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Berlin Dealer-Zonen: Bezirksamt pfeift Parkmanager zurück
Nachrichten Berlin Dealer-Zonen: Bezirksamt pfeift Parkmanager zurück
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00:23 12.05.2019
Bitte nur hier Drogen verkaufen: Markierung an einem Eingang zum Görlitzer Park. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den Parkmanager im Görlitzer Park, Cengiz Demirci, zurückgepfiffen. Demirci hatte am Dienstag an mehreren Stellen im Park Plätze für Drogendealer mit rosa Farbe markiert. Die CDU und die Gewerkschaft der Polizei hatten diese Idee in der Luft zerrissen, auch die Drogenbeaufragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, zeigte sich nicht amüsiert. „Einen Freibrief zum Handel dürfen wir ganz sicher nicht erteilen“, sagte die CSU-Politikerin.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) stellte am Donnerstag klar, dass es sich bei den Dealer-Zonen um einen Alleingang Demircis gehandelt habe. Sie erklärte: „Es ist Aufgabe des Parkmanagers, im Rahmen seiner Möglichkeiten, Lösungen für die Interessenkonflikte im Görlitzer Park zu finden. Der Vorstoß mit den farbigen Markierungen auf den Gehwegen ist allerdings nicht mit dem Bezirksamt abgestimmt und sollte zunächst einmal gut bedacht und in den zuständigen Gremien diskutiert werden.“

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte, er gehe davon aus, „dass der Vorschlag des Parkmanagers nicht aufgegriffen wird“. Die Pressesprecherin des Bezirks, Sara Lühmann, sagte der MAZ, der Parkmanager habe „die Linien bewusst nur als temporäre Maßnahme zur Verhaltenssteuerung“ aufgemalt. Daher habe Demirci auch wasserlösliche Sprühfarbe genommen, eine „aktive Entfernung“ sei mithin nicht notwendig. Laut Wettervorhersage wird es am Freitag und Samstag in Berlin sehr wahrscheinlich regnen.

Maulkorb für Parkmanager

Demirci, den den Job als Parkmanager seit zweieinhalb Jahren macht, hatte am Dienstagabend im rbb für sein Konzept geworben und betont, es gehe ihm nicht nicht um eine Legalisierung des Drogenverkaufs. Sein Anliegen sei, dass andere Parkbesucher, die dort kein Dope kaufen wollen, weniger bedrängt würden. Sie müssen derzeit an den Eingängen zum Park teils an einem Spalier von Dealern vorbeilaufen. Weitere öffentliche Erklärungen Demircis hat der Bezirk unterbunden – der Parkmanager darf nicht mehr mit den Medien sprechen.

Der Oppositionsführer im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger (CDU), kritisierte Demircis Idee als „Einladung zum Rechtsbruch“. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mache sich „zum Erfüllungsgehilfen für das organisierte Verbrechen“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), kommentierte die Aktion mit beißendem Spott: „Wenn man Kriminelle als Nutzer des Parks neben spielenden Kindern integrieren möchte, sind rosafarbene Striche zur genauen Positionierung, um Cannabis, Heroin und andere Drogen zu verticken, sicher eine gute Beihilfe.“

Burkard Dregger, CDU, bei einem Besuch im Görlitzer Park Quelle: Paul Zinken/dpa

Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) wiederum hatte im rbb für eine realistische Betrachtung der Lage plädiert Er sagte: „Wer einen drogenfreien Görlitzer Park fordert, wird das Problem woanders wiederfinden.“ Eine Vertreibung der Dealer aus dem „Görli“ war auch dem CDU-Innensenator Frank Henkel nicht gelungen, der während seiner Amtszeit (bis 2016) eine „Null-Toleranz-Politik“ für den Park ausgerufen und die Polizeipräsenz hochgefahren hatte. Henkels harte Gangart, wonach Konsumenten und Dealer in jedem Fall eine Strafanzeige riskieren, auch wenn sie nur mit einer geringen Menge Cannabis erwischt werden, hatte der rot-rot-grüne Senat 2017 beendet.

Der Drogenhandel im 140.000 Quadratmeter großen Görlitzer Park ist, jedenfalls was die Vor-Ort-Verkäufer betrifft, fest in schwarzafrikanischer Hand. Die Zone, in der die Männer relativ ungeniert dealen, erstreckt sich östlich des Parks auch unterhalb der Hochbahntrasse zwischen den Haltestellen Görlitzer Bahnhof und Warschauer Straße. Im Volksmund heißt sie daher auch „Highway to Hell“.

Von Thorsten Keller

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