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Berlin Zwei Berliner Corona-Ampeln auf Rot: Senat beschließt Sperrstunde
Nachrichten Berlin

Corona in Berlin: Senat beschließt Sperrstunde für Gastronomie und Handel

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19:44 06.10.2020
Die Zahl der Corona-Fälle in Berlin war zuletzt immer stärker gestiegen. Nun leuchten zwei der drei Corona-Ampeln in der Hauptstadt Rot. Quelle: imago images/MiS
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Berlin

Zum ersten Mal zeigt das Berliner Ampelsystem zur Bewertung der Corona-Lage dem Senat Handlungsbedarf an. Die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in den vergangenen sieben Tagen und die Reproduktionszahl liegen inzwischen über den als kritisch definierten Grenzwerten. Das geht aus dem Online-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung vom Dienstag hervor. Damit steht die Ampel nun auf Doppel-Rot. Für diesen Fall hatte der Senat vereinbart, dass die Umsetzung von Maßnahmen erforderlich wird.

Am Dienstagabend hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach der Senatssitzung weitere Maßnahmen verkündet. Man habe, so Müller, zwei Treiber des Infektionsgeschehens ausgemacht: Ansammlungen von vielen Menschen, die die Hygiene- und Abstandsregeln nicht beachten, sowie Begegnungen im geschlossenen Raum.

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Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr

In der Folge hat der Senat beschlossen, die „Kontaktmöglichkeiten zwischen 23 und 6 Uhr drastisch einzuschränken“. Das betrifft die meisten Geschäfte sowie alle Restaurants und Bars, die in dem Zeitraum schließen müssen. Ausnahmen sind für Apotheken oder Tankstellen geplant, letztere dürfen in der Nacht aber keinen Alkohol mehr verkaufen.

Im Freien dürfen sich von 23 Uhr bis 6 Uhr nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten versammeln, wie der Senat weiter beschloss. An privaten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal zehn statt bisher 25 Personen teilnehmen. Die Regeln gelten ab Samstag und sind zunächst bis 31. Oktober befristet.

„Ich bitte alle um Mithilfe in jedem Lebensbereich“, sagte Müller weiter, „damit wir eine weitere Eskalation verhindern können“. Es gebe nach wie vor eine weltweite Krisensituation, auf diese müsse man entsprechend reagieren.

Müller kritisiert Gesundheitsminister Spahn

Müller hat auch die Art der Kritik von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an der Durchsetzung der Corona-Regeln in Berlin kritisiert. „Dass Herr Spahn gestern eine traurige Geschichte erzählt, wie er in eine Berliner Kneipe geht und darum kämpfen muss, eine Maske tragen zu dürfen, das ist schon mal ein guter Anfang, dass er darum gekämpft hat“, sagte Müller. „Noch besser wäre gewesen, wenn er darum gekämpft hätte, dass alle in der Kneipe Maske tragen oder er uns schnell einen Hinweis gibt, so dass wir schnell eingreifen können.“

Spahn hatte am Montag gesagt, er könne nicht verstehen, dass es in Berlin Restaurants gebe, wo man mit Maske angeguckt werde, als wäre man vom Mond. „Es liegt nicht an zu wenig Regeln. Es liegt eher an der Frage, wo werden welche Regeln durchgesetzt. Und da geht zumindest in manchen Bereichen dieser schönen Hauptstadt, glaube ich, noch mehr“, hatte er kritisiert.

Müller sagte am Dienstagabend: „Ich weiß, dass Berlin etwas zu tun hat, und ich finde, wir alle müssen auf allen Ebenen besser werden, aber keiner hat das Recht, mit dem Finger auf andere zu zeigen.“

Neukölln sticht beim R-Wert hervor

Auf Rot gesprungen ist in Berlin zuletzt die Ampel der Reproduktionszahl – mit einem Wert von 1,26. Das bedeutet, dass ein Infizierter mehr als einen anderen Menschen ansteckt. Um die Pandemie zu bremsen, müsste der Wert kleiner als 1 sein. Bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wird inzwischen ein Wert von 44,2 erreicht. In den Innenstadtbezirken sind die Werte deutlich höher als am Stadtrand, insbesondere Neukölln sticht mit 87,3 heraus.

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Das Ampelsystem war im Mai in der Hauptstadt eingeführt worden. Der Stand wird täglich im Internet veröffentlicht. Das Instrument soll der Politik frühzeitig anzeigen, ob sich die Lage in der Pandemie zuspitzt und ob Eingriffe nötig werden. Bei zwei gelben Ampeln - dieser Fall war erstmals am 21. September eingetreten - , wird die Problematik erörtert.

Senat berät über Maßnahmen

Seit dem 3. Oktober gelten bereits neue Beschränkungen. Private Feiern im Freien mit mehr als 50 Teilnehmern sind verboten. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Neu ist auch eine Maskenpflicht in Bürogebäuden.

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In Brandenburg wurden am Dienstagnachmittag neue Corona-Regeln vorgestellt, die ab Sonntag gelten sollen. Unter anderem sind bei weiter steigenden Infektionszahlen Beschränkungen für Privatfeiern sowie eine Maskenpflicht in Büros vorgesehen.

Von MAZonline/dpa