Gaststätten dürfen keine Gäste mehr platzieren, sondern können Speisen und Getränke nur noch zum Mitnehmen oder Ausliefern anbieten. Noch härtere Schritte würden am Sonntag mit Bund und Ländern diskutiert und auch mit Brandenburg abgestimmt, erklärte Müller.

Auch in Potsdam gelten ab Sonntag schärfere Maßnahmen. Demnach dürfen Restaurants und Cafés im Freien keine Sitzplätze mehr anbieten und für Pflegeeinrichtungen gilt ein generelles Besuchsverbot.

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Berliner CDU für Ausgangssperre

Die Berliner CDU schlug am Samstag wegen der Ausbreitung des Coronavirus eine sofortige Ausgangssperre für 21 Tage für die Hauptstadt vor. Zu den Ideen der Oppositionspartei gehören auch Bundeswehreinsätze im Inneren, unter anderem zur Überwachung so einer Sperre. Müller hatte am Freitag angekündigt, Ausgangssperren möglichst vermeiden zu wollen, auch aus Sorge vor den sozialen Folgen.

Die bisherigen Ausnahmen für Berliner Parlamente, Gerichte und andere staatliche Einrichtungen gelten weiter. Das gelte auch für die Versorgung, Gesundheitsfürsorge und Wirtschaftsunternehmen. Für Versammlungen könnten in wichtigen Fällen Ausnahmen zugelassen werden, hieß es. Kontakte zu anderen Menschen, abgesehen von Angehörigen, sollten aus Schutz vor Ansteckung weiterhin auf ein absolut nötiges Minimum reduziert bleiben, betonte Müller.

Der Berliner Senat will Eltern mit Berufen bei der Feuerwehr, in der Pflege und im Einzelhandel ab sofort den Zugang zur Notbetreuung für ihre Kinder erleichtern. Künftig reiche es aus, wenn ein Elternteil in einem dieser Berufe arbeite, teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mit. Bislang wurde vorausgesetzt, dass beide Elternteile in diesen Bereichen arbeiten.

Offenbar weniger Hamsterkäufe

Unterdessen reagieren immer mehr Berliner auf die Corona-Pandemie so, wie Virologen sich das wünschen: mit Abstand zueinander. Der Ku'damm blieb relativ leer; es gab kein Gedränge auf den beliebten Wochenmärkten. In vielen Supermärkten hielten sich die Menschen an die Empfehlungen. Schlangen blieben eher die Ausnahme; Sicherheitspersonal hielt sich im Hintergrund. Es schien weniger Hamsterkäufe zu geben.

In der Nacht zu Samstag habe es auch deutlich weniger Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen gegeben als in der Nacht zuvor - 26 statt 90, hieß es von der Polizei. Allerdings stieß sie auch auf unrühmliche Ausnahmen. „Über 100 Erwachsene und Kinder trafen sich heute Nachmittag im Strandbad Müggelsee“, twitterte die Polizei am Samstag. „Mit dieser Schnapsidee sind die Verantwortlichen baden gegangen. Anzeige ist raus.“

Mehr Nachfrage in Supermärkten als in der Weihnachtszeit

Nach den Berechnungen des Handelsverbands Berlin-Brandenburg übersteigt die Nachfrage in den Supermärkten seit Beginn der Corona-Krise deutlich das Volumen des Weihnachtsgeschäfts - inzwischen um fast das Dreifache. Die Geschäfte sähen weiter einen „irrationalen Abverkauf“ von Waren wie Toilettenpapier, Seife, Drogerieartikeln, Mehl und Pasta, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen.

„Am verkaufsoffenen Sonntag werden sich wahrscheinlich viele Märkte nicht beteiligen. Das Personal muss auch mal durchatmen“, ergänzte er. „Ich ziehe meinen Hut vor den Mitarbeitern.“ Staatliche Vorgaben zur Begrenzung des Kundenansturms in den Geschäften seien jedoch nicht nötig, betonte er. Es sei klüger, das den Häusern selbst zu überlassen. Busch-Petersen wandte sich auch direkt an die Berliner: „Leute, entspannt euch. Wenn es voll ist, kommt später oder kommt am nächsten Tag früh wieder. Es wird niemand verhungern.“

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Von dpa/MAZonline