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Berlin Neues Problem am BER: Dem Flughafen droht Personalmangel
Nachrichten Berlin Neues Problem am BER: Dem Flughafen droht Personalmangel
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16:02 16.10.2019
Der genaue Eröffnungstermin des BER soll Ende November durch den Aufsichtsrat bekanntgegeben werden. Quelle: Flughafengesellschaft/Günter Wicker
Schönefeld

In zwölf Monaten soll das Warten ein Ende haben und der BER an den Start gehen. Die Inbetriebnahme bedeutet eine steigende Nachfrage nach Personal. Das wird sowohl den Einzelhandel, die Gastronomie sowie die Berufe der Luftfahrtbranche betreffen. Prognostiziert wird, dass durch den Flughafen in Summe rund 40. 000 neue Jobs in der Region entstehen.

Einigen Akteuren machen diese eigentlich positiven Aussicht dennoch Sorgen. Denn es mangelt an Personal. Es ist damit zu rechnen, dass viele der heutigen Tegel-Mitarbeiter den Umzug nach Schönefeld (Dahme-Spreewald) nicht mit antreten werden. Gerade bei Verkäufern, in der Systemgastronomie und Reinigungsbranche würden die Arbeitnehmer sich Alternativen in Berlin suchen, so Boris Müller, Bereichsleiter der Arbeitsagentur in Königs Wusterhausen.

Erhöhten Bedarf wird es auch bei Luftverkehrskaufleuten, Bodenstewardessen, sogenannten Ramp-Agents (für Gepäckverladung und Bodenabfertigung) sowie Sicherheitspersonal geben. Wie hoch dieser zum BER-Start genau sein wird, ist zu großen Teilen allerdings noch unklar.

Zu wenig Firmen melden Bedarfe an

„Die Arbeitgeber stehen noch ein wenig auf der Bremse“, sagt Sebastian Protz, vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Königs Wusterhausen. Er erklärt, dass zu wenig Firmen ihren Bedarf schon angemeldet hätten. Und das ist ein Problem. Denn die Arbeitsagentur braucht belastbare Zahlen, um die nötigen Qualifizierungen und Umschulungen genehmigen und vorantreiben zu können.

Ralf Kendzia, Geschäftsführer Trainico in Wildau Quelle: Nadine Pensold

„Für die Unternehmen ist ein sicherer Eröffnungstermin wichtig“, erläutert Ralf Kendzia, Geschäftsführer von Trainico in Wildau (Dahme-Spreewald). Der Bildungsträger bietet Qualifizierungen im Bereich Luftfahrt an – darunter für Personal zur Flugzeug- und Passagierabfertigung. Die vielen verschobenen Eröffnungstermine am BER haben die Unternehmen verunsichert. Daher sind viele zögerlich und mögen noch nicht in neues Personal investieren.

Ende November will der FBB-Aufsichtsrat den genauen Starttermin für den BER bekannt geben (Stand jetzt: Oktober 2020). Die Zeit, um bis dahin genug Personal zu finden, wird aber bereits jetzt knapp.

Qualifizierung von Arbeitslosen reicht nicht aus

Viele Arbeits- und Fachkräfte werden über Umschulungen und Fortbildungen gewonnen werden. Diese dauern allerdings je nach Berufsbild zwischen mehreren Wochen bis hin zu zwei Jahren. Hinzu kommt die zwischen acht und zwölf Wochen dauernde Sicherheitsüberprüfung der potenziellen neuen Mitarbeiter. Die Ausbildung der Service- und Luftfahrtkaufleute dauert zum Beispiel zwei Jahre.

2018 seien in den Kursen bei Trainico rund 80 Plätze frei gewesen, diese seien aber kaum gefüllt worden, berichtet Ralf Kendzia. „Seit Jahren stellen wir die Frage, wo das Personal herkommen soll“, sagt der Trainico-Geschäftsführer. Denn allein die Weiterqualifizierung von Arbeitslosen in der Region werde nicht genügen. Denn die Arbeitlosenquote liegt derzeit bei 3,6 Prozent in Königs Wusterhausen, im Landkreis Teltow-Fläming bei 4,3 Prozent.

Bereichsleiter Agentur für Arbeit, Boris Müller Quelle: Gerlinde Irmscher

„Wir brauchen Bewerber aus dem Berliner Süden. Auch Fachkräfte aus dem Ausland werden ein großes Thema werden“, so Boris Müller. Je mehr Arbeitskräfte allerdings in die Region geholt würden, desto akuter werde das Problem, für diese Menschen bezahlbarem Wohnraum zu finden und die Verkehrsinfrastruktur auszubauen.

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Dass die Zeit für die Gewinnung des künftigen Flughafenpersonals drängt, hat noch einen weiteren Grund: „Es gibt nicht unendlich viel Ausbildungskapazitäten“, sagt Ralf Kendzia. Der Bildungsträger hat gemeinsam mit der IHK, der Wirtschaftsförderung Brandenburg und anderen Partnern eine Bedarfsstudie angestoßen, um Klarheit zu bekommen. Es sei wichtig, dass die Unternehmen nun munter werden. Das bestätigt auch Sebastian Protz vom Arbeitgeberservice. „Wenn alle Unternehmen erst drei bis sechs Monate vorher ihren Bedarf anmelden, werden wir das nicht schaffen. Am besten wäre sogar, die Leute schon jetzt anzustellen und den Sack zuzumachen.“

Unternehmen am BER bilden intern aus

Einige verfahren bereits so – etwa die Firma Frasec. Diese sorgt mit ihren Mitarbeitern für Sicherheitskontrollen abseits der Passagieraberfertigung in Schönefeld. Die Luftsicherheits-Kontrollkräfte werden längst intern von Trainern wie Katrin Steigmann ausgebildet. „130 bis 150 Leute brauchen wir schon jetzt händeringend“, sagt sie. Sechs Wochen dauert die Ausbildung plus zwei Wochen für die Prüfungen. Damit zum Start des Flughafens in einem Jahr genug Leute ausgebildet sind, sollen ab Februar etwa zehn bis zwölf Klassen beginnen.

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Sowohl im Sicherheitsbereich als auch in den anderen Branchen schränken allerdings die Arbeitsbedingungen am Flughafen die Personalauswahl noch weiter ein: Die Bereitschaft zu Schichtdiensten fast im 24-Stunden-Betrieb ist nicht für jeden attraktiv. Zusätzlich werden Fremdsprachenkenntnisse erwartet und die Bewerber müssen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen. „Die Bewerber müssen eine weiße Weste haben“, verdeutlicht es Sebastian Protz.

Jobs am BER werden besser bezahlt

„Viele fallen da raus, daher müssen finanzielle Anreize geschaffen werden“, sagt Boris Müller. Dass am BER also auch für Stellen im Gastrogewerbe und Einzelhandel höhere Gehälter erwartet werden, wird eine Sog-Wirkung erzeugen und somit Abwanderung von Betrieben in der Region hin zum Flughafen befördern. Konkret heißt das: Es ist zu erwarten, dass zum Beispiel Bäckereifachverkäufer aus Zeuthen, Eichwalde, Wildau oder Schulzendorf oder Einzelhandelskaufleute aus Blankenfelde-Mahlow ihre Stellen kündigen, um am BER besser bezahlte Angebote anzunehmen. „Das wird Löcher im Norden von Dahme-Spreewald bis hinunter in den Spreewald, in Teltow-Fläming und auch in Teilen Berlins reißen“, fürchtet Boris Müller.

Die Arbeitsagentur hat eine Flughafen-Hotline eingerichtet. Hier können sich Interessierte über offene Stellen und Qualifizierungsmaßnahmen informieren: 030/634147220.

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Von Nadine Pensold

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