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Berlin Brandenburger Comedian Mohamad Jbara tritt im Quatsch Comedy Club auf
Nachrichten Berlin Brandenburger Comedian Mohamad Jbara tritt im Quatsch Comedy Club auf
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12:04 04.11.2019
Mohamad Jbara auf der Bühne des Quatsch-Comedy-Clubs in Berlin. Quelle: Heiko Hesse
Brandenburg/H

Er hat es nicht geschafft. Es gab drei Gewinner, die in die nächste Runder kommen. Und sieben auf dem vierten Platz, darunter Mohamad Jbara aus Brandenburg an der Havel. Seine etwa fünf Minuten dauernde Nummer gefiel dem Publikum im „Quatsch Comedy Club“ nicht so gut wie die Kurzprogramme der drei angehenden Comedians, die es am Freitagabend geschafft haben.

Eine Niederlage für Mohamed Jbara, der mit leisen Tönen kleine humorvolle Geschichten über die Wirrungen der deutschen Sprache, die Unterschiede zwischen deutscher und syrischer Kultur und die Integration erzählt hat? Nein, keine Niederlage, er hat gewonnen.

Bis zu sechs Minuten hatte jeder Kandidat im „Quatsch Comedy Hot Shot“ im Friedrichstadt-Palast, um das Publikum von sich zu überzeugen. Dieses Format dient der Nachwuchs-Suche. Comedy ist furchtbar beliebt, die Zuschauer lieben diese Frauen und Männer, die sie zum Lachen bringen, und wollen immer neue Gesichter. Beim „Hot Shot“ muss man drei mal unter den besten drei Bewerbern sein, dann geht‘s in die Fernseh-Show.

Die Comedians auf der Bühne des Quatsch-Comedy-Clubs. Quelle: Heiko Hesse

So verschieden die Typen da sind, die ins Rampenlicht traten, so ähnlich waren ihre Themen: Sich-selbst-kleinmachen, Sex, Anekdoten aus der deutschen Witzesammlung der 50er bis 80er Jahre. Inhaltsleerer Käse, der komisch sein soll, und für viele auch ist. Ein körperbehinderter Kandidat aus Wien (er war am Ende der Gewinner), der schwarzhumorig mit seiner Behinderung hantiert, ragte aus Witzebrei heraus.

Einfach im Club angemeldet

Auch Mohamad Jbara ragte heraus. Er ist aus Syrien geflüchtet, in Brandenburg angekommen und hat vor einem Jahr das Spielen mit der Sprache für sich entdeckt. Da gab es den ersten Radoun-Abend in der Stadt, bei dem man zusammen isst, trinkt, singt und Geschichten erzählt.

Dann trat er im Haus der Offiziere beim Poetry Slam auf, war in der Fouqué-Bibliothek im März beim „Haus voller Geschichten“ dabei. „Ich wollte es einfach mal probieren“, sagt er und hatte sich beim „Quatsch“ geworben.

Mohamad Jbara vor dem Eingang des Quatsch-Comedy-Clubs in Berlin. Quelle: Heiko Hesse

Das kann jeder. Der Bewerbung legt man ein Video von einem Auftritt bei. Im Berliner Club gehört die Bühne im Souterrain des Friedrichstadt-Palastes an jedem ersten Freitag im Monat den Neuen. Die Zusage: Egal ob man weiterkommt oder nicht, jeder geht mit einem professionellen Video von seinem Auftritt nach Hause.

In der Show am Freitag sinnierte einer über sein Versagen an der Lidl-Flaschenrückgabe – er hatte versehentlich die Spendentaste gedrückt, obwohl er jeden Cent braucht. Ein anderer dachte laut mit Grausen darüber nach, wie es gewesen wäre, wenn ihm seine Eltern einen absurden Namen gegeben hätten. Ein Bewerber aus Leipzig zog Lokalsportreporter durch den Kakao, was die Leute entweder nicht verstanden oder was wirklich nicht komisch war.

Leiser Humor statt deftige Show

Wenn Mohamad Ibara über seine Probleme mit der deutschen Sprache spricht, schmunzelt das Publikum. Wie in Brandenburg, erntet er auch in Berlin Lacher und Beifall. Aber die Lautstärke der Lacher und des Beifalls verraten: Für eine deftige Show, bei der es zur Sache geht und gern auch unter die Gürtellinie und mit Hurra in den Ausschnitt hinein, taugen Jbaras Gedanken nicht. Ein Publikum, das seinen Humor, seine feine Sprache, seinen Charme und offenes, frohes Gesicht mag, wäre in Berlin spätestens nach dem zweiten Kandidaten kopfschüttelnd aus dem Saal gegangen.

Natürlich war Mohamad Jbara hinterher geknickt. Gern wäre er weitergekommen. Jeder hat dieses – mitunter ziemlich bescheuerte – Gewinnen-wollen-Gen in seiner DNA.

Im Dezember wieder im HdO

Vielleicht hätte Jbara, der soviel Liebe zu einer neuen Sprache entwickelt hat, sein Programm für die zweite Runde verändert und mehr Pointen mit Schenkelklopfer-Garantie eingebaut. Allein, dass er diese Möglichkeit nun nicht hat, ist ein großer Gewinn. Mohamad Jbara kann bei seinen Themen bleiben.

Er macht weiter. Im Dezember kann man ihn beim Poetry Slam aus der Haus der Offiziere (HdO) erleben. Bis dahin schaut er sich das Video, das er am Freitag gewonnen hat, genau an. Und erkennt die Stellen, die er verbessern und flüssiger gestalten kann. Und sieht, wo er mit einer Mini-Pause dem Publikum Zeit gibt, einen Gedanken wirken zu lassen. Das gehört zum Handwerk, und da kann Mohamad Jbara noch einiges lernen. Nicht lernen kann man Liebe und Gefühl, die er in sich trägt, und den Menschen schenkt.

Von Heiko Hesse

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